500 Jahre altes Werner Altarbild wird eingeweiht

Rückkehr aus Münster

Es erzählt die Ostergeschichte und setzt dabei überraschende Akzente: Das Altarbild, das um 1680 Werne Richtung Münster verlassen hat, ist im Herbst in die Lippestadt zurückgekehrt - zumindest als Kopie. Die knapp 500 Jahre alte Schauwand in der Christophorus-Kirche wird nun am 6. April offiziell eingeweiht.

WERNE

, 03.04.2016, 18:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
500 Jahre altes Werner Altarbild wird eingeweiht

Jesu zwar der Mittelpunkt – jedoch sieht Jesus den Betrachter im Gegensatz zu üblichen Darstellungen nicht an.

"Es ist schon ungewöhnlich, dass Jesus, auch wenn er tot ist, den Betrachter nicht anschaut", kommentiert Pfarrdechant Jürgen Schäfer das zentrale Motiv des Bildes: Die Kreuzabnahme Jesu. Im Mittelpunkt steht dabei Maria Magdalena, die ihre Hände dem Leichnam entgegenstreckt. "Und es sieht so aus, als ob Jesus diese Geste erwidern würde", interpretiert Schäfer das Werk. Jesu Mutter Maria und der "Lieblingsjünger" Johannes stehen indes ebenso am Rand des Bildes wie das Wunder der Auferstehung, das sich dezent im Hintergrund abspielt.

Von den Preußen verstaatlicht

Dass Maria Magdalena eine zentrale Rolle einnimmt, kommt nicht völlig überraschend: "Das Bild stand ursprünglich auf dem Altar des Magdalenenhospitals", erläutert Schäfer. "Es ist davon auszugehen, dass es sich um eine Auftragsarbeit gehandelt hat." Das Original wird auf circa 1540 datiert.

Die letzten Reste des Hospitals verschwanden laut Schäfer zwar erst 1907 – an der Stelle trifft heute die kleine Burgstraße auf die Magdalenenstraße. Doch das Bild trat bereits um 1680 seine weitere Reise an. In der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg hatte der Bischof von Münster die Vikarie, zu der das Magdalenenstift gehörte, auf das Kapuzinerkloster übertragen. Eine Vikarie ist heutzutage vergleichbar mit einer Stiftung, die Aufgaben eines Trägers übernimmt.

Jetzt lesen

Jetzt lesen

"Offiziell durften die Kapuziner nicht mehr als Orden tätig sein, durch die Vikarie kam wenigstens etwas Geld herein", erläutert Schäfer. So wanderte auch das Altarretabel vom Hospital ins Kloster, wo es bis 1834 blieb. Dann schlug Preußen im Zuge der Säkularisation zu: Der kirchliche Besitz wurde verstaatlicht und das Bild nach Münster transportiert.

Einweihung am 6. April

Dort ist es bis heute – im Landesmuseum, das als Rechtsnachfolger die preußischen Kulturschätze übernommen hat. "Das Original zu bekommen, ist fast unmöglich", meint Schäfer. Das würde Kosten von mindestens einer Million Euro verursachen.

Umso erfreuter war Schäfer, dass das Landesmuseum der Kirchengemeinde St. Christophorus eine Bilddatei zur Verfügung gestellt hat, die nun – annähernd in Originalgröße – auf Aluminium gedruckt den Altarraum der Pfarrkirche ziert. Und bald wird es ein weiteres Exemplar geben: "Das Kloster hat angefragt, und natürlich habe ich ihnen die Bilddatei zur Verfügung gestellt", so Schäfer.

Guardian Pater Romuald erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, dass das Retabel am 6. April im Zuge der Einsegnung der neuen Caritas-Räume durch den Provinzial eingeweiht werden soll.

Stichwort: Altarretabel
Eine Altarretabel ist eine Schauwand hinter dem Altartisch - umgangssprachlich wird oftmals einfach "Altar" gesagt. Das lateinische Wort "retabulum" bedeutet jedoch sinngemäß "rückwärtige Tafel". Die Sitte, einen Altar mit einem solchen Schaubild zu gestalten, kam im Mittelalter auf. Das Bild ist häufig mit Reliefs geschmückt oder wird mit Blattgold oder Malereien verziert. Das bekannteste Altarretabel ist wohl in Antwerpen zu bestaunen.
Weitere Infos bietet die Online-Enzyklopädie Wikipedia auf ihrer .

Lesen Sie jetzt