Unterhaltsame Talkshow mit den Landtagskandidaten

Freundliche Duelle

Politik unterhaltsam präsentieren - mit diesem Angebot lagen KAB und Kolpingsfamilie offensichtlich richtig: Rund 140 Zuhörer hatten die Einladung zur Talkshow mit den Landtagskandidaten angenommen. Die Resonanz freute auch die, die gern die Region in Düsseldorf vertreten würden und am Sonntag für sich und ihre Positionen werben wollten.

VREDEN

, 02.04.2017, 18:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aber viel Raum für lange Monologe gewährten die katholischen Vereine und die beiden Moderatoren Ansgar Trautmann und Tim Slaba den Kandidaten nicht. Heike Wermer (CDU), Dietmar Brüning (SPD), Jens Steiner (Bündnis 90/Die Grünen), Helmut Seifen (AfD), Ulrich Doetkotte (FDP) und Philip Schulz (Linke) bekamen gleich zu Beginn humorvolle wie provokante Einstiegsfragen serviert. Was dem Linken gleich einen Ehrlichkeitsapplaus bescherte: Wahrscheinlich wäre er, wenn nicht hier, noch im Bett, so Philip Schulz.

Aber es wurde auch ernst. Wo würden die Kandidaten zwei Milliarden Euro im Landeshaushalt einsparen? Was unterscheidet ihre Parteien trotz ähnlicher Aussagen? Wie könnte die innere Sicherheit oder die Verkehrssituation verbessert werden? - im Schnelldurchlauf ging es um diese Themen.

Brüning: "Unglaubliche" Aussage

Kontroversen gab es bei den Duellen. Zu ihrem Menschenbild wurden Helmut Seifen und Dietmar Brüning befragt. Herkunft und Geldbeutel sollten zweitrangig sein, so der AfD-Kandidat. Er wurde dann aber genauer: Alle "Redlichen" fühlten sich von politischen Entscheidungsträger betrogen, es werde viel Geld für Migranten ausgegeben, die keinen Schutz bräuchten. "Nicht jedem helfen, ohne hinzugucken", sagte er und kritisierte damit die SPD. Deren Motto "Die Schwachen stärken und die Starken müssen abgeben" passe nicht mehr in die Zeit. "Unglaublich" fand das Dietmar Brüning. Manche seien "von Geburt aus nicht auf Rosen gebettet", und da sei der Staat in der Pflicht, zu helfen. Er zeigte Verständnis für die, die ihr Land in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft verlassen. "Das würde ich als Familienvater auch tun."

In vielen Dingen seien sie nicht kontrovers, so Helmut Seifen in Richtung SPD und zitierte für das, was er den Menschen wünsche, "Einigkeit und Recht und Freiheit" aus der Nationalhymne. Das rief Jens Steiner (Grüne) auf den Plan: "Ich glaube, die AfD meint da immer nur die Deutschen". "Quatsch", lautete Seifens Antwort.

Wer braucht Regeln?

Freiheit und Verantwortung waren die Stichworte für Heike Wermer (CDU) und Jens Steiner (Grüne). "Das sind die Seiten der selben Medaille" befand Jens Steiner. Heike Wermer hatte für das Zusammenspiel beider Begriffe ein Negativbeispiel: die Landwirtschaftspolitik des grünen Ministers in NRW, diese sei von Misstrauen geprägt, dort werde zu viel geregelt. "Die Gesellschaft braucht Regeln - Landwirte brauchen Regeln" konterte der Grüne trocken.

Wie definieren Ulrich Doetkotte (FDP) und Philip Schulz (Linke) Freiheit und Gerechtigkeit? Die Frage führte beide zur Schulpolitik, zur Inklusion. Gerecht sei die Inklusion nicht, könne es aber werden mit kleinen Klassen und vielen und guten Lehrer, so der Linke. Weder für Starke noch für Schwache sei die Inklusion gerecht, argumentierte der Liberale. Eine Schule für drei völlig unterschiedliche Kinder? Ein klares Nein von Doetkotte.

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