Wie BETEBE mit seinen technischen Entwicklungen die Ställe der Welt erobert

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Auf dem Hof Bengfort in Wennewick fing einst die Geschichte der Firma BETEBE an. Heute ist die Firma ein mittelständisches Unternehmen. Dass es so kam, hatte auch mit einem Zufall zu tun.

Vreden

, 18.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Oft heißt es ja, dass der Zufall im Leben eine entscheidende Rolle spielt - sowohl privat als auch geschäftlich. Dass dem auch tatsächlich so ist, das zeigt die Firmengeschichte der BETEBE GmbH aus Vreden gleich in mehrfacher Hinsicht. Denn das, was die drei Jugendfreunde Antonius Bengfort (50), Heinz Werner Temminghoff (50) und Ralf Bennink (48) mit der Gewerbeanmeldung 1999 aus der Taufe gehoben haben, ist heute ein mittelständisches Unternehmen, dessen Produkte in über 70 Ländern zu finden sind.

Die Vision, die die drei Firmengründer von Beginn an verfolgen, lässt sich wie folgt zusammenfassen: Landwirten und ihren Tieren durch innovative Technik ein beschwerdefreies und artgerechtes Miteinander zu ermöglichen. „Wir produzieren nur Dinge, bei denen Strom und Technik zusammenkommen. Ein Rohr biegen kann ja schließlich jeder“, stellt Ralf Bennink klar. Konkret heißt das: BETEBE – der Name setzt sich jeweils aus den ersten beiden Buchstaben des Nachnamens der Firmengründer zusammen – produziert Dinge, die in der Landwirtschaft bei der Viehhaltung zum Einsatz kommen.

Breite Produktpalette für den Stall

Dazu zählen unter anderem Entmistungssysteme für Ställe, Futtertischbrücken, Melkstandgerüste oder Treibhilfen. Dinge, die Landwirten die Arbeit erleichtern und den Tieren nicht schaden – im Gegenteil. Und das sei es, so Ralf Bennink, worauf es schließlich ankomme.

„Wir produzieren nur Dinge, bei denen Strom und Technik zusammenkommen. Ein Rohr biegen kann ja schließlich jeder.“
Ralf Bennink

Zum besseren Verständnis: Zu den Entmistungssystemen gehören auch so genannte Spaltenschieber, die mittels Ketten- oder Seilantrieb den Mist der Tiere in beide Richtungen durch die Schlitze in die Bodenspalten drücken. Auch „Entmistungsroboter“ gibt es. Diese manövrieren selbstständig durch die Stallungen und führen die Reinigung durch. Sie ähneln im Prinzip einem Staubsaugerroboter, die in Privathaushalten zum Einsatz kommen. Preislich liegen diese beiden Entmistungssysteme etwa bei 15.000 Euro.

Glücklicher Umstand führt zur Gewerbeanmeldung

Dass die drei Jugendfreunde aus Vreden und Umgebung aber überhaupt mal technische Geräte zu diesen Preisen verkaufen würden, daran hatte keiner der Drei zu Beginn geglaubt. „Wir hatten ja nicht mal geplant, eine Firma zu gründen“, so Ralf Bennink. Dass dem doch so kam, lag an einem glücklichen Umstand. Seinerzeit fragte nämlich der Vater von Antonius Bengfort bei den drei Hobbytüftlern an, ob sie nicht eine gute Idee für die Reinigung seines Stalles hätten. Das war 1998.

Und da die drei späteren Firmengründer selbst aus der Landwirtschaft kommen beziehungsweise Maschinenbau und Elektrotechnik studierten, machten sie sich auch direkt ans Werk. „Wir sind nach Holland gefahren und haben dort Ideen gesammelt“, erinnert sich Ralf Bennink. Danach folgten vier Monate Tüftelei, ehe der allererste „Spaltenschieber“ auf dem Hof Bengfort eingebaut werden konnte.

„Wir hatten ja nicht mal geplant, eine Firma zu gründen.“
Ralf Bennink

Als dann wenig später ein niederländischer Händler wegen anderer Angelegenheiten auf dem Hof zu Gast war und diese Installation sah, kam der Stein ins Rollen. „Der war so begeistert von der Sache, dass er die Anlage auf einer Messe in Amsterdam ausgestellt hat“, berichtet Ralf Bennink, „danach konnten wir uns vor Aufträgen kaum noch retten.“ Darum erfolgte 1999 auch die Gewerbeanmeldung.

