Trockenes Zwillbrocker Venn: Jetzt wird erst einmal Schlamm ausgehoben

rnZwillbrocker Venn

Der See im Zwillbrocker Venn ist nach drei Dürrejahren trocken gefallen. Ein Gutachten soll klären, wie dem entgegengewirkt werden kann. Das NRW-Umweltministerium hat auch ein Auge drauf.

Vreden

, 11.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist das dritte Jahr mit viel zu wenig Regen in Folge – wie alle Feuchtgebiete, die die Biologische Station Zwillbrock im Westmünsterland betreut, haben die Dürre-Jahre auch im Zwillbrocker Venn ihre Spuren hinterlassen. Aktuell ist nicht einmal der Graben, der rund um den „Lachmöwensee“ gezogen wurde, überall mit Wasser gefüllt, sagt Elke Happe von der Biologischen Station im Gespräch mit der Redaktion.

Trockenheit im Venn: Jetzt wird erst einmal Schlamm ausgehoben

Den niedrigen Wasserstand solle nun aber für eine Pflegemaßnahme genutzt werden, wie die stellvertretende Geschäftsführerin der Biologischen Station erläutert: Teile des Seegrundes sollen entschlammt werden, Bagger werden rund 5000 bis 6000 Kubikmeter des angesammelten organischen Materials ausheben.

Und zwar sammele sich das organische Material – Pflanzenreste, Möwenkot, Torfreste – vor allem dort an, wo der See tiefer ist, wo er Senken aufweist. Der Lachmöwensee ist an den allermeisten Stellen nur etwa knietief – aber hier und da gibt es Stellen, an denen es weiter hinunter geht. „Das sind die Bereiche, die nach dem Entschlammen dann auch länger das Wasser halten, weil sie dann tiefer liegen“, blickt Elke Happe auf die Wirkung der Pflegemaßnahme voraus.

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Der Schlamm wird nicht etwa irgendwohin abgefahren, sondern wird auf einen schon bestehenden „Aushubhügel“ gekippt. Der dann noch höher wird, aber für die Besucher des Venns trotzdem nicht sichtbar ist: „Der Hügel liegt nicht am Rundweg“, so die Biologin. Auf dem Hügel stehe in der Regel noch eine Kanzel, die allein für die Mitarbeiter der Biologischen Station zugänglich sei.

Pflegemaßnahme ist mit Behörden abgestimmt

Die Pflegemaßnahme, die alle paar Jahre durchgeführt wird, sei mit den Behörden abgestimmt. Elke Happe ist zuversichtlich, dass nach der für Montag geplanten Submission der Auftrag schnell erteilt werden und es innerhalb der nächsten zwei Wochen an die Arbeit gehen kann. Für den Zeitraum wäre Regen jetzt nicht so gut, aber insgesamt sei sehr, sehr viel Regen nötig, um den Feuchtgebieten und auch dem Venn zu helfen, sagt die Biologin.

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„Ein Winter allein mit Regen wird da nicht helfen“, betont sie. Und die Pflegemaßname, die jetzt anstehe, könne bestimmt die Trockenheit nicht ausgleichen. Nach wie vor beschäftige sich die Biologische Station mit der Frage, was grundsätzlich getan werden könnte, um das Wasser im Lachmöwensee zu halten.

Lanuv und geologischer Dienst NRW sind involviert

Die Station hat bei diesen Überlegungen Verstärkung bekommen: Vertreter des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) und des geologischen Dienstes des Landes NRW unterstützen die Station. „Trockenheit in Feuchtgebieten und Mooren ist ja nicht nur in Zwillbrock ein Problem“, weiß die stellvertretende Leiterin der Biologischen Station.

Von Zwillbrock aus erhoffe man sich nun Rückschlüsse für die Gebiete im ganzen Land. Ein Gutachten soll zu diesem Zweck erstellt werden. So sollen die Ab- und Zuflüsse untersucht werden, nennt Elke Happe ein Beispiel. Die Biologische Station werde einen Antrag auf Förderung ans Land NRW stellen und das Gutachten dann an ein Ingenieursbüro vergeben: Hydrologen seien dann gefragt.

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„Wir müssen gucken, was es noch für Möglichkeiten gibt“, sagt Elke Happe. Der Blick in die Zukunft sei ungewiss. Die aktuellen Auswirkungen der Dürre seien schon „ein Drama für Frösche und Libellen“, hat die Biologin mit Blick auf die Feuchtgebiete im Westmünsterland festgestellt. Auch würden sich die Vögel beim Durchzug in ihre Winterquartiere wohl andere Rastplätze suchen als zum Beispiel das Kuhlenvenn in Gescher.

Wenn das Gutachten erstellt ist, wird wohl die Frage beantwortet werden können, ob die von der Biologischen Station selbst ins Spiel gebrachte Lösung praktikabel ist: die Erde über der Tonschicht abzuschieben, damit darüber ein See entsteht.

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