Eure Kinder saufen sich halb tot? Ihr tragt eine Mitschuld, liebe Eltern!

rnKommentar Klare Kante

Wenn sie ihre Kinder mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus besuchen müssen, bricht für Eltern eine Welt zusammen. Aber sorry – daran seid Ihr vielleicht selbst schuld. Ein Kommentar.

Werne

, 15.07.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Komasaufen? Das ist doch Schnee von gestern, oder? Von wegen! Zwar „schießen“ sich immer weniger Jugendliche bei nächtlichen Party-Touren ab – allerdings ist die Zahl derjenigen erschreckend, die sich so stark einen hinter die Binde kippen, dass sie zum krönenden Abschluss in der Notaufnahme landen. Im Jahr 2000 waren es weniger als 10.000. Im Jahr 2018 mehr als doppelt so viele.

Und wer ist schuld? Der schlechte Freundeskreis, die Werbe-Industrie, die Jugendlichen selbst? Mag sein. Oft tragen auch die Eltern eine Mitschuld. Zum Beispiel, weil sie die Themen Alkohol- und Drogenkonsum kaum im Gespräch mit ihren Sprösslingen problematisieren. Weil sie zu schnell nachgeben, wenn der Nachwuchs gegen ein Verbot rebelliert. Weil sie an dem Thema einfach zu wenig Interesse zeigen.

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Selbst zu tief ins Glas geschaut?

Das gilt natürlich nicht für alle Eltern. Aber der Trend, den Sozialarbeiter in den vergangenen Jahren beobachten, ist besorgniserregend. Eltern verbieten ihren 15-jährigen Kindern, einen Film ab 18 Jahren zu sehen. Den Alkohol stellen sie ihnen bei Geburtstagsfeiern aber sogar selbst auf den Tisch. Das tun sie, um wenigstens ein bisschen Kontrolle darüber zu haben, was der Nachwuchs da in sich hineinschüttet.

Aber mal ehrlich: Wer glaubt, dass das die Lösung ist und einem ausufernden Saufgelage bei einer späteren Gelegenheit irgendwie präventiv entgegenwirkt, der hat wahrscheinlich selbst zu tief ins Glas geschaut.

Und wer das Thema totschweigt, damit die heile Familienwelt bloß keine Risse bekommt, dem kann man vielleicht dazu gratulieren, dass er den schönen Schein nach außen gewahrt hat. Eine Pädagogik-Auszeichnung gibt’s dafür nicht.

Eure Kinder saufen sich halb tot? Ihr tragt eine Mitschuld, liebe Eltern!

Endstation Notaufnahme. Es klingt widersprüchlich, ist aber eine Tatsache: Obwohl der Alkoholkonsum bei Jugendlichen rückläufig ist, landen mehr von ihnen mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus, als noch vor einigen Jahren. © dpa

All das passt auch gar nicht so recht ins Bild der Helikopter-Eltern, die ihren Nachwuchs am liebsten mit dem SUV bis ins Klassenzimmer chauffieren würden, damit ihm auf dem Schulweg bloß nichts passiert. Das mag zwar vorwiegend für Eltern von noch jüngeren Kindern gelten – aber in der DNA der heutigen Elterngeneration scheint dieses Muster stark verankert zu sein.

Drüber reden hilft bereits – Elternabende auch!

Wer irgendwann am Krankenhausbett steht und sein Kind benommen, vollgekotzt und in Windeln gehüllt auffindet, der muss sich spätestens dann die Frage stellen, ob er nicht auch selbst etwas falsch gemacht hat.

Möglichkeiten, solche Situationen zu vermeiden, gibt es genügend. Etwa, indem man mit den Kindern spricht, sich mit anderen Eltern vernetzt und Interesse am Leben der Sprösslinge zeigt. Dazu gehört auch, an Infoabenden teilzunehmen. Das sendet ein klares Signal an den Nachwuchs – und sorgt womöglich dafür, dass es in der scheinbar so rosaroten Familienwelt tatsächlich eine Sorge weniger gibt.

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