Rasanter Aufstieg nach 1999

Und der Aufstieg sollte rasant vor sich gehen. Über eine kleine angemietete 600 Quadratmeterhalle im Jahr 2000 ging es nur vier Jahre später an den heutigen Standort, die Max-Planck-Str. 21. Und die erste Produktionshalle dort bauten die Jugendfreunde noch in Eigenregie. „Bis 2001 haben wir das sogar alles nur nebenberuflich gemacht. Wir haben jeden Tag gearbeitet. Alles andere kam zu kurz“, so Ralf Bennink. Der Schritt in die Selbstständigkeit und die Gründung der eigenen Firma war also die logische Folge - wegen der großen Nachfrage und auch, um ein Stückchen Privatleben wiederzuerlangen. „Volles Risiko“, wie Bennink es nennt.

Ein Blick von oben auf das 14.000 Quadratmeter große Firmenareal von BETBE an der Max-Planck-Str. 21.

Ein Blick von oben auf das 14.000 Quadratmeter große Firmenareal von BETBE an der Max-Planck-Str. 21. © BETEBE

Aber warum Vreden als Standort? Wegen der Heimatverbundenheit? „Ja, wir kannten doch gar nichts anderes und haben auch nicht weiter darüber nachgedacht.“ Dass die Idee und die Wahl des Standortes funktionieren, sieht man auch an den Unternehmenszahlen. Denn mittlerweile hat BETEBE 50 Mitarbeiter in den verschiedensten Bereichen, bildet selber aus und produziert auf einer Gesamtfläche von 14.000 Quadratmetern.

Und: Sämtliche Arbeitsschritte – von der Produktion aller benötigten Teile bis zum Einbau im Stall – führen die Mitarbeiter selbst aus. Selbst die Logistik, zumindest in einem Radius von 100 Kilometer um den Firmenstandort herum, übernehmen diese. Ein Fuhrpark von einem LKW, sieben Sprintern, zwei Bullis und sechs PKW machen es möglich. „Die Einzelteile der Anlagen sind klein und werden erst vor Ort zusammengebaut, darum geht das gut“, so der Geschäftsführer.

Der „Separator“ wird aktuell von BETEBE auf dem Markt etabliert.

Der „Separator“ wird aktuell von BETEBE auf dem Markt etabliert. © BETEBE

Exporte in fast die ganze Welt

Überseetransporte nach Uganda oder Neuseeland, wie es sie schon gab, übernehmen allerdings Speditionsfirmen. „Wir haben schon in über 70 Länder weltweit verkauft“, so Ralf Bennink. Reparaturarbeiten, so sie anfallen, übernehmen derweil Handelspartner. „Hier vor Ort und im Umkreis machen wir das natürlich selbst. Bei größeren Distanzen zum Kunden geht das natürlich nicht mehr, denn meistens zählt im Notfall jede Minute.“ Davon unabhängig sei aber allen BETEBE-Mitarbeitern der direkte Kontakt zu den Kunden wichtig. Denn: „Dieser ist wichtig, um am Markt teilnehmen zu können. Nur, wenn wir erfahren, wo es Probleme gibt, können wir an Lösungen und neuen Produkten arbeiten.“

„Wir kannten doch gar nichts anderes und haben auch nicht weiter darüber nachgedacht.“
RALF BENNINK

Neues Produkt wird aktuell auf dem Markt etabliert

Und auch deshalb ist das Ende der Fahnenstange in puncto Firmenentwicklung noch nicht erreicht. „Wir haben noch Visionen“, sagt Ralf Bennink. So wie aktuell den so genannten „Seperator“ – jüngst durch BETEBE auf den Markt gebracht. Mit diesem Gerät lässt sich Gülle „melken“, sodass die Nährstoffe herausgefiltert werden. „Diese feste Fase mit Nährstoffen können Landwirte dann zum Beispiel selbst vermarkten an Betriebe, die nähstoffreichen Boden benötigen“, erklärt Ralf Bennink. Oder aber selbst ausbringen, mit dem Vorteil, dass die ausgebrachte Gülle einen deutlich höheren Nährstoffanteil hat. „So müssen die Landwirte nicht unnötiges Wasser durch die Gegend fahren.“ 15 dieser Maschinen seien, so Bennink, bereits verkauft worden. „Wir etablieren das Gerät aktuell auf dem Markt.“

Ein so genannter „Entmistungsrobotor“ bei der Arbeit

Ein so genannter „Entmistungsrobotor“ bei der Arbeit © BETEBE

Und auch personell hat sich in der Führungsetage jüngst etwas getan. Firmenmitgründer Antonius Bengfort hat sich 2018 aus privaten Gründen aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Seinen Platz übernommen hat Frank Zwiers, der einst seine Lehre bei BETEBE absolvierte. „Wir setzen voll auf alle unsere Mitarbeiter. Darum bilden wir ja auch selbst aus. Perspektivisch wird unser Team sicherlich auch noch wachsen“, blickt Ralf Bennink optimistisch in die Zukunft.

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