Tim Bröer erzielte auf ungewohnter Position die Führung für den SV Herbern gegen den VfL Senden. © Janis Czymoch
Fußball

Last-Minute-Drama für den SV Herbern trotz Führung und „unzähliger Torchancen“

In der Fußball-Landesliga verpasst der abstiegsbedrohte SV Herbern den Befreiungsschlag gegen den VfL Senden und verliert in letzter Minute. Der Trainer kritisiert seine Mittelfeldspieler.

Schon wieder Derby-Time für den SV Herbern. Nachdem der SVH vor wenigen Wochen gegen den Werner SC im Landesliga-Derby vor fast tausend Zuschauern knapp mit 0:1 den kürzeren gezogen hatte stand in der Fußball-Landesliga 4 das Duell gegen den VfL Senden an. Bei strahlendem Sonnenschein entwickelte sich das kleine Derby am Sonntagnachmittag zu einem echten Last-Minute-Drama.

Landesliga 4

VfL Senden – SV Herbern

1:2 (0:1)
Trotz ihrer Pausenführung und unzähligen verpassten Torchancen schenkte das Team von Herbern Trainer Benjamin Siegert die sicher geglaubten Punkte noch her. In den letzten Minuten der Partie erzielte der VfL Senden sogar noch den 1:2-Siegtreffer.

„Was soll ich sagen, das ist Fußball. Wir hatten unzählige Torchancen und müssen das Spiel in der ersten Halbzeit schon mit zwei drei Toren unterschied entschieden haben“, sagte der sichtlich geknickte Trainer nach der Partie.

Mit seiner Analyse hatte der erneut in der Startelf befindliche Spielertrainer das große Manko seiner Mannschaft an diesem Nachmittag passend beschrieben. Eine katastrophale Chancenverwertung.

SVH-Spielertrainer Benjamin Siegert war nach der Partie bedient.
SVH-Spielertrainer Benjamin Siegert war nach der Partie bedient. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

Denn außer einer riesen Möglichkeit für den VfL in der 6. Spielminute konnten sich die Sendener in der ersten Halbzeit keine weiteren Torchancen erspielen.

Den Top-Torschützen Niklas Castelle nahm der SVH nach dieser Szene zunächst komplett aus dem Spiel und kam selbst erstmals in der 10. Minute zu einem gefährlichen Abschluss: Nach einer Ecke feuerte Sebastian Schütte das Leder aus dem Rückraum gegen das Aluminium.

Und das war längst nicht alles. Mittelstürmer Daniel Krüger scheiterte nach einer erfolgreichen Körpertäuschung mit einem flachen Ball von der Strafraumgrenze am gegnerischen Keeper (18.). Sein Schuss aus halbrechter Position kurze Zeit später ging nur knapp unten links am Tor vorbei (33.). Auch Robin Schwick hatte noch zwei hundertprozentige Chancen.

„Die Jungs wissen selber, das wir da unsere Tore unbedingt hätten machen müssen“, sagte Benjamin Siegert konsterniert. Umso ärgerlicher, dass ein weiterer Herberner Spieler mit zwei nahezu 100-Prozentigen-Chancen an Sendens Johannes Brückner verzweifelte – und an den Platzverhältnissen im Sportpark.

Erlösung aus Herberner Sicht kurz vor der Halbzeit

Erst kurz vor dem Halbzeitpfiff folgte dann doch noch die Erlösung für die Herberner, als Tim Bröer auf der linken Seite das längst überfällige Tor erzielte. Er war bei einem Angriff über die Rechte Seite mit aufgerückt und musste das Leder nur noch über die Linie drücken. Hochverdiente Pausenführung für den bis dato dominant auftretenden Tabellenvorletzten.

In der ersten Halbzeit schien für den SV Herbern noch alles nach Plan zu laufen. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

Damit war in der zweiten Halbzeit aus Sicht der Herberner aber leider Schluss. In der 57. konnte Sandhowe mit einer Glanzparade den Ausgleich durch Niklas Castelle gerade noch so verhindern – neun Minuten später passierte es dann aber doch.

SV Herbern Trainer kritisiert sein Mittelfeld

Sefai Colak machte es dieses Mal besser und erzielte mit einem strammen Schuss außerhalb des Sechzehners den 1:1-Ausgleichstreffer (66.). Danach war die Partie ausgeglichener und der VfL verpasste sogar die Möglichkeit zur Führung (70.). Aber auch der heute glücklose SVH-Neuner Daniel Krüger scheiterte noch zweimal aussichtsreich (83. und 85.). Dann folgte das Last-Minute-Drama.

Nach Krügers vergebener Doppelchance, baut der VfL Senden in der 89. Spielminute behutsam sein Spiel auf, als Niklas Castelle auf einmal völlig unbedrängt den Ball behaupten kann und eine Lücke sieht. Sein Pass findet Joshusa Dabrowski und der rennt alleine auf Sandhowe zu und vollstreckt tatsächlich noch zum 2:1 für Senden.

„Unsere beiden Sechser standen da völlig falsch, aber das wissen die Jungs selber“, analysiert Benjamin Siegert die spielentscheidende Szene. Warum seine Mannschaft trotz einer über weite Teile überlegenen Spielweise am Ende trotzdem ohne Punkte nach Hause fährt, macht der SVH-Trainer an der Einstellung seiner Spieler fest: „Wir hätten den Sieg verdient gehabt, haben aber einfach zu naiv gespielt.“

SVH: Sandhowe – Dubicki, Närdemann (64. Breloh), Bröer, Schütte (72. Sobbe), Krüger, Schwick, Schulte, Scholtysik (79. Richter), Dombrowski, Siegert

Tore: 1:0 Bröer, 1:1 Colak, 1:2 Dabrowski

Über den Autor
Volontär
Ist passionierter und aktiver Sportler aus dem schönen Bergischen Land und seit 2011, ursprünglich wegen des Studiums, im Ruhrgebiet unterwegs. Liebt die Kommunikation mit Menschen im Allgemeinen und das Aufschreiben ihrer Geschichten im Speziellen.
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Janis Czymoch