Zu Haftstrafe auf Bewährung verurteilt

Sexueller Missbrauch

Wegen sexuellen Missbrauchs eines Schutzbefohlenen in zehn Fällen ist am Donnerstag ein 54-jähriger Bäckermeister aus Vreden vom Jugendschöffengericht Ahaus zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt worden, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

VREDEN

von Von Dr. Johannes Kratz

, 01.09.2011, 13:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Taten hatten sich schon im Jahr 2009 ereignet. Das Opfer rang sich aber erst im Januar dieses Jahres zur Anzeige durch: Da hatte er von einer Bekannten seiner Mutter gehört, sein ehemaliger Lehrherr verbreite, er habe ihm wegen Drogenkonsums kündigen müssen. Das wollte er sich nicht bieten lassen. In seiner Befragung durch das Gericht sagte der inzwischen 19-Jährige aus, sein ehemaliger Meister habe ihn wiederholt kurz vor Feierabend, wenn beide sich allein in der Backstube befunden hätten, unsittlich berührt. Er habe deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er das nicht wünsche und versucht, dem Meister aus dem Weg zu gehen. Das aber habe nicht geholfen. Nach ungefähr sechs Wochen in dem Betrieb war der damals 17-Jährige in der Berufsschule zusammengebrochen und wurde von seinem Hausarzt für 14 Tage krank geschrieben. Daraufhin hatte er die Kündigung erhalten.

Der Angeklagte wollte sich vor Gericht zu den Anschuldigungen nicht äußern. In den polizeilichen Vernehmungen aber hatte er die Vorwürfe zum Teil eingeräumt, wie ein Polizeibeamter als Zeuge aussagte. Sein Verteidiger versuchte durch Aussagen von ehemaligen Mitarbeitern der Bäckerei, die Glaubwürdigkeit des Opfers in Zweifel zu ziehen und die Beschuldigungen als späte Rache für die Kündigung abzutun. Der 17-Jährige habe die einfachsten Aufgaben falsch oder unvollständig ausgeführt und zudem sei er unzuverlässig gewesen und habe wiederholt unentschuldigt gefehlt, war der Tenor dieser Zeugen vor Gericht. Dem widersprach aber die Aussage eines Bäckermeisters aus Ahaus, bei dem der 19-Jährige jetzt seine Lehre absolviert. Er war voll des Lobes über die guten Leistungen seines Auszubildenden, der vor dem Abschluss des Lehrvertrags ein mehrmonatiges Praktikum im Ahauser Betrieb absolviert hatte. Das Gericht schenkte dem ehemaligen Auszubildenden Glauben und verurteilte den Bäckermeister, der inzwischen nicht mehr selbstständig tätig ist.

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