Dr. Hans Lohmann möchte in der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde in Werne Strukturen verändern, um die vakante Pfarrstelle attraktiver zu machen. Er selbst wird Werne wieder verlassen.

Werne

, 27.08.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Dr. Hans Lohmann blickt positiv auf die ersten Wochen an seiner neuen Wirkungsstätte zurück. Er sei in der evangelischen Kirchengemeinde in Werne sehr gut aufgenommen worden. Ihm gefällt es hier. Das spürt man, wenn der Pfarrer über die ersten Arbeitstage in der Gemeinde spricht und seine Augen strahlen. Das Umfeld, die Gemeindemitglieder, die Werner Bürger, die Kollegen: Hier passt bislang alles.

Klarer Auftrag für den Übergangsdienst

Doch egal, wie wohl er sich hier fühlt: Er wird die Gemeinde in spätestens zwei Jahren wieder verlassen. Denn der 59-Jährige hat einen Dienst auf Zeit angetreten. Er ist der erste Pfarrer in Westfalen, der im sogenannten Pastoralen Dienst im Übergang, kurz PDÜ, tätig ist. Und er hat für seine befristete Zeit in Werne einen klaren Auftrag: der Gemeinde beratend bei der Suche nach einem neuen Pfarrer zur Seite stehen.

Und dafür hat der Geistliche konkrete Vorstellungen: In der Gemeinde muss sich etwas ändern. Er wird sich darum kümmern, wie die Gemeinde attraktiver und zukunftsfähig gemacht werden kann. All das wird getan, um das wichtigste Ziel zu verfolgen: die Stelle des Pfarrers, die seit Juli 2017 frei ist, neu zu besetzen. Oder wie Dr. Hans Lohmann, der seine Worte mit Bedacht auswählt, es ausdrückt: „Das Feld für einen potenziellen Nachfolger zu bereiten.“ Dafür sollen feste Strukturen durchbrochen werden.

„Ich sehe die Bereitschaft und das Potenzial“

Entscheidend für ihn ist das Zusammenbringen aller drei Kirchenbezirke der evangelischen Gemeinde. Dies sei in Zeiten von schrumpfenden Mitgliederzahlen wichtig. Bei einer längerfristigen Betrachtung käme man nicht drum herum, zusammenzurücken. Für die gesamte Kirchengemeinde möchte er die Frage klären: Wofür stehen wir als evangelische Kirchengemeinde ein? Für den 59-Jährigen sei es spannend, zu sehen, wie weit die Gemeinde bereit ist für Veränderungen.

„Ich sehe die Bereitschaft und das Potenzial, dass am Ende des Prozesses ein greifbares Ergebnis steht.“ Zurzeit sei er noch dabei, sich in den laufenden Prozess „einzufädeln“. Die Menschen haben ihn hier herzlich empfangen. Schnell habe er sich in die Büroarbeit hineingefunden, „und der Bestatter und ich haben ungefähr eine Idee davon, was wir voneinander halten können“, erzählt er.

Als Pfarrer auf Zeit möchte Hans Lohmann in der Martin-Luther-Gemeinde vieles verändern

Dr. Hans Lohmann hat sich laut eigenen Angaben gut in die Gemeindearbeit eingearbeitet. © Andrea Wellerdiek

Während die erste Zeit dem Kennenlernen der Gemeinde und seiner Gruppen galt, beginnt nach den Sommerferien die eigentliche Arbeit, erklärt Lohmann. Für den gebürtigen Mindener ist es die dritte Gemeinde, die er im Prozess der Neustrukturierung begleitet. Nachdem er in Lünen und Marl bereits im Übergangsdienst gearbeitet hat, konnten beide Gemeinden danach einen neuen Pfarrer finden.

Zuvor hatte er als Pfarrer hingegen einen festen Platz in einer Gemeinde. 15 Jahre lang war er in der sauerländischen Kirchengemeinde in Hemer-Deilinghofen tätig. „Nach 15 Jahren ist der Abschied schwieriger als nach zwei Jahren. Bislang ist es mir immer gelungen, mich auf etwas Neues einzulassen.“ Auch wenn die Arbeit überall gleich sei, sei die Umstellung aus dem Sauerland zum Ruhrgebiet dennoch groß gewesen. „Das ist eben ein anderer Umgang miteinander“, sagt er.

Jeden Tag aus Unna zur Arbeit pendeln

Nun sieht er – einige Jahre vor seiner Pensionierung – in seiner neuen Aufgabe und der regelmäßigen Veränderung des Arbeitsplatzes eine spannende Herausforderung. Dabei gibt es für ihn nur räumliche Grenzen. „Mit einer neuen Aufgabe darf kein Umzug verbunden sein. Es ist so, dass ich in Unna wohne und dort auch wohnen bleiben möchte“, sagt der 59-Jährige, der alleine lebt. Jeden Tag pendelt der Pfarrer auf Zeit nach Werne. Damit habe er kein Problem. „Man gewöhnt sich dran. Und ich habe es bisher immer geschafft, pünktlich zu sein.“

Dass er „nur“ für einen gewissen Zeitraum in der Martin-Luther-Gemeinde in Werne tätig ist, sei bislang nicht häufig ein Thema im Gespräch mit Gemeindemitgliedern gewesen. „Wann immer ich gefragt werde, sage ich, dass ich nur auf Zeit hier bin. Aber das ist eigentlich egal. Im Moment bin ich hier und das ist entscheidend“, sagt Hans Lohmann.

