Was sich hinter der „Neuen Vredener Spinnerei“ verbirgt

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Statt großem Edeka-Center ein Industriedenkmal voll mit Leben: Das will Markus Bußmann für die ehemalige Spinnerei Huesker an der Ottensteiner Straße. Der Vredener hat eine Petition gestartet.

Vreden

, 08.10.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Neue Vredener Spinnerei“ nennt Markus Bußmann sein Projekt. Durchaus mit einem Augenzwinkern. Eine Spinnerei ist es allerdings nicht, was er für das Industriegebäude aus dem Jahr 1926 möchte. Konkrete Pläne, die durchaus einen visionären Charakter haben, will der Vredener Unternehmer am Donnerstag, 10. Oktober, im Bauausschuss der Stadt Vreden vorstellen. Entsprechende Anträge hat er eingereicht.

Auf den letzten Drücker will Bußmann verhindern, dass hier die Firma Stroetmann aus Münster ein großes Edeka-Center bauen und das historische Gebäude abreißen wird. Nur bis Ende des Jahres noch nutzt die Firma Bierbaum das Gebäude als Lager. „Ein Abrissunternehmen wurde schon angefragt“, hat Markus Bußmann erfahren.

Verein gründet sich am Mittwoch

Bereits am Mittwoch, 9. Oktober, wird er mit Gleichgesinnten einen Verein gründen. Die konstituierende Sitzung, zu der jeder Interessierte eingeladen ist, beginnt um 20 Uhr, in der Burgschänke am Rathaus. Bußmann ist zuversichtlich. „In 36 Stunden haben bereits mehr als 300 Menschen die Petition unterzeichnet“, erzählt er.

Für Markus Bußmann ist die Neue Vredener Spinnerei „ein Ort für die Bürger, der die Vergangenheit würdigt, der unserer Gegenwart die Räume bietet, die wir dringend brauchen und auch in die Zukunft weist – ein Ort, der inspiriert und der ein Leuchtturm ist für Vreden weit über die Grenzen hinaus.“

Was sich hinter der „Neuen Vredener Spinnerei“ verbirgt

Das Bierbaum-Gelände im Oktober 2019. © Hubert Stroetmann

Seine Idee, sein Engagement hat zwei Hintergründe. Als Vredener Junge, so sagt er, liegt ihm das Industriedenkmal einfach am Herzen. Dieser älteste Eisenmonierbau im ganzen Westmünsterland, ein dem Bauhaus verpflichtetes Gebäude, ist für ihn absolut schützenswert. Bisher steht es nicht unter Denkmalschutz.

Familiengeschichte verbinden

Mit Blick auf ein gerahmtes Foto spricht er von „echter Familiengeschichte“. Das Bild zeigt seinen Großvater Gerhard Bussmann, wie er während der Weimarer Zeit mit dem ersten Traktor Rohbaumwolle an der Fabrik anliefert. Heute führt sein Bruder die Spedition.

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Der zweite Grund hat durchaus auch eine wirtschaftliche Komponente. Denn das Edeka-Center, so seine Befürchtung, könnte als übergroßer Konkurrent bestehende Märkte aus der Innenstadt vertreiben. „Herz und Seele der Innenstadt drohen verloren zu gehen“, so Bußmann und denkt dabei auch an den Bremer Platz. Ob sich Märkte wie geplant dann dort noch ansiedeln würden... Auch er selbst ist davon betroffen, da er an der Ottensteiner Straße 56 Gewerbeimmobilien besitzt. Hier ist unter anderem der Netto-Markt.

Was sich hinter der „Neuen Vredener Spinnerei“ verbirgt

Markus Bußmann © privat

Was also stellt sich Markus Bußmann vor? Auf dem freien Gelände würde er Wohnbebauung vorsehen. Aufregend wird es, wenn er über die Gestaltung der vielen Ebenen der ehemaligen Spinnerei auf mehr als 10.000 Quadratmetern vorstellt. Unterstützung hat er dabei vom Architekten Jörg Hannemann (Planerbund), der die Pläne für den Bremer Platz entwickelt hat und in Dorsten und Hamm Erfahrungen bei Umbau von Industriegebäuden gesammelt hat,.


Für jede Ebene gibt es ein eigenes Konzept

Ebene 1:

Hier könnte Geschichte von Handwerk und Industrie einen Ausstellungsort bekommen. Außerdem wäre hier Platz für Kernstücke aus der Opel-Sammlung Degener. Die Räume könnten zugleich für Veranstaltungen, Firmenfeiern oder Hochzeiten genutzt werden. Und eine bodenständige Kneipe soll hier auch Platz finden.

Ebene 2:

„Wir brauchen in Vreden dringend ein Hotel mit mindestens 50 Zimmern“, sagt Markus Bußmann und denkt an Geschäftsreisende und Fahrradtouristen. Es könnte hier untergebracht werden genauso wie ein Restaurant und eine Kochschule. Anziehungspunkt könnte ein Delikatessen-Einzelhandel mit Spezialitäten aus der Region werden.

Ebene 3:

Hier ist „Digitale Co-Working Spaces“ das Stichwort. Also Büros für Freelancer oder Start-ups.

Ebene 4:

Hier könnten Lofts entstehen, aber auch ein Museum für zeitgenössische Kunst steht in den Plänen von Markus Bußmann.

Als Zukunftsvision ist ein Dachgarten mit Gewächshaus und Urban Farming aufgeführt.

Ist das alles nicht zu groß gedacht? Nein, sagt Bußmann und denkt zurück an Zeiten, „wo Vreden noch große Anziehungskraft hatte“. Er sagt: „Ich bin ja nicht alleine derjenige, der hier etwas retten will. Die Vredener trifft man Samstag gerne in Winterswijk auf dem lebendigen Markt. Es wäre doch sehr schön, wenn wir den Nachbarn nun einen Ort anbieten können, wo Sie uns besuchen können.“

Markus Bußmann weiß, dass es durchaus pikant ist, sich Gedanken zu machen, was man mit dem Eigentum eines anderen Unternehmers machen könnte. „Aber das ist ein erlaubtes Gedankenspiel. Und er weiß, dass er die Unterstützung der Politik braucht.

Das Gebäude unter vorläufigen Denkmalschutz zu stellen, wäre ein Anfang. Denn das könnte ein Argument sein, damit die Firma Stroetmann das Gelände wieder verkauft.

Denkmalschutz als erster Schritt

Der Vredener, der bewusst sagt, dass er zwar Mitbewerber, aber kein Gegner von Stroetmann sei, ist durchaus optimistisch. Dass die Firma Stroetmann gerade in Münster bei ihrem Hafencenter-Projekt so viel Gegenwind bis hin zum Baustopp bekommen hat, könnte sich bei eventuellen Verhandlungen über das Vredener Projekt als hilfreich erweisen.

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