Für fast eine halbe Million Euro: Ehemalige Vredener Gaststätte wird zwangsversteigert

rnImmobilien in Vreden

Ein Wohnhaus mit Gaststätte in Vreden soll im kommenden Monat zwangsversteigert werden. Die Geschichte des Gebäudes ist geprägt von unzähligen Umbauten und fehlenden Genehmigungen.

Vreden

, 13.02.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer schon immer in Vreden eine Gaststätte mit Wohnung besitzen wollte und bislang nicht fündig wurde, hat nun Glück. Denn ein 1950 gebautes Wohnhaus, das später erweitert und zum Teil zu einer Gaststätte wurde, wird Anfang März zwangsversteigert. Das hat das Ministerium der Justiz veröffentlicht.

Interessierte können über 1000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche erwerben, insgesamt ist das Grundstück sogar über 15.000 Quadratmeter groß. Aufgrund fehlender Genehmigungen musste sich die Stadt in der Vergangenheit schon oft mit der Immobilie beschäftigen.

Auf 458.500 Euro wurde der Wert des Gebäudes in Zwillbrock, in dem zuletzt die Gaststätte „Zum Möwenparadies“ beheimatet war, von einem Gutachter des Amtsgerichts Ahaus geschätzt. Grund für die Versteigerung ist die Auflösung einer Erbengemeinschaft.

Denn wenn eine Immobilie an mehrere Personen vererbt wird und diese sich nicht einigen können, wie der Nachlass aufgeteilt wird, wird dieser auf Antrag eines Miterben zwangsweise an den Meistbietenden verkauft. Der Erlös wird dann unter allen Miterben aufgeteilt.

Erst elf Jahre nach dem Bau kam die erste Gaststätte hinzu

Die Geschichte des Gebäudes ist lang. Erbaut wurde es im Jahr 1950. Neun Jahre später erfolgte dann der erste Umbau sowie eine Erweiterung. Aus der ursprünglich nur als Wohnhaus konzipierten Immobilie wurde nach der Fertigstellung der Erweiterung 1961 ein Wohnhaus mit Gaststätte. Fünf Jahre danach kam noch ein weiterer Gastraum hinzu, ehe die Gaststätte 1977 erneut erweitert wurde.

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In der Zwischenzeit wurden auch drei Wohnhütten hinter dem Gebäude gebaut - das Gutachten des Unternehmens „Horst-Architektur“ schätzt, dass die Hütten irgendwann zwischen 1965 und 1968 errichtet wurden. Genutzt wurden die Hütten zur Vermietung an Feriengäste.

Bereits 1950 wurde in Vredens Ortsteil Zwillbrock das Gebäude, in dem zuletzt die Gaststätte "Zum Möwenparadies" beheimatet war, gebaut.

Bereits 1950 wurde in Vredens Ortsteil Zwillbrock das Gebäude, in dem zuletzt die Gaststätte „Zum Möwenparadies“ beheimatet war, gebaut. © Markus Gehring

Eine Genehmigung für den Bau hatten die damaligen Besitzer jedoch nicht. Später wurde eine Hütte wieder abgerissen, für die anderen beiden wurde im Jahr 1990 rückwirkend eine Genehmigung erlangt.

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Doch auch vor 1990 beschäftigten die Hauseigentümer die Stadt bereits aufgrund fehlender Genehmigungen. Für weitere Umbauten und Erweiterungen gab es 1980 ebenso wenig eine Genehmigung wie 1988 für die Errichtung eines Friseursalons im Gaststättengebäude. „Nach einer entsprechenden Ordnungsverfügung wurde der Betrieb dieses Friseursalons dann augenscheinlich wohl wieder aufgegeben“, heißt es in dem Gutachten, welches für die Zwangsvollstreckung erstellt wurde.

2.500 Quadratmeter könnten für einen Neubau genutzt werden

Für den nächsten Umbau 1989 wurde dann sogar ein Antrag vorab gestellt. Doch die beantragte Aufstockung des Toilettentraktes und eine Überdachung des Balkons wurde „wohl nicht ausgeführt“. Auch für das Wohnen in einer der beiden verbliebenen Hütten gab es offensichtlich nur teilweise eine Genehmigung.

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Am 4. März wird sich im Amtsgericht Ahaus zeigen, ob sich ein neuer Besitzer für das 70 Jahre alte Gebäude, das an die Hauptstraße L608 angrenzt, findet. Hinter dem Wohnhaus und der Gaststätte, wo auch die Wohnhütten stehen, gibt es in der nahen Nachbarschaft noch weitere Grundstücke mit Wohnhäusern, Freizeitanlagen und einen Angelteich.

Das Gebäude, in dem zuletzt die Gaststätte "Zum Möwenparadies" zu finden war, wird bald zwangsversteigert.

Das Gebäude, in dem zuletzt die Gaststätte „Zum Möwenparadies“ zu finden war, wird bald zwangsversteigert. © Markus Gehring

Potenzielle Käufer müssen aber darauf gefasst sein, dass auch nach dem Kauf noch Geld in die Hand genommen werden muss. „Es besteht augenscheinlich kurz- beziehungsweise mittelfristig Investitionsbedarf hinsichtlich der energetischen und optischen Qualität der Gebäudehülle“, schreibt das Architektur-Unternehmen in seinem Gutachten.

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Dort unterteilt es das gesamte 15.804 Quadratmeter umfassende Grundstück auch in zwei Teile: Das „baureife Land“ mit 2.500 Quadratmetern sowie das „Hinterland“ mit insgesamt 13.304 Quadratmetern, wobei davon fast 11.000 Quadratmeter aufgrund ihrer Beschaffenheit nur mit einem halb so hohen Quadratmeterpreis kalkuliert werden wie die restliche Fläche.

Die Zwangsversteigerung findet am Mittwoch, 4. März, um 11 Uhr im Amtsgericht Ahaus, Saal 4 in Gebäude 2, statt.

Nachtrag

  • Die Ortsbesichtigung des zuständigen Sachverständigers fand bereits am 14. Februar 2019 statt. Daher ist es durchaus möglich, dass sich seitdem an dem Gebäude noch etwas verändert hat oder Genehmigungen hinzugekommen sind.
  • „Wie weit der aktuelle Stand dieser Gespräche ist, hätte ein eventueller Erwerber mit den entsprechenden Baugenehmigungsbehörden abzustimmen“, heißt es im Gutachten des zuständigen Sachverständigers.
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