Zukunft geklärt: Vredens Bürgermeister Christoph Holtwisch wird Professor

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Die Zukunft von Vredens amtierenden Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch steht fest. Er geht in die Wissenschaft. Von langer Hand geplant, war dieser Schritt nicht. Vreden bleibt er erhalten.

Vreden

, 26.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

So langsam beginnt die Abschiedstournee für Vredens Bürgermeister Christoph Holtwisch. In rund vier Monaten wird er sein Büro räumen und für seinen Nachfolger beziehungsweise seine Nachfolgerin Platz machen. Nun steht fest, was er danach machen wird. Wie er zu seinem Position gekommen ist, verrät er im Interview.

Herr Holtwisch, lange haben Sie Raum für Spekulationen gelassen, wenn es darum ging, was Sie in Zukunft machen werden. Wie ist der aktuelle Stand?

Ich wollte erst etwas verkünden, wenn es auch offiziell ist. Das ist nun der Fall. Ich bin einem Ruf der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW gefolgt. Dort übernehme ich am Standort Duisburg/Mülheim eine Professur für Staatsrecht und öffentliches Bau- und Planungsrecht. Eine fachlich sehr spannende Aufgabe, wie ich finde – und eine Tätigkeit, bei der ich mit jungen Menschen zusammenarbeiten werde, worauf ich mich schon freue.

Wie ist es dazu gekommen?

Die Hochschulen schreiben solche Stellen ganz regulär aus. Ich stieß im Spätherbst des vergangenen Jahres darauf. Das Auswahlverfahren für eine Professur ist relativ aufwändig, da nicht nur Bewerbungsgespräche geführt, sondern auch Probe-Lehrveranstaltungen vor Studierenden präsentiert werden müssen. Die Berufungskommission trifft dann nach wissenschaftlicher und pädagogischer Eignung eine Entscheidung, welche sie den Hochschulgremien empfiehlt, die dann einen offiziellen Entschluss fassen. Diesen Ruf der Hochschule – wie man es bei Professuren nennt – habe ich dann angenommen.

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Ihre Ernennung zum Professor fand bei einem offiziellen Akt bereits Ende Mai statt. Muss sich Vreden Sorgen machen, seinen Bürgermeister schon vorzeitig an die Hochschule zu verlieren?

Nein. Ich habe von vornherein klar gestellt, dass ich mein Amt bei der Stadt Vreden noch bis Ende Oktober innehabe und eine frühere Übernahme der Professur nicht infrage kommt. Deshalb trete ich die Stelle erst Anfang November an.

Wäre es denn möglich gewesen, die Stelle vorzeitig zu übernehmen?

Das wäre sicherlich theoretisch möglich gewesen, war für mich aber gar keine Option. Ich bin als Bürgermeister für eine volle Amtszeit angetreten und von daher bringe ich das hier auf jeden Fall auch mit voller Energie und Leidenschaft zu Ende.

So wird es aber ein Start in das laufende Semester hinein...

Das ist richtig, das Semester startet im September. Ich habe der Hochschule auch gesagt, dass ich vorab sicher mal die eine oder andere Lehrveranstaltung übernehmen kann, aber in den regulären Lehrbetrieb steige ich erst im November ein. Das traf auf viel Verständnis.

Was hat bei Ihnen den Ausschlag dafür gegeben, sich nun wieder verstärkt der Wissenschaft zu widmen?

Ich habe diesen Zweig ja die ganze Zeit über nicht ruhen lassen, sondern war parallel zu meinem Bürgermeisteramt immer wieder wissenschaftlich aktiv, zum Beispiel als Dozent am Fraunhofer Institut. Die Professur ist aus meiner Perspektive eine gute Chance, meine langjährige Verwaltungspraxis – welche ich in den letzten Jahren insbesondere während der Zeit als Bürgermeister gesammelt habe – zusammenzubringen mit dem, was ich auch sonst immer schon sehr intensiv gemacht habe: der wissenschaftlichen Tätigkeit. Ich führe damit die beiden Bereiche – Theorie und Praxis – zusammen, die meinen bisherigen Lebenslauf prägen. Deshalb bin ich für diese Chance sehr dankbar und freue mich auf die neue Aufgabe.

Glauben Sie, dass sie sich trotz Corona den Studierenden im November persönlich vorstellen können?

(lacht) Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Ich habe aber durchaus Hoffnung, weil bis dahin noch einige Monate vergehen. Das wäre natürlich auch mein großer Wunsch. Auch wenn ich Erfahrungen in der Fernlehre habe, lebt Hochschule doch vom direkten Austausch.

Im Vorjahr gaben Sie kurz vor der Kirmes bekannt, nicht noch einmal für das Amt des Bürgermeisters zur Verfügung zu stehen. Wie klar war damals schon, wohin für Sie die Reise geht?

Damals stand überhaupt noch nichts fest. Das war eine sehr grundsätzliche, sehr persönliche Entscheidung, und ich hatte damals keine konkrete neue Perspektive. Die Ausschreibung für die Professur kam ja auch erst deutlich später. Ich bin damit vor einem Jahr durchaus ein Stück ins Risiko gegangen.

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Sie haben es in der Vergangenheit schon angedeutet, aber erklären Sie noch einmal, was für Sie damals konkret den Ausschlag gab, nicht wieder anzutreten?

Ich habe im Alter von 35 Jahren das Amt des Bürgermeisters angetreten – nun bin ich 45. Wenn man die Zeit als Beigeordneter mitrechnet, stehe ich fast 14 Jahre an der Spitze der Stadt Vreden, davon gut 11 Jahre als Bürgermeister. Das ist aus meiner persönlichen Sicht ein langer Zeitraum. Für mich war es somit nie eine ernsthafte Perspektive, das Bürgermeisteramt in Vreden bis 65 oder 67 auszuüben. Vielmehr war schon altersmäßig klar, dass noch etwas danach kommen wird. Mitte 40 halte ich für ein gutes Alter, noch einmal etwas Neues zu starten.

War es tatsächlich nur das Alter?

Nein, denn nach den vielen Jahren bei der Stadt Vreden habe ich irgendwann auch gemerkt, dass mich eine neue Herausforderung reizt – bei aller Freude, die mir meine jetzige Tätigkeit bereitet. Man soll ja dann gehen, wenn es am Schönsten ist...

Werden Sie Vredener bleiben?

Wir haben erst einmal nicht vor umzuziehen. Wir fühlen uns in Vreden sehr wohl. Bei einer Professur ist es so, dass man zwar für die Lehrveranstaltungen vor Ort ist. Aber sämtliche zeitintensiven Vorbereitungen und dergleichen können von zu Hause aus erfolgen. Deshalb sehe ich die Notwendigkeit nicht, nun schnell die Sachen zu packen.

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