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Abschied aus Werne: "Ich war hier gerne Pfarrer"

Kai-Uwe Schroeter

Kai-Uwe Schroeter verabschiedet sich nach sieben Jahren von der evangelischen Kirchengemeinde in Werne. Vor seinem Abschied spricht er mit unserem Redakteur Daniel Claeßen über seine Arbeit in Werne, warum er sich eigentlich für konservativ hält und darüber, dass er in der Gemeinde nicht ganz unumstritten war.

WERNE

, 20.05.2017 / Lesedauer: 4 min
Abschied aus Werne: "Ich war hier gerne Pfarrer"

Pfarrer Kai-Uwe Schroeter und die Martin-Luther-Kirche – bald geht man getrennte Wege.

Kai-Uwe Schroeter nimmt Abschied: Am Sonntag, 21. Mai, um 18 Uhr feiert der evangelische Pfarrer zum letzten Mal in der Martin-Luther-Kirche, Wichernstraße 1, einen Gottesdienst. Der 50-Jährige tritt zum 1. Juli eine neue Pfarrstelle in Warburg an.

Herr Schroeter, wenn Sie jemandem in Warburg erklären müssten, wo Sie vorher gearbeitet haben – was würden Sie ihm sagen?

Mein Arbeitsplatz war eine wunderschöne Kirche am Rand der Stadt, in der trotzdem das Herz der Stadt geschlagen hat.  

Das klingt sehr liebevoll.

Und genauso ist es auch gemeint. Ich war hier gerne Pfarrer in der Martin-Luther-Kirche. Allerdings ist Gemeinde immer in der Entwicklung, und zuletzt ist eine neue Gemeindekonzeption entwickelt worden.  

Also haben nicht nur persönliche Motive den Ausschlag für den Wechsel gegeben?

(zögert) Sagen wir es so: Es hat rückblickend mit der Kollegenschaft und der neuen Gemeindekonzeption nicht mehr optimal gepasst. Aber auf keinen Fall möchte ich anderen dafür die Schuld geben.  

Waren Ihre Ideen wie Golf und Fitness im Gottesdienst am Ende doch zu abwegig?

Ich bin der Meinung, dass der Alltag in die Kirche gehört. Alle meine Gottesdienste hatten einen hyperchristlichen Inhalt, schließlich ging es darum, das Evangelium auf eine zeitgemäße Weise zu vermitteln.  

Aber muss zeitgemäß immer gleich modern bedeuten?

Ich werde immer als modern angesehen, dabei bin ich eigentlich sehr konservativ – theologisch gesehen schwarz wie die Nacht, wenn Sie so wollen. Aber ich habe erkannt, dass man den Menschen die Dogmen heute nicht mehr einfach um die Ohren schlagen kann, sondern dass man sie vom Glauben wirklich überzeugen muss.

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Hat diese Philosophie dazu geführt, dass Sie in Werne durchaus umstritten sind?

 

Na ja, es liegt sicher nicht daran, dass ich mal einen Termin vergesse. (lacht) Ich bin in meiner Jugend zum Glauben an Jesus Christus gekommen und seitdem Überzeugungstäter. Entsprechend übe ich auch meinen Beruf mit dem Ziel aus, den Glauben zu leben. Nichts anderes hat Jesus auch getan. Und schon bei Jesus hat der Glaube polarisiert.  

Nun sind Sie kein Missionar, sondern Pfarrer einer Kirchengemeinde. Gelten da nicht andere Maßstäbe?

Die Verkündigung des Evangeliums fordert heraus, dass man Jesus Christus folgt. Ich mache das aus einer missionarischen Haltung heraus. Und da kommt es bei jedem Gläubigen darauf an: Mache ich da mit oder nicht? Der Glaube muss Kern der missionarischen Hülle sein, und deshalb funktioniert es nur, wenn man den Glauben auch lebt. Wer einfach nur gemütlich Christ und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen will, der wird höchstens ein Mal in meinem Gottesdienst gewesen sein.  

Muss ein Pfarrer nicht auch für solche Christen da sein?

Dafür gibt es die missionarische Doppelstrategie: Auch die, die ein distanziertes Christsein praktizieren, kann man erreichen. Es gibt zum Beispiel Gruppen innerhalb der Gemeinde, die durchaus auch ein weltliches Programm haben. Die schmeiße ich ja deswegen nicht raus, im Gegenteil: Ich wurde auch manchmal eingeladen, um dort etwas Weltliches beizutragen.

Sie haben vor sieben Jahren eine zerrissene Kirchengemeinde übernommen. Was hat sich seitdem geändert?

Ich habe eine Gemeinde erlebt, die wie eine Familie ist. Jeder hat sein eigenes Feld – zum Beispiel Pfadfinder, Glaubenskurs oder Besuchsdienst für Senioren – aber er fühlt sich in der Gemeinde wohl.  

Gilt das auch für Sie selbst?

So, wie wir die Gemeinde als Familie erlebt haben, haben wir sie auch in der Familie gelebt. Meine Frau hat sich in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert, meine Kinder haben bei den Jugendfreizeiten mitgewirkt.  

Hat Sie jemand in der Gemeinde besonders beeindruckt?

Die Flüchtlinge. Die kommen regelmäßig zu uns, nicht weil wir sie auffordern, sondern weil sie Christen sein wollen. Da sind Männer, die den Kampf kennen, und Familien die verfolgt wurden. Sie haben sich bewusst für diese Religion entschieden – eine Religion ohne Gewalt, ohne Zwang. Sie sehen das Christentum auch als Chance an, sich besser zu integrieren.  

Wie behalten Sie ihre Zeit in Werne in Erinnerung?

Als einen bedeutenden Lebensabschnitt. Unsere Kinder wurden hier erwachsen, was eine sehr entscheidende Phase für unsere Familie war. Außerdem bin ich etwas ruhiger geworden, was sicher auch an meinen Runden im Golfclub Werne gelegen hat. (lacht)

Pfarrstelle mit neuen Aufgaben
Die Pfarrstelle soll neu besetzt werden, allerdings mit einem veränderten Aufgabenfeld. Dazu hat das Presbyterium mithilfe von externen Beratern eine neue Gemeindekonzeption erstellt. Ob die Stelle offiziell ausgeschrieben wird, oder ob sich das Presbyterium um den Vorsitzenden Thomas Hein und Pfarrer Alexander Meese für einen Kandidaten entscheidet, den die Landeskirche vorschlägt, ist noch nicht entschieden.

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