Wirtschaftswege werden Schritt für Schritt saniert

Elf Kilometer

Die Fräse hat eine sichtbare Spur hinterlassen. Die alte Asphaltdecke ist verschwunden, eine neue ersetzt sie schon bald - ein Abschnitt von vielen im weitverzweigten Netz der Vredener Wirtschaftswege, auf denen jetzt die Bagger anrollen.

VREDEN

, 13.06.2016, 18:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es hat etwas von einer Sisyphosarbeit. In diesem Sommer sind Stücke in Zwillbrock und in Doemern dran, in Gaxel und in Großemast, in Kleinemast und Lünten, in Ammeloe und Wennewick.

Alle Stellen sind in dem Plan im Büro von Hermann Wilmer im Tiefbauamt der Stadt eingetragen. Nicht überall gibt es eine neue Decke. Die Stadt lässt einige Stellen auch zurückbauen: da, wo sich eine Sanierung nicht mehr lohnt, wo es nur noch darum geht, landwirtschaftliche Flächen zu erschließen - die unterste von drei Kategorien. "Die höchste Kategorie von Wirtschaftswegen besitzt eine Verbindungs- und Erschließungsfunktion", erläutert Hermann Wilmer. Die zweite erschließt Hofanlagen und Wohnhäuser.

Wassergebundene Decke

"2,3 Kilometer Wirtschaftswege der Kategorie drei bekommen eine wassergebundene Decke", zählt Hermann Wilmer die Maßnahmen auf. Die übrigen Abschnitte summieren sich auf neun Kilometer, die eine neue Asphaltdecke erhalten - zum Teil wird sie sogar verbreitert.

"Vom Umfang her entspricht das in etwa den Vorjahren", sagt Wilmer. Die Stadt hat einen finanziellen Ansatz in Höhe von 250000 Euro gebildet. "Das liegt seit 2011 in dieser Höhe, da wir Rückstellungen hatten."

Gesamtlänge

Wie viel oder andererseits wie wenig das ist, zeigt ein Blick auf die nackten Zahlen: Die Wirtschaftswege summiere sich insgesamt auf eine Länge von 285 Kilometer. Davon entfallen 67 Kilometer auf die erste Kategorie, 110 Kilometer auf die zweite und circa 70 Kilometer auf die dritte. "Hinzu kommen noch 40 Kilometer unbefestigte Feld- und Waldwege", ergänzt Ralf Tenbeitel vom Tiefbauamt.

Damit die Mittel für die Sanierung sinnvoll eingesetzt werden, gibt es eine Wirtschaftswegekommission. Sie hat schon früh die Weichen gestellt, was an die Reihe kommt. "Das war erforderlich, weil die Rückstellungen zweckgebunden sind", zeigt Hermann Wilmer auf. Der größere Teil der Maßnahmen liegt damit langfristig fest.

Daueraufgabe

Die Sanierung der Wirtschaftswege stellt eine Daueraufgabe für die Stadt dar. Um die Mittel möglichst effizient einzusetzen, hat sie ein Konzept dafür erarbeitet. Im Kern zielt das auf eine Unterscheidung der Wirtschaftswege nach ihrer Funktion – verbindend, Häuser erschließend oder nur Flächen erschließend. Die klare Aussage darin: Was in Kategorie drei fällt, soll zukünftig nur noch in Form eines Schotterweges verbleiben.

Dieses Konzept hat der Bauausschuss bereits im Oktober 2010 beschlossen. Die Stadt hat diesen Schritt nicht im Alleingang vorgenommen: Vorangegangen waren Gespräche mit den Vorständen der Landwirtschaftlichen Ortsvereine. Mit ihnen wurde die Einteilung der Wirtschaftswege in die drei Kategorien im Detail besprochen.

Startschuss für Konzept

Damit konnte der Startschuss für die Umsetzung des Konzeptes erfolgen. Der Wirtschaftswegekommission kommt dabei die Aufgabe zu, die Weichen für die Sanierung zu stellen. Diese erfolgte damit bereits relativ früh für einen Zeitraum einschließlich des laufenden Jahres. Diese Arbeiten haben inzwischen begonnen. Verbunden damit war auch der Finanzierungsansatz über die Rückstellungen. Sie stehen vom nächsten Jahr an nicht mehr zur Verfügung.

Die aktuellen Arbeiten sollen bis Ende Juli abgeschlossen sein, berichtete Tiefbauamtsleiter Hermann Wilmer im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Damit ist eine Fachfirma beauftragt worden. „Wir gehen nicht davon aus, dass es bei der Umsetzung zu größeren Problemen kommt“, sagt Hermann Wilmer mit Blick auf die Sperrungen, die für die Zeit der Bauarbeiten erforderlich werden. Die Firma sei angehalten, sich vor einer Sperrung mit den davon betroffenen Anwohnern in Verbindung zu setzen. Hermann Wilmer geht davon aus, dass es keine Schwierigkeiten gibt, den jeweiligen Hof weiter zu erreichen: Die meisten seien von zwei Seiten erschlossen.

Wie kann die Sanierung der Wirtschaftswege in Zukunft finanziell auf neue Beine gestellt werden? Eine Antwort auf diese Frage versprechen sich viele Städte und Gemeinden in der Region von einer Art Modellversuch. Er findet in Gescher statt: Dort laufen Bemühungen, Landwirtschaft und Stadt in einem neuen Wirtschaftswegeverband zu vereinen. Dieser Verband könnte ähnlich funktionieren wie ein Wasser- und Bodenverband.
So ein Verband hat aus Sicht der Beteiligten einige Vorteile gegenüber den anderen Optionen. Die würden entweder darin bestehen, dass eine Kommune an der Steuerschraube dreht oder aber die Anlieger über eine Beitragspflicht direkt zur Kasse bittet.
Das Land Nordrhein-Westfalen hatte die Verbandslösung rechtlich geprüft. Nachdem es jetzt aus Düsseldorf grünes Licht gab, soll die Bildung eines Verbands in Gescher nun Fahrt aufnehmen.

 

Lesen Sie jetzt