Vredener fremdeln mit Fußwegfarbe

Glossiert

Darf das sein?, fragt sich mancher Vredener angesichts eines befremdlichen Anblicks. Eigentlich wollte die Stadt Vreden nur einige Wege mit einer neuen Decke versehen. Doch das Ergebnis kratzt an einem Markenzeichen – und wirft irritierende Fragen auf.

VREDEN

, 16.06.2016 / Lesedauer: 2 min

Jeder kennt sie – die „roten Wege“ im Stadtgebiet. Pättken für Fußgänger und Radfahrer, mit einer schlichten wassergebundenden Decke versehen. Sie hatten sich mit ihrer Farbgebung harmonisch ins Stadtbild eingefügt: Denn ihr erdiger Rotton harmonierte mit dem Verblender, der sich an den meisten Gebäuden im Stadtgebiet wiederfindet – warmes, freundliches Rot. Die neuen wassergebundenden Decken setzen optisch eher auf Kontrast. Immerhin: Ihr Gelb beißt sich nicht mit dem Ziegelrot. Die Kombination darf für sich in Anspruch nehmen, optisch annehmbar zu wirken. 

Eine andere Frage stellt sich aber nun: Darf noch weiter von „roten Wegen“ gesprochen werden, wenn sie gar nicht mehr rot sind? Die Stadtverwaltung mag sich jedenfalls noch nicht ganz von dieser über viele Jahre eingebürgerten Bezeichnung lösen. Sie überschreibt ihre Pressemitteilung mit dem Satz „Rote Wege verändern sich“. Das lässt aber nicht sofort erkennen, dass damit die Farbe der Decke gemeint ist. „Abschied von den roten Wegen“ hätte aber auch nicht wirklich den Kern getroffen – die Wege bleiben ja erhalten.

Frage des Sprachgebrauchs

Eine schwierige sprachliche Frage also. Was sagen die Vredener künftig, wenn sie von den bisherigen „roten Wegen“ sprechen? „Gelbe Wege“ – das erscheint kaum vorstellbar als Neuerung im öffentlichen Sprachgebrauch. Der Beliebtheit als Verbindungen jenseits viel befahrener Straßen wird sicherlich keine Bezeichnung keinen Abbruch tun. Und weil sie so gern genutzt werden, muss von Zeit zu Zeit eben auch der Belag ausgebessert werden. „Der Ibbenbürener Brechsand trägt besser und hält auch länger“, erläuterte Hermann Wilmer, Leiter der Fachabteilung Tiefbau, die Umstellung.

Die besondere Härte mache Wege mit Ibbenbürener Brechsand besonders trittfest und lagestabil. Nach und nach würden alle Wege aus Kostengründen mit dem Dolomitsand angelegt. Klingt völlig sachlich. Aber Rot ist eben eine emotionale Farbe: etwas fürs Herz.

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