Vom Obdachlosen bis zur Alleinerziehenden: Wohn-Mobil bietet Unterstützung jeglicher Art

rnHilfeangebot im Kreis

Wohnungslosigkeit nimmt zu. Häufig versuchen Menschen, Probleme selbst zu lösen, weil sie den Kontakt zu Institutionen scheuen. Das "Wohn-Mobil" will im Kreis Borken dagegen vorgehen.

Vreden, Legden, Stadtlohn, Südlohn, Ahaus

, 10.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Wort dominierte am Mittwochvormittag in den Räumen des Antoniusheimes in Vreden: Niedrigschwelligkeit. „Wir wollen alle Menschen erreichen und ein niedrigschwelliges, dezentrales und mobiles Angebot schaffen. Es gibt keine Voraussetzungen für die Hilfe", sagte Beate Jussen aus dem Vorstand des Vereins für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen.

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Der Hintergrund für die Vorstellung des Programms im Antoniusheim in Vreden: Die Einrichtung in Trägerschaft des Vereins für katholische Arbeiterkolonien Menschen Obdach, die wohnungslos geworden sind. Befristet oder auch auf Dauer. Durch Beteiligung an Werkstätten und anderen Arbeitsstätten vor Ort können die Menschen dort wohnen.

Prävention als Stichwort

Zusammen mit Lena Stippel, die beim Verein für Ambulante Dienste verantwortlich ist, und Ingo Hoppe, einer von zwei hauptamtlichen Beschäftigten des Projekts, stellte Beate Jussen das Projekt „Wohn-Mobil" vor. Der Verein stellte einen Antrag auf Unterstützung der Iniative und bekam daraufhin vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen Mittel zur Verfügung gestellt, um Wohnungslosigkeit zu verhindern.

Der Anlass für den Antrag: „Unsere jahrelangen Erfahrungen zeigen, dass die Menschen die Hilfe früher brauchen als sie es bisher in Anspruch nehmen. Wir haben den Bedarf für ein früheres Eingreifen erkannt und wollen daher mit dem Projekt präventiv handeln“, erklärte Jussen.

Viele Menschen haben Angst zu telefonieren, wollen keinen Termin beim Amt machen oder sind nicht in der Lage dazu und die ganze Bürokratie schreckt sie ab. „Wir haben festgestellt, dass Menschen dann Hilfe suchen, wenn es meist schon zu spät ist. Dem wollen wir entgegenwirken", sagte Lena Stippel. Den Initiatoren ist es besonders wichtig, die Hemmschwelle des Zugangs zu verringern.

Bulli soll durch 14 Gemeinden und Städte touren

Das Projekt richtet sich vor allem an Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen im Kreis Borken. Das „Wohn-Mobil" will darüber hinaus Ansprechpartner für alle Menschen sein, die in einer Notlage sind. „Auch die alleinerziehende Mutter kann sich gerne an uns wenden, wenn der Wohnungsverlust droht", meinte Jussen. Um möglichst viele Menschen in sämtlichen Gemeinden und Städten zu erreichen, ist das Programm dezentral geplant.

Ein Bulli soll regelmäßig in 14 Gemeinden und Städten im Kreis Borken Station machen und als Beratungsangebot zur Verfügung steht. „Wir wollen Präsenz an Orten wie Tafeln, Notunterkünften und ähnlichen Gebäuden zeigen", berichtete Ingo Hoppe. Dazu hat der Verein Räume an öffentlichen Plätzen angemietet, an denen feste Sprechzeiten organisiert werden.

WhatsApp-Nachrichten möglich

Um den ersten Kontakt zu erleichtern, ist das „Wohn-Mobil" über eine Handynummer via Anruf, SMS oder WhatsApp und eine Mailadresse zu erreichen. Auch hier gilt das Thema Niedrigschwelligkeit. „Ziel ist es, die neuen Medien einzubetten. Über unsere Facebookseite wollen wir regelmäßig die Orte bekanntgeben, an denen wir sind", sagte Stippel.

Dementsprechend flexibel will das Programm arbeiten. Wenn einer der zwei Hauptamtlichen kontaktiert wird, soll schnellstmöglich ein Treffen zustandekommen. "Wir wollen schnell reagieren und bei den Menschen, die uns brauchen vor Ort sein", meinte Hoppe.

Programm will Netzwerke schaffen

Die Verantwortlichen betonen, dass es sich bei dem neuen Projekt nicht um ein Konkurrenzangebot zu anderen Diensten wie der Sucht- oder der Schuldnerberatung handelt. „Wir wollen ganz bewusst ein Miteinander mit anderen Angeboten erreichen. Das 'Wohn-Mobil' trägt zudem auch keine stigmatisierende Bezeichnung in sich, sodass der Zugang vielleicht leichter ist", vermutete Jussen.

Dementsprechend will das Programm auch ein Netzwerk mit anderen Ansprechpartnern wie Jobcentern, Sozialämtern oder Ordnungsämtern schaffen. Auch mit Vermietern wollen sich die Verantwortlichen regelmäßig austauschen, um eine Wohnungslosigkeit zu verhindern. Zusätzlich wollen die Verantwortlichen Wohnraum finden, in dem Hilfesuchende günstig untergebracht werden können.

Das Projekt läuft seit dem 1. September diesen Jahres und ist bis zum 31.12.2020 geplant. „Bisher gab es schon einige Kontaktaufnahmen und Anfragen. Durch unsere Präsenz in den sozialen Medien, bei den Menschen vor Ort und durch Mund-zu-Mund-Propaganda erhoffen wir uns eine schnelle Verbreitung", sagte Hoppe.

Kontakt „Wohn-Mobil“

  • Handy: 0151 563 299 63
  • E-Mail: wohn-mobil@va-ambulante-dienste.de
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