Seit Langem kritisiert die DLRG, dass es immer mehr Nicht-Schwimmer gibt. Durch Corona verschlimmert sich das Problem. © Helga Felgenträger (A)
DLRG Herbern

„Sind schon Volk der Nicht-Schwimmer“: DLRG Herbern macht sich nicht erst seit Corona Sorgen

Seit Monaten sind die Bäder deutschlandweit geschlossen. Experten warnen vor einer Zunahme der Nicht-Schwimmer. Für die DLRG Herbern liegt das Problem aber an anderer Stelle.

Keine Schwimmkurse, kein Schulschwimmen, kein Baden mit der Familie: Wegen der Corona-Pandemie sind seit Monaten die Schwimmbäder geschlossen. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres. Experten schlagen Alarm – obwohl das Problem bekannt ist.

„Wir haben uns schon zu einer Generation Nicht-Schwimmer entwickelt“, sagt der Vorsitzende der DLRG Ortsgruppe Herbern, Ralf Thoss. Tatsächlich warnte die DLRG nach einer Forsa-Umfrage bereits 2017, dass fast 60 Prozent der Zehnjährigen nicht sicher schwimmen könne. „Das ist kein Corona-Problem. Aber Corona hat es mit Sicherheit verschärft“, ist sich Thoss daher sicher.

Thoss sieht für diese Entwicklung vor allem zwei Gründe. Zum einen die Schließung von Schwimmbädern: „Zuletzt das Lehrschwimmbecken in Stockum. Das war gerade für die Anfängerschwimmausbildung sehr gut geeignet.“ Wenn man weiter gucke, sieht der Vorsitzende dann noch das Hallenbad in Nordkirchen, welches seit Jahren schon zu ist: „Da kommt ja immer wieder was von wegen Wiedereröffnung. Aber mittlerweile habe ich schon das Gefühl, dass das nichts mehr wird.“

Warteliste wird länger und länger

Zum anderen werde aber auch die Anzahl der Angebote für Kinder, um schwimmen zu lernen, immer geringer. Stattdessen würden Eltern in die Pflicht genommen, häufiger mit ihren Kindern schwimmen zu gehen. Auch die DLRG in Herbern bietet keine Erstschwimmer-Kurse an: „Wir fangen immer erst um 17 Uhr an. Und bei einer Wassertiefe von 1,80 Metern bringt das nichts. Und die Tiefe hoch fahren geht nicht wegen der sicheren Schwimmer.“

In Herbern bietet die Gemeinde Ascheberg Erstschwimmer-Kurse an. Allerdings sind diese – wie in anderen Städten auch – so stark nachgefragt, dass es Wartelisten gibt. Der Jahrgang 2012 kann dadurch laut Thoss nicht abgearbeitet werden, obwohl eigentlich schon der Jahrgang 2013 auf Kursplätze wartet. „Dann wird die Zeit des Wartens immer länger, das ist natürlich auch Corona-bedingt“, sagt Thoss.

Keine Schwimmkurse in den Osterferien

Jetzt während der Pandemie stellt Ralf Thoss auch die Frage auf, wer die Kurse überhaupt machen soll. Schließlich wäre dies auch für die Schwimmmeister gefährlich: „Die Frage ist ja auch, ob das Personal willens ist, gerade Schwimmkurse durchzuführen. Die Gefahr ist größer, wenn nicht alle geimpft sind und in den Anfängerkursen muss man Körperkontakt haben und vielleicht mit den Kindern ins Wasser. Man könnte dann die Eltern mit ins Boot holen, aber dann ist auch schnell die Zahl ausgereizt, die als Personen momentan teilnehmen dürfen.“

Um das Ganze etwas zu entzerren, sollten eigentlich über die Osterferien Crash-Schwimmkurse angeboten werden. Weil dann kein Schulschwimmen gewesen wäre, hätte man von morgens bis nachmittags Schwimmkurse anbieten können. Dies ist durch die neuen Beschränkungen und die momentane Entwicklung aber unmöglich.

Ralf Thoss sieht daher eine düstere Entwicklung: „Eigentlich sind wir ein Volk der Nicht-Schwimmer geworden. Da hat die DLRG schon seit Jahren drauf hingewiesen. Es entwickelt sich nicht jetzt erst eine Generation Nicht-Schwimmer. Wir sind schon mittendrin.“

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1993 in Werne geboren. Habe Geschichte und Religionswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Seitdem ich 15 bin bei Lensing Media: Angefangen in der Lokalredaktion Werne, inzwischen fast nur noch als Freie Mitarbeiterin in der Stadtredaktion Dortmund.
Zur Autorenseite
Verena Schafflick

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.