In Werne möchte er neben der pastoralen Arbeit seine Erfahrungen weitergeben – mit allen Chancen und Grenzen, wie er sagt. Eine gewisse Distanz hilft ihm dabei. „Ich muss mich bei keinem beliebt machen. Das ist gut als Berater. Dann kann man auch kritische Vorschläge machen für einen Prozess, der Änderungen mit sich bringt, die vielleicht nicht jedem gefallen werden“, sagt er ganz unverblümt. Wie die drei Werner Kirchenbezirke in der Praxis zusammengebracht werden, muss sich zeigen. Ob dies innerhalb eines Jahres gelingt, ist ebenso ungewiss.

Nach zwei Jahren ist definitiv Schluss

Klar ist aber, dass der Vertrag von Pfarrer Hans Lohmann zunächst auf ein Jahr befristet ist. Ist die Pfarrstelle danach weiterhin vakant, verlängert Lohmann um ein weiteres Jahr. Danach ist aber definitiv Schluss. Ohne Wenn und Aber. Denn es ist egal, wie gut es ihm in der Martin-Luther-Gemeinde gefällt. Es ist auch egal, wie gut er in der Gemeinde ankommt.

Als Pfarrer im Pastoralen Dienst im Übergang darf er sich nicht auf die vakante Stelle bewerben. Das ist die Bedingung. Er wird Werne nach spätestens zwei Jahren wieder verlassen. Hans Lohmann glaubt aber auch, dass er innerhalb dieser Zeit die Grundlagen für einen neuen Pastor legen kann. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das Feld so bereiten können, dass jemand kommen kann. Das Ziel ist, dass am Ende etwas steht, was die Werner vertreten können.“

Pfarrstelle ist seit Juli 2017 vakant

Für potenzielle Nachfolger gibt Hans Lohmann Folgendes mit: „Ich kann sagen, dass man als Pastor hier willkommen ist. Das kann ich nach meiner bisherigen Zeit hier sagen.“ Und was wünscht er sich für die Gemeinde? Er überlegt, wieder wählt er die Worte mit Bedacht: „Für die Gemeinde wünsche ich mir, dass wir aktiv, intensiv und konstruktiv Schritte auf dem neuen Weg gehen können.“

Die Pfarrstelle an der Martin-Luther-Kirche in Werne war nach dem Weggang von Pfarrer Kai-Uwe Schroeter frei geworden. Er wechselte im Juli 2017 nach Warburg. Seitdem ist die Pfarrstelle in der evangelischen Kirchengemeinde, Pfarrbezirk I, frei. Zuletzt gab es Ende März einen Dämpfer bei der Suche nach einem neuen Pfarrer. Die aussichtsreiche Kandidatin Karin Daniel hatte ihre Bewerbung wieder zurückgezogen.

Sie hatte bereits eine Probepredigt und eine Probekatechese gehalten. Während sie mit einem guten Gefühl heraus ging, wie sie auf RN-Anfrage bestätigte, kam keine Mehrheit für sie im Presbyterium zustande. Danach musste die Gemeinde das Bewerbungsverfahren für die seit Juli 2017 vakante Stelle neu aufrollen. Damit es im nächsten Schritt klappt, ist Dr. Hans Lohmann zur Stelle.

Der Beruf ist eine Berufung

Mit ihm übernimmt ein erfahrener Pfarrer interimsweise den Posten. Sein Beruf ist für ihn eine Berufung: „Ich gehe gern als Pastor auf die Menschen zu. Der besondere Reiz für mich an dem Job ist, dass man das ganze Spektrum des Lebens eines Gemeindemitglieds – von der Taufe bis zum Tod – mit all den Erfahrungen miterlebt. Das ist für mich das Spannendste“, sagt der 59-Jährige.

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Zur Person:
  • Dr. Hans Lohmann (59) ist geboren und aufgewachsen in Minden. Sein Vater war auch Pfarrer.
  • Lohmann hat in Köln, Bonn, Kiel und Tübingen studiert.
  • Seine erste pastorale Stelle trat er in Fröndenberg an. Dort war er von 1991 bis 1999 Pfarrer.
  • Danach war er 15 Jahre lang in der sauerländischen Kirchengemeinde in Hemer-Deilinghofen tätig.
  • Im Oktober 2014 begann er als erster Pfarrer in Westfalen einen Pastoralen Dienst im Übergang. Bis Oktober 2016 blieb er in der evangelischen Kirchengemeinde Lünen. Danach wurde die Stelle als Pfarrer neu besetzt.
  • Von November 2016 bis Juni 2018 war er im PDÜ in der evangelischen Stadtkirchengemeinde Marl. Dort wurde die vakante Stelle kurz darauf neu besetzt.
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