Zugausfälle und leere Extraschicht-Busse: Joshua Tolksdorf (17) erlebt fünfstündige Bahn-Odyssee

rnÄrger mit der Eurobahn

Joshua Tolksdorf ist erneut stundenlang an einem Bahnhof gestrandet. Der Ersatzverkehr der Eurobahn fuhr nicht. Die Busse zur Extraschicht fuhren schon, aber nicht für den 17-Jährigen.

Werne, Stockum

, 02.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Joshua Tolksdorf ist als Pendler mit der Bahn schon leidgeprüft. Als auf der Linie der RB50 zwischen Dortmund und Münster im vergangenen Herbst etliche Züge und der Schienenersatzverkehr ausfielen, startete der heute 17-Jährige eine Online-Petition. Darin forderte er die Eurobahn auf, endlich zuverlässiger zu werden. Mehr als 1000 Menschen unterschrieben seinen Hilfe-Ruf.

Mittlerweile läuft es auf der Strecke zwischen Dortmund und Münster mit der Eurobahn deutlich besser, wie der Stockumer sagt. Doch nun hat er wieder eine ärgerliche Bahn-Odyssee hinter sich. „Die Eurobahn fällt zwar häufiger aus. Aber so etwas Extremes habe ich noch nie erlebt“, sagt Joshua Tolksdorf. Dabei kritisiert er abermals die Informationspolitik von Keolis, dem Betreiber der Eurobahn.

Pünktlich geht es zunächst los

Was war passiert? Joshua Tolksdorf machte sich am Samstag, 29. Juni, auf die Rückreise aus dem Sauerland. Da ging es pünktlich in Meschede um 20.16 Uhr los. In Unna angekommen, sollte der Umstieg nach Hamm stattfinden. Die Bahn fiel aus – ohne Information, wie Tolksdorf berichtet.

Er rief daraufhin bei National Express an, denn von diesem Betreiber sollte der nächste Zug in Richtung Dortmund gehen. „Tatsächlich ohne Wartezeit erhielt ich die Info, dass wohl erst mal keine Züge fahren würden. Ich sollte mit der Eurobahn nach Dortmund fahren und von dort aus nach Werne“, erzählt der 17-Jährige.

40 Minuten in der Warteschleife

Joshua Tolksdorf ging daraufhin zum anderen Gleis. Eine Minute vor der geplanten Abfahrt hieß es dann, dass der Zug ausfällt. „Ein erster Anruf bei der Eurobahn brachte keine Infos, da ich das Gespräch nach 40 Minuten Warteschleife abbrach. Nach dem zweiten Versuch ging nach 20 Minuten tatsächlich jemand ans Telefon – scheinbar auch überfordert mit der Situation“, erzählt der Stockumer.

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Eine Mitarbeiterin habe ihm gesagt, dass er die letzte S-Bahn nicht nehmen sollte. „Da ist auch alles Durcheinander“, hieß es da. Stattdessen verwies sie auf Taxen, die als Schienenersatzverkehr zwischen Soest und Dortmund eingesetzt werden sollten. Doch die kamen nie. „Drei Stunden lang habe ich kein Taxi im Auftrag der Eurobahn am Bahnhof gesehen“, erzählt Joshua Tolksdorf sichtlich angenervt.

Oberleitungsstörung und Krankmeldung

Nicole Pizzuti, Unternehmenssprecherin von Eurobahn-Betreiber Keolis, bestätigt Teilausfälle auf der Linie der RB59 aufgrund einer Oberleitungsstörung und auf Linie der RB50 wegen der kurzfristigen Krankmeldung eines Lokführers.

„Das war das Schlimmste. Ich habe mich auf die Aussage der Mitarbeiterin verlassen.“
JOSHUA TOLKSDORF

„Wir haben umgehend versucht, einen Busnotverkehr einzurichten. Leider konnten uns hier keine Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden. Damit unsere Fahrgäste dennoch an ihr Reiseziel gelangen, wurde ein Taxiunternehmen von uns beauftragt.“ Warum Joshua Tolksdorf kein Taxi vorfand, könne sie nicht beantworten. Man habe keine weiteren Beschwerden hierzu erhalten.

Joshua Tolksdorf hätte an diesem Abend lieber die S-Bahn nehmen sollen. „Das war das Schlimmste. Ich habe mich auf die Aussage der Mitarbeiterin verlassen.“

Stunden später hing er immer noch am Bahnhof Unna fest. Während der Wartezeit habe er immer Shuttlebusse der Extraschicht gesehen. „Die Busse waren so gut wie leer. Aber wir durften die Busse nicht nutzen, da wir dafür ein Ticket für die Extraschicht benötigten“, so Tolksdorf.

Fünfstündige Odyssee

Er hätte sich von den Verantwortlichen der Eurobahn gewünscht, dass sie sich dafür einsetzen, dass auch die gestrandeten Bahnfahrer die Busse der Extraschicht nutzen dürfen. „Nach dreieinhalb Stunden Wartezeit hatte eine dieser Busfahrerinnen ein Herz und bot mir an, nach der letzten Fahrt mich und weitere hilflose Fahrgäste mit nach Hamm zu nehmen. Dies war dann mein Lichtblick“, erzählt Joshua Tolksdorf.

„Über das Medium Twitter kommunzieren wir Abweichungen im Zugverkehr.“
NICOLE PIZZUTI, UNTERNEHMENSSPRECHERIN DES EUROBAHN-BETREIBERS KEOLIS

Die Freigabe für Eurobahn-Kunden sei nicht möglich gewesen, erklärt Nicole Pizzuti. „Es gibt keine Beauftragungen oder Verträge. Hier ist es uns dann nicht erlaubt, auf diese Busse zu verweisen oder eine Beförderung unserer Fahrgäste zu erwirken.“

Mit einem Taxi fuhr Joshua Tolksdorf dann schließlich nach Werne. Um halb 2 – also nach einer mehr als fünfstündigen Odyssee – kam der 17-Jährige, der nicht hätte abgeholt werden können, schließlich zu Hause an.

Von der Eurobahn wünscht sich Tolksdorf eine deutlich bessere Informationspolitik. Über die Ausfälle hat er auf der Internetseite nichts erfahren. „Über die Homepage und das Medium Twitter kommunizieren wir Abweichungen im Zugverkehr. Es kann aber auch mal eine technische Störung geben“, teilt Nicole Pizzuti von Keolis mit.

Fahrgastinformation veröffentlicht?

Und die Kunden-Hotline, bei der Joshua Tolksdorf unzureichende Informationen bekam? „Erste technische Auswertungen haben ergeben, dass die Fahrgastinformation unverzüglich ins System erfasst wurde. Gerne prüfen wir, ob es hier Störungen bei der Veröffentlichung gab.“

Wie auch immer die Antwort auf diese Frage ausfällt: Joshua Tolksdorf wird weiter mit der Eurobahn fahren. Denn der Schüler aus Stockum geht in Dortmund zur Schule. Täglich fährt er mit der RB50. Wenn sie denn fährt.

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