Am Sonntag ging es um die Werner Historie

Tag des offenen Denkmals

Dass die Werner Innenstadt viel über ihre Historie erzählt, sieht man ihr zweifelsohne an. Doch welche Details, das weiß nicht jeder. Ihre Wissenslücken füllten zahlreiche Besucher am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals. Dabei war es mal düster, mal spannend.

WERNE

, 10.09.2017, 17:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am Sonntag ging es um die Werner Historie

Wie sich das Steinhaus über die Jahre entwickelte, demonstrierte Berthold Ostrop anhand alter Fotos.

Als einen „Schatz, den man sieht, der aber nicht vollkommen geborgen ist“, betitelte Bürgermeister Lothar Christ den historischen Stadtkern zur Eröffnung im Stadtmuseum. Die Bergung dieses Schatzes geschah dabei im Laufe des Tages. Den Anfang machte Berthold Ostrop, der sich direkt die Freiheit nahm, „nicht sofort zum ersten Ziel, dem Steinhaus, zu gehen, sondern vorher einen Blick in die Kirche zu werfen“.

Dort angekommen stellte er den zu dem Zeitpunkt knapp über 30 Interessierten ein ganz spezielles Fenster rechts neben dem Altar vor. „Hier sehen wir eine Schlüsselfigur, die maßgeblich mit der Entstehung unserer Stadt zusammenhängt“, erläutert er. Diese Schlüsselfigur sei der Missionar Liudger, der in der Region das Christentum verbreitet hat und damit „die Grundlage für die Werner Historie geschaffen hat“.

Es ging um Macht und Pracht

Unterwegs zum Steinhaus verriet er, wieso beispielsweise das Stadtmuseum als altes Amtshaus bezeichnet wird, obwohl dort gar keine Ämter lokalisiert sind. Die Bezeichnung leite sich vielmehr aus früheren Zeiten ab, als im Einzugsgebiet der Horne die Geistlichkeit residierte.

Am Steinhaus angekommen betonte Ostrop ganz explizit die Aspekte Macht und Pracht. Die Pracht ergebe sich dabei aus der Architektur. „Zur Zeit der Entstehung des Hauses hat man noch mit Stroh und Lehm gearbeitet. Wer mit Stein gebaut hat, hat damit unweigerlich auch seinen Wohlstand gekennzeichnet.“

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Tag des offenen Denkmals in Werne 2017

Dass die Werner Innenstadt viel über ihre Historie erzählt, sieht man ihr zweifelsohne an. Doch welche Details, das weiß nicht jeder. Ihre Wissenslücken füllten zahlreiche Besucher am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals.
10.09.2017
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Auf den Missionar Liudger verwies Ostrop als Schlüsselfigur zur Entstehung der Lippestadt.© Foto: Jan Hüttemann
Bürgermeister Lothar Christ eröffnete den Tag des Denkmals im Stadtmuseum.© Foto: Jan Hüttemann
Von großer Bedeutung, auch in Kombination mit dem Steinhaus, war die Familie Moormann für Werne.© Foto: Jan Hüttemann
An den Wänden im Erdgeschoss der Stadtbücherei lassen sich Einblicke in die Historie des Gebäudes erhaschen, beispielsweise in Form von Wappen und Bildern.© Foto: Jan Hüttemann
Wie sich das Steinhaus über die Jahre entwickelte, demonstrierte Berthold Ostrop anhand alter Fotos.© Foto: Jan Hüttemann
An den Wänden im Erdgeschoss der Stadtbücherei lