60 Jahre Kamener Kreuz: Start mit Irritationen

Verkehrsknotenpunkt

Einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Region hat jüngst seinen 60. Geburtstag gefeiert: das Kamener Kreuz, an dem die A1 als Nord-Süd-Achse sowie die A2 als West-Ost-Achse aufeinander treffen. Als es 1956 freigegeben wurde, sorgte es für Irritationen. Eine damalige "Bedienungsanleitung" umfasste 18 Seiten.

KAMEN

von Carsten Janecke

, 03.11.2016, 05:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Kamener Kreuz links 1969 - damals noch in der klassischen Kleeblatt-Form. Es war das zweitälteste Kreuz dieser Bauart in Deutschland. Ab 2008 gelangte man über eine neu gebaute Rampe von Osten nach Süden (oben links zu erkennen).

Das Kamener Kreuz links 1969 - damals noch in der klassischen Kleeblatt-Form. Es war das zweitälteste Kreuz dieser Bauart in Deutschland. Ab 2008 gelangte man über eine neu gebaute Rampe von Osten nach Süden (oben links zu erkennen).

Am 27. Oktober 1956 begann für die Autofahrer der Region eine neue Zeit: An diesem Tag wurde das Kamener Kreuz für den Verkehr freigegeben. Das zweite Autobahnkreuz in NRW löste allerdings Irritationen aus. Kaum jemand wusste, wie es zu befahren war, um in die gewünschte Richtung zu kommen.

Kreuzungsfreier Verkehr war in den 60er-Jahren weitgehend unbekannt. Deswegen veröffentlichte die Verkehrsüberwachungsbereitschaft im Landespolizeibezirk Arnsberg, wie die Autobahnpolizei damals noch genannt wurde, einige Monate später, am 15. März 1957, eine Broschüre mit anschaulichen Zeichnungen, die die Verkehrsbeziehungen erklärten.

„Die Fahrspuren waren noch nicht mit Leitplanken getrennt, sodass dort munter gewendet wurde, ohne die Kreisel zu nutzen“, erinnert sich Hermann Böhne.

Nach rechts fahren, um links abzubiegen

Der 87-jährige ehemalige Autobahnpolizist gehörte ab 1961 der Verkehrsüberwachungsbereitschaft an, damals auch bekannt als „Weiße Mäuse“, die im Porschezug mit den besonderen Sportwagen unterwegs waren.

Zu seinen wertvollsten Erinnerungen zählt die heute wohl einzigartige Broschüre aus dem Jahr 1957. „Das Abbiegen nach links vollzieht sich im Autobahnkreuz in einer Rechtsdrehung“, heißt es dort. Und dann wird auf 18 DIN-A4-Seiten erklärt, wie man Tangenten, Kreisel und Parallelfahrspuren nutzt.

Fotos gemacht oder Blumen gepflückt

„Viele haben damals einfach angehalten, weil sie das Bauwerk fotografieren wollten“, erinnert sich Böhne. Manche hätten am Fahrbahnrand aber auch nur Blumen gepflückt.

In NRW ist das Leverkusener Kreuz das erste Autobahnkreuz gewesen, gefolgt vom Kamener Kreuz, erstes dieser Art in Westfalen. Als es im Oktober 1956 eröffnet wurde, bedeutete das nicht, dass es dazu auch schon durchgehende Autobahnen gab. „Der Verkehr wurde an der Ausfahrt Kamen-Nord in Höhe der Rottumer Straße abgeleitet. Über Landstraßen ging es einige Kilometer weiter, bevor man wieder Anschluss fand“, so Böhne.

Eine Notlösung, die bis zum 9. September 1965 Bestand hatte, als die sogenannte Hansalinie Kamen-Bremen eröffnet wurde, die Autobahn 1 in Nordsüd-Richtung.

"Wenden verboten!"

Für Hermann Böhne war das Kamener Kreuz zuerst einmal ein Arbeitsplatz. Er legt noch einmal den Finger in das Heft von 1957: „Das Wenden ist auf der Autobahn verboten. Es ist verkehrstechnisch jedoch möglich und zulässig. Es geschieht in der gleichen Weise wie beim Linksabbiegen. Jedoch müssen jetzt zwei Kreisel befahren werden.“ 

Hintergrund
Das Kamener Kreuz ist das zweitälteste Autobahnkreuz in NRW. Bei Kreuzen in Kleeblattform ist es sogar das zweitälteste in ganz Deutschland.
Das Kreuz wurde 1937 in Betrieb genommen. Da es jedoch erst später tatsächlich an Autobahnen angeschlossen wurde, erfolgte die offizielle Freigabe für den Verkehr erst 1956.
Seit 2008 hat das Kreuz jedoch die , denn der nord-westliche Kreisel (aus Richtung Hannover in Richtung Köln) wurde in der Form aufgelöst.
Seit 2009 ist es sechsspurig befahrbar.
2011 wurde im nun nicht mehr genutzten nordwestlichen Kreisel ein ADAC-Hubschrauber als Wahrzeichen aufgestellt. Er wird von acht Engeln getragen. 
Über das Kamener Kreuz fahren etwa 250.000 Fahrzeuge am Tag. (Stand 2011)

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