Das Kreispokal-Derby zwischen dem Werner SC und dem SV Herbern war eins der letzten Highlights vor dem zweiten Lockdown. © Jura Weitzel
Meinung

Warum mir der Lokalsport in Corona-Zeiten so sehr fehlt

Über zweieinhalb Monate ist es nun schon her, seit zum letzten Mal Amateursport stattgefunden hat. Die Sportler vermissen das sehr - aber wir Redakteure auch.

Dreieinhalb Monate. Mindestens. Seit Anfang November und mindestens noch bis Mitte Februar steht auf den Sportplätzen und in den Hallen der Region noch alles still. Das ist für alle Sportler anstrengend, nervig und langweilig. Aber ebenso auch für uns Reporter.

Wenn ich sagen müsste, was ich an meinem Job am meisten liebe, dann wüsste ich sofort eine Antwort: die Spiele. Auch wenn es für viele gewöhnungsbedürftig erscheint, an einem Sonntag zu arbeiten, ist es für mich immer ein Highlight, sonntags zum Platz zu fahren – wenn eben kein Corona ist.

Dabei geht es dann auch – aber eben nicht nur – um das Geschehen auf dem Platz. Es ist toll, wenn sich zwei Mannschaften ein spannendes Spiel liefern, klar. Aber mindestens genauso schön ist doch auch alles, was eben noch so drumherum passiert.

Da gibt es zum Beispiel den Co-Trainer Jens Kalpein, der gern mal einen lustigen Spruch auf den Platz ruft. Oder den Kapitän Chris Thannheiser, der seine Mannschaft immer bis ans Äußerste pusht – egal ob auf oder neben dem Platz. Oder, oder, oder.

Solche Situationen habe ich an den Plätzen hier in der Region schon oft erlebt. Und ganz ehrlich: Sie fehlen mir aktuell sehr. Aber nicht nur die Fußballplätze: Auch die letzten Samstagabende, die ich mit den LippeBaskets in allen möglichen Hallen der 2. Regionalliga verbracht habe, sind mittlerweile schon viel zu lange her.

Gar nicht anfangen brauche ich von Handball und Volleyball: Seit ich im April Redakteurin geworden bin, fehlte mir aufgrund der Pandemie bislang die Möglichkeit, mir ein Spiel in der Halle anzuschauen. Und auch die Triathleten hätte ich gern mal zu einem Rennen begleitet.

Aber es sind ja nicht nur die Spiele selbst, die wir als Sportredakteure aktuell vermissen. Es sind auch die Geschichten, die sich daraus ergeben. Wenn ich sonntags am Platz stehe, bringe ich danach nicht nur den Spielbericht mit in die Redaktion. Es gibt auch immer wieder persönliche Geschichten, die wir uns erst sonntags erzählen und im Laufe der Woche dann schreiben.

Und: Die fehlen mir alle. Egal, ob es der Spieler ist, der nach einem Ausraster Rot gesehen hat. Oder der Stürmer, der nach einer scheinbar endlosen Torflaute endlich wieder trifft. Auch in Zeiten der Pandemie schreibe ich persönliche Geschichten. Aber sie sind bei Weitem nicht so mitreißend. Und wenn wir mal ehrlich sind: Das nervt auch uns manchmal.

Dennoch können wir nur abwarten und mit Corona-konformem Verhalten alles dafür tun, dass wir so schnell wie möglich wieder Amateursport machen und sehen können. Also: Durchhalten! Wenn es wieder los geht, wird es dafür umso schöner.

Über die Autorin
Redakteurin
Geboren im Münsterland, aber schnell verliebt in den Ruhrpott. Mit dem Herzen vor allem beim Fußball, aber auch begeistert von vielen anderen Sportarten. Seit 2018 bei Lensingmedia, seit 2020 Sportredakteurin.
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Johanna Wiening