„Alkohölle“ – wie ein Theaterstück Alkoholmissbrauch von Kindern verhindern soll

rnPräventionsarbeit

Kinder vor Alkoholmissbrauch schützen – dieses Ziel verfolgen die Drogen- und Suchthilfe des Kreises Unna, die Polizei sowie das Jugendamt Werne. Dabei arbeiten sie Hand in Hand.

Werne

, 18.05.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kinder sind Nachahmer. Beobachten diese, wie Erwachsene Wein oder Bier trinken, dann wollen sie das nicht selten auch. Das Problem: Oft konsumieren schon Kinder unter 16 Jahren Alkohol. Gefragt sind dabei süße Cocktails, Mixgetränke oder Bowlen. Alles Getränke, die den Alkohol durch die Süße für Kinder genießbar machen.

Und das ist gefährlich. Komasaufen, Abhängigkeit und gesundheitliche Schäden sind hierbei zu nennen. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Kinderleber den Alkohol nur bedingt abbaut. „Darum ist dieser für Kinder und ihre Gesundheit besonders gefährlich“, sagt Matthias Hundt von der Suchthilfe des Kreises Unna.

Suchthilfe, Polizei und Jugendamt ziehen an einem Strang

Hundt ist schon viele Jahre in der Sucht- und Drogenberatung sowie im Bereich der Präventionsarbeit tätig. Kinder liegen ihm besonders am Herzen. Und um diese vor den Gefahren eines Alkoholmissbrauchs zu schützen ziehen Matthias Hundt, Volker Timmerhoff von der Polizeikreisbehörde Unna sowie das Jugendamt der Stadt Werne an einem Strang.

Dieser Strang ist ein Theaterstück für Achtklässler mit dem Namen „Alkohölle“. Als „Ideallösung“ bezeichnet dies Maik Rolefs, Leiter des Jugendamtes Werne. Zu dem Theaterstück gehören ebenfalls eine Vor- und Nachbereitung. Die Vorbereitung auf das Stück, das 2005 Premiere feierte und mittlerweile über 1200 Mal aufgeführt wurde, findet mit den Eltern und Lehrkräften statt. Die Nachbereitung ist Sache der Schulen. „Wir geben den Schulen aber Tipps, wie sie das Thema sinnvoll in den Unterricht integrieren können“, so Matthias Hundt.

Professionelle Schauspieler führen das Stück auf

Im Mittelpunkt des Theaterstücks „Alkohölle“, das professionelle Schauspieler auf die Bühne bringen, steht die 19-jährige Lena. Sie erfährt im Laufe des Stücks viel über Suchtmechanismen, Träume und Familiengeheimnisse. „Das Stück ist bewegend und packt die Kinder auf der emotionalen Ebene“, berichtet Hundt. Nicht selten habe er dabei schon die ein oder andere Träne bei den Kindern gesehen.

Alkoholkonsum in Deutschland:
  • Rund 9,5 Millionen Deutsche im Alter von 18 bis 64 Jahren trinken so viel Alkohol, dass sie ihre Gesundheit gefährden.
  • Etwa 1,77 Millionen von ihnen gelten als alkoholabhängig.
  • Bei 1,61 Millionen liegt Alkoholmissbrauch vor.
  • 10,7 Litern reiner Alkohol betrugt der Pro-Kopf-Konsum 2015.
  • 104, 6 Liter Bier trank jeder Deutsche 2015 im Durchschnitt.

    Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Dass sei es auch, was Hoffnung auf einen langfristigen Erfolg mache. Zumal am Ende des Stücks der einzige Laienschauspieler, einst selbst Alkoholiker, mit den Kindern bei einer Podiumsdiskussion direkt über die Gefahren und Folgen des missbräuchlichen Alkoholkonsumes spricht. „Die Schüler identifizieren sich mit den Charakteren, fühlen und leiden mit. Das holt sie ab“, erklärt Hundt. Emotionen statt Schockmomente lautet die Devise.

Alle 350 Achtklässler aus Werne werden das Stück sehen

In Werne kommen alle 350 Achtklässler aus den drei weiterführenden Schulen am Freitag (24. Mai) in den Genuss des Stückes. Mit Blick auf die Vorbereitung gibt es in Werne allerdings noch deutlich Luft nach oben. Denn lediglich 18 Eltern nahmen am Mittwoch (15. Mai) an der Infoveranstaltung teil. „Das war schon enttäuschend“, so Hundt.

Wer sich fragt, warum die Polizei bei diesem Projekt mit an Bord ist, dem sei gesagt: Alkoholprävention dient auch der Straftatenprävention. „Viele Taten geschehen unter dem Einfluss von Alkohol. Da ist es natürlich in unserem Interesse, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen“, erklärt Volker Timmerhoff von der Polizeikreisbehörde Unna.

Rotary-Club hat schon über 20.000 Euro für das Projekt gespendet

Die Schirmherrschaft für dieses Projekt übernahm Wernes Bürgermeister Lothar Christ. Und dank einer großzügigen Spende des Rotary Clubs Lünen und Werne ist das Angebot für alle Teilnehmer in Werne kostenlos. Rotary-Club-Präsident Peter Fiedler sagt: „Dieses Projekt hat mich von Anfang an begeistert. Darum unterstützen wir die Sache sehr gerne.“ Über 20.000 Euro seien in den vergangenen drei Jahren an Spenden geflossen.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt