Trinkwasser-Knappheit: Welche Rolle spielen Hausbrunnen und die SGW?

rnWasser-Not in Vreden

Die SVS-Versorgungsbetriebe haben die intensive Bewässerung der Gärten kritisiert. Doch es gibt auch Kritik an der Salzgewinnungsgesellschaft, Hausbrunnen-Besitzern und der Stadt Vreden.

Vreden

, 27.06.2019 / Lesedauer: 4 min

In vielen Kommunen herrscht aufgrund von hohen Temperaturen und ausbleibendem Regen derzeit akute Trinkwasser-Knappheit. In Vreden, Südlohn und Stadtlohn ist die Lage so dramatisch, dass die SVS-Versorgungsgesellschaft mitteilen ließ, dass schon in wenigen Tagen der Hahn abgedreht werden könnte. Der Wetterbericht gibt wenig Anlass zu Optimismus. Für das Wochenende werden in Vreden bis zu 34 Grad prognostiziert.

Während die SVS-Versorgungbetriebe vor allem das Nutzungsverhalten ihrer Kunden für die Trinkwasser-Not verantwortlich machen und zum sparsamen Umgang mit dem „wertvollen Nahrungsmittel“ aufrufen, richtet sich die Kritik der Bürger auch gegen die Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW). Das Unternehmen mit Sitz in Ahaus-Graes fördert im Jahr mehr als zwei Millionen Tonnen Kochsalz. Um das Salz zu gewinnen und in Form von Salzlake zu transportieren, braucht das Unternehmen pro Jahr rund sechs Millionen Kubikmeter Wasser. Das bezieht die SGW aus ihren eigenen Brunnen, wovon viele in den Bauerschaften Doemern und Ottenstein-Hörsteloe liegen.

Welche Rolle spielt die SGW?

„Welche Auswirkungen hat denn die Salzgewinnung (...) auf den Grundwasserspiegel? Kann man solchen Firmen nicht das Nutzen der Wasserreserven in Krisenzeiten verbieten?“, fragte ein User auf der Plattform Facebook. Josef Wissing aus der Bauerschaft Köckelwick glaubt sogar, dass die SGW ihren Anteil daran hat, dass es aktuell in Vreden so wenig regnet: „Dass es deutlich weniger Niederschlag in Vreden gibt, liegt auch daran, dass die SGW in Doemern Millionen Kubikmeter Wasser abpumpt. Die Regenwolken ziehen immer an uns vorbei. Der Boden ist mittlerweile wahrscheinlich so trocken, dass er keine Schauer mehr anzieht.“

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Die Vorwürfe sind nicht neu. Erst im Mai dieses Jahres wendeten sich einige Landwirte aus Doemern mit einem Hilfegesuch an die Stadt Vreden. Sie machten die SGW dafür verantwortlich, dass Risse an Gebäuden entstehen. Durch das Abpumpen des Wassers sei der Boden abgesackt.

Laut SGW haben die Maßnahmen keine Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung. „Wir kennen diese Behauptungen. Ich kann aber nur wiederholen, dass wir Produktionswasser und kein Trinkwasser abpumpen“, erklärt Marcus Klaus von der SGW am Donnerstag auf Anfrage der Redaktion. In einem offiziellen Gutachten der SGW heißt es: „Durch die Förderung im Jahr 2018 sind die Grundwasserstände im Zentrum der Absenkung gegenüber den unbeeinflussten Grundwasserständen zwar deutlich abgesenkt, sie erreichen jedoch bei weitem nicht die bisher tiefsten Wasserstände seit Förderbeginn.“ Die SGW pumpt seit 1973 in Doemern pro Jahr im Schnitt 1,8 Millionen Liter Wasser ab.

Auch Hausbrunnen-Besitzer sollten auf Bewässerung verzichten

Die Kritik der Vredener richtete sich aber nicht nur an die SGW, sondern auch an Besitzer von Hausbrunnen. „Mein Nachbar sprengt trotz der großen Not seelenruhig seinen Rasen und argumentiert, er habe ja einen eigenen Brunnen“, berichtet eine Leserin am Telefon. Auch auf Facebook wird dieses Thema diskutiert. Karlheinz Gördes, Pressesprecher des Kreises Borken, bringt Licht ins

Dunkel: „Wenn Hausbrunnen-Besitzer aktuell ihren Rasen intensiv bewässern, müssen sie natürlich ein schlechtes Gewissen haben. Sie sollten ganz darauf verzichten.“ Zwar bezögen diese Menschen ihr Wasser nicht aus der Reserven der SVS, allerdings sei das Grundwasser nur einmal da. „Alles, was dem Boden entzogen wird, fehlt irgendwo“, so Gördes.

Im Kreis Borken gibt es aktuell 7000 Hausbrunnen. Wer ihn für den Eigengebrauch nutzt, muss ihn nur beim Kreis registrieren. Anders als bei der gewerblichen Nutzung, braucht es keine Genehmigung. Wer allerdings Trinkwasser – und nicht nur Brauchwasser – aus dem Brunnen fördern will, muss ihn jährlich untersuchen lassen.

Stadt bewässert weiter ihren Grünanlagen

Für leichte Verwirrung hat bei den Vredenern gesorgt, dass am Donnerstag trotz der Wasser-Not die Grünanlagen in der Stadt bewässert wurden. Wilhelm Fahrland vom städtischen Bauhof klärt auf: „Wir bewässern sämtliche Anlagen mit Wasser aus der Berkel. Das war schon immer so. Es hat keinen Einfluss auf unsere Trinkwasserreserven.“ Die Bewässerung der Sportplätze erfolge über eigene Brunnen.

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