Ärger über Arbeitssuchende bringt Werner Unternehmerin „auf die Palme“

rnJob-Speed-Dating

Unternehmerin Uta Leisentritt hat fünf Stellen zu vergeben. Optimistisch hat sie daher an einem Job-Speed-Dating teilgenommen. Was sie dort erlebt hat, brachte sie aber „auf die Palme“.

Werne, Lünen

, 08.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Job-Center des Kreises Unna hatte über den TÜV Nord für Montag, 28. Oktober 2019, ein sogenanntes Job-Speed-Dating im Hansesaal in Lünen organisiert. Etwa vier Wochen vorher bekam Uta Leisentritt (50), Chefin des Fahrzeugbauers Alf aus Werne, eine Anfrage, ob sie teilnehmen wollte.

Uta Leisentritt hat fünf Jobs zu vergeben

Da Leisentritt händeringend fünf Mitarbeiter in der Produktion sucht, hat sie zugesagt. Es trudelte ein Formular ein, das sie ausfüllen sollte. Welche Jobs bietet sie an, welche Qualifikationen sind Voraussetzung, etc. Leisentritt: „Es sind fünf Stellen, für die wir eine abgeschlossene Berufsausbildung im Bereich Metall voraussetzen.“ Ob Schlosser, Schweißer, Industriemechaniker, etc. - das sei ihr egal gewesen.

Ärger über Arbeitssuchende bringt Werner Unternehmerin „auf die Palme“

Rund 200 Teilnehmer sollten mit mehr als 30 Unternehmen ins Gespräch kommen. Bei Uta Leisentritt von der Firma Alf hat das nicht geklappt. © Matthias Stachelhaus

Die Chefin des Werner Familienbetriebes Alf aus dem Gewerbegebiet Wahrbrink fand sich rechtzeitig am Montag im Hansesaal ein. Das Job-Speed-Dating war von 9 bis 15 Uhr anberaumt. Jeder Bewerber hatte rund 10 Minuten Zeit, sich vorzustellen, alle 15 Minuten war ein Bewerber-Wechsel geplant. Maximal konnte Uta Leisentritt in den sechs Stunden also 24 Gespräche führen.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte sie dann eine Liste bekommen mit 23 Bewerbern. Das schien vielversprechend. Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße.

10 von 23 angekündigten Job-Suchenden sind nicht erschienen

Die 50-Jährige erzählt: „Mein Termin um 9 Uhr - kam nicht. Mein Termin um 9.15 Uhr - kam nicht. Mein Termin um 9.30 Uhr - kam nicht.“ Ihre Stimme wird härter, als sie das erzählt. Letztlich seien von ihren 23 angekündigten Arbeitssuchenden „zehn erst gar nicht erschienen“. Doch das Trauerspiel war damit noch nicht beendet.

Sie ärgerte sich einerseits darüber, dass sie keinerlei Infos über die Absage oder das Nichterscheinen bekommen habe. Noch mehr auf die Palme brachten sie allerdings die Aussagen zweier Bewerber. „Der Eine sagte, er habe dem Job-Center schon lange erklärt, er wolle nicht als Schlosser, sondern als Zugbegleiter arbeiten“, gibt Leisentritt den Gesprächsinhalt wieder, „und der Zweite hat mir doch direkt ins Gesicht gesagt, dass er überhaupt nicht arbeiten wolle“.

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Mittlerweile war der Frust so groß, dass sich die Unternehmerin an die Vertreter des Job-Centers wandte, um sich einerseits zu beschweren, andererseits aber auch zu erfahren, „welche Konsequenzen denn für das Nicht-Erscheinen beziehungsweise die Ablehnung von Arbeit drohen“.

Bewerber hatten keine passende Ausbildung

Die Antwort brachte Leisentritt noch gut einen Meter weiter die Palme rauf. „Raten Sie mal“, fragt sie den Reporter, „was die Antwort war? Nichts, es passiert nichts. Das wäre viel zu aufwendig.“

Dass von den elf verbliebenen Job-Speed-Datern zehn überhaupt keine passende Ausbildung hatten, und die letzte verbliebene Fachkraft schwere gesundheitliche Schäden hatte, rundete für Leisentritt das Bild bitter ab.

„Das Job-Speed-Dating ist für Frau Leisentritt nicht gut gelaufen“

Das sei tatsächlich wohl „nicht gut für Frau Leisentritt gelaufen“, sagt Katja Mintel vom Job-Center des Kreises Unna. Die Werner Unternehmerin habe offenbar besonderes Pech mit ihren Kandidaten gehabt. Katja Mintel: „Von 280 eingeladenen Bewerbern sind 40 nicht gekommen.“ Zehn davon fehlten bei Leisentritt.

Das Job-Speed-Dating sei eine Veranstaltung gewesen, deren Organisation „wir in die Hände des TÜV Nord in Essen gelegt haben“, sagt die Sprecherin. Entsprechend sei es kein offizieller Termin des Job-Centers gewesen: „Damit drohen den nicht-erschienenen Kunden auch keine Sanktionen.“

Auf die fehlenden Qualifikationen der Bewerber angesprochen, sagt Prisca DeGroat vom TÜV Nord: „Den Kunden des Job-Centers fehlt oftmals eine entsprechende Qualifikation. Aber manchmal stimmt die Chemie zwischen Bewerber und Arbeitgeber und dann können wir mit Qualifikationen oder anderem weiterhelfen.“

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