Vredener wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht

Geständnis abgelegt

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs muss sich jetzt ein Vredener vor dem Landgericht Münster verantworten. Die Anklage wirft dem 53-Jährigen vor, seine Tochter in mehr als 1000 Fällen sexuell missbraucht zu haben.

MÜNSTER/VREDEN

von Von Amira Rajab

, 20.04.2015, 12:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Landgericht Münster

Das Landgericht Münster

Von Juni 2006 bis Juli 2011 soll er sich mehrmals die Woche an dem jungen Mädchen vergangen und sie zu sexuellen Handlungen genötigt haben. Schließlich kam es zur Selbstanzeige. Nach Angaben des Täters habe der Freund der Tochter ihn unter Druck gesetzt: Er solle sich binnen weniger Tage der Polizei stellen – sonst werde er ihn anzeigen.

Der Vater des Mädchens hat die Vorwürfe seiner Tochter in den meisten Anklagepunkten bestätigt. Vor Gericht verlas seine Anwältin sein Geständnis. Den Nachfragen des Richters und der Staatsanwaltschaft musste er sich aber selbst stellen.

Anklagepunkten zugestimmt

So stimmte er der Anklage der Staatsanwaltschaft in allen Punkten größtenteils zu. Er weigerte sich aber zuzugeben, dass er seine Tochter mit Gewalt und Androhungen zu weiteren Handlungen mit ihm gezwungen habe.

So bekannte der Angeklagte gleich zu Beginn der Anhörung, dass er mit Einsetzen der Geschlechtsreife seiner Tochter sexuelles Interesse an ihr gefunden habe. Als das Mädchen neun Jahre alt war, nahm er erstmals gegen ihren Willen sexuelle Handlungen an ihr vor.

Im eigenen Haus

Die Vorfälle hätten immer im eigenen Haus stattgefunden. „Meist im Schlafzimmer“, so der Angeklagte. Er habe sie in sein Bett gerufen, sobald er sich schlafen legen wollte. Zwei bis drei Mal die Woche musste sie so auf dem Weg ins eigene Schlafzimmer zu ihrem Vater ins Bett.

Die Ehefrau und Mutter des Kindes ist oft mit im Haus gewesen. „Sie wusste nichts davon“, sagt der Angeklagte. Mit seinem Kind habe er vereinbart, dass es ein Geheimnis zwischen Vater und Tochter bleiben sollte. Oft habe sie sie sich verweigert und ihren deutlichen Widerwillen gezeigt.

Psychische und physische Gewalt

Trotzdem sagte der Angeklagte vor Gericht: „Sie hat immer gemacht, was ich wollte.“ Psychische und physische Gewalt, wie es in der Anklage heißt, sei dabei angeblich nie im Spiel gewesen.

Als das Mädchen 15 Jahre alt war, musste sie sich zusätzlich dem Geschlechtsakt mit ihrem Vater stellen. „Seitdem gab es keinen Monat ohne Verkehr“, gab der 53-Jährige bei Gericht zu. Selbst als das Mädchen ihren ersten Freund hatte, habe der Angeklagte seine Tochter nicht in Ruhe lassen können.

Kontakt abgebrochen

Der Freund der Tochter konnte den Missbrauch schließlich aufdecken. Er drohte dem Angeklagten und zwang ihn so zu einer Selbstanzeige.

Die heute 22-jährige Tochter ist schwer traumatisiert. Den Kontakt zu ihrem Vater hat sie seit der Anzeige abgebrochen. Reue zeigte der Angeklagte kaum: „Bisher gab es für mich noch keine Gelegenheit, mich bei meiner Tochter zu entschuldigen.“ Ein Urteil wird in den kommenden Wochen erwartet.

Lesen Sie jetzt