Josef Herick freut sich, dass es blüht in Vreden. © Markus Gehring
Projekt „Natürlich Vreden“

Vredener Landwirte haben 1,5 Hektar an Blühpaten verpachtet

Es sind blühende Landschaften, die zurzeit Insekten und Menschen erfreuen. Gleichzeitig ist das Projekt von „Natürlich Vreden“ ein Positiv-Beispiel dafür, dass Landwirte sich neu aufstellen.

2,2 Hektar groß ist die Fläche, mit der die Familie Herick, allen voran Betriebsleiter Josef (59) und Sohn Jonathan (24), beide Landwirte, Neuland betreten hat. Statt Feldfrüchten (Mais, Korn, Ackergras) wie auf den anderen Flächen des 25 Hektar bewirtschafteten Hofes in Köckelwick, ist es hier bunt.

Die Insekten haben was von den Flächen mit viel Blühendem - und das menschliche Auge auch.
Die Insekten haben was von den Flächen mit viel Blühendem – und das menschliche Auge auch. © Markus Gehring © Markus Gehring

Aus der Idee wurde Ende vergangenen Jahres Realität, als mit den ersten Vorbereitungen begonnen wurde. Jonathan Herick: „Eigentlich ist die Idee sogar älter, von einem Bekannten wurden wir immer wieder darauf angesprochen, ob so etwas nicht auch vor Ort möglich sei.“ Nach anfänglicher Skepsis ging es zur Sache. Die Planungen konnten starten.

Private und geschäftliche Unterstützer

Die mündeten schließlich in der Konkretisierung des Projektes „Natürlich Vreden“, das an der Ringstraße Vreden nah zum Hof Herick (Köckelwick 68) umgesetzt werden sollte. Getragen werden sollte es von Paten, sogenannten Blühpaten. Aus dem privaten wie geschäftlichen Bereich.

Die Konditionen: Zu 1 Euro kann 1 Quadratmeter für ein Jahr gepachtet werden. Je nach Größe variiert auch der Pachtpreis. Ein Angebot, das für dieses Jahr ausgebucht ist. Jonathan Herick: „70 Prozent der Fläche sind dank des großen Zuspruchs bereits vergeben.“ 1,5 Hektar eben.

Vor allem im Fokus lag das Saatgut, welches sich besonders gut eignet für die Anlage der Naturlandschaft, wurde überlegt und letztendlich festgelegt. Das erforderliche Know-How verschaffte man sich aus verschiedenen Quellen. Zum Beispiel von der „Stiftung westfälische Kulturlandschaft“.

Bestellt wurden schließlich fünf verschiedene Saatgut-Mischungen mit insgesamt 80 verschiedenen Pflanzenarten. Vor allem auf regionale Arten und auch auf unterschiedliche Blühzeiten wurde geachtet. Neben Insekten, die sich an den Blüten bedienen, wurde auch ein Getreidemix gesät. Als Nistangebote für Bodenbrüter, Unterschlupf und Futter im Winter für Wildtiere.

Eine Anlaufstelle mitten in der Natur

Am Herzen lag den den Initiatoren, die auch vom Rest der Familie (Mutter und zwei Brüder) im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt werden, von Anfang an, dass die „Blumenwiese“ auch mit Inhalt gefüllt wird. „Wir wollten, dass es mehr ist als nur eine blühende Fläche.“ Ein Beitrag zum Arten- und Naturschutz sei es in jedem Fall, aber auch ein Ziel, um sich an und in der Natur zu erfreuen. Schließlich handelt es sich um ein öffentliches Gelände, zu dem alle hingehen können, wie Jonathan Herick betont.

Die Besucher können sich an entsprechenden Infotafeln am Wegesrand nicht nur von Flora und Fauna ein Bild machen, sondern in einer Art Wanderhütte, zu der sie über neue Wege gelangen, ausruhen oder hier einfach mit allen Sinnen genießen. In Totholzhecken finden Vögel ihr Nistmaterial, Insekten dienen sie als Unterschlupf.

Auf dem Schild informiert Familie Herick über das Projekt
Auf dem Schild informiert Familie Herick über das Projekt „Natürlich Vreden“. © Markus Gehring © Markus Gehring

Fortsetzungen in alle Richtungen können im nächsten Jahr folgen. Zuerst aber steht nach der erfolgreichen Premiere die nüchterne Analyse an. Hat sich das alles gelohnt, wo sind Korrekturen, Verbesserungen, Ergänzungen sinnvoll? Auch, wie sich die Fläche im Winter entwickelt, soll beobachtet werden. Fest steht aber, dass die Pflanzen bis zum Frühjahr stehen bleiben. „Manche sind auch im Winter wertvoll für Insekten“, sagt Jonathan Herick.

Neue Wege für die Landwirte

Für den Junglandwirt öffnen sich durch solche Projekte ganz neue Wege. Und auch wenn das erste Jahr „sehr, sehr teuer war“, glaubt er sogar fest daran, dass solche Blühwiesen auch lohnenswert sind. Nicht nur im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes, sondern auch auf dem Konto des Landwirtes: „Es geht nicht nur um das Image von uns Landwirten, langfristig könnte ein solches Projekt tatsächlich zum Betriebseinkommen beitragen.“ Die Hericks glauben jedenfalls daran und haben eine 450-Euro-Kraft eingestellt.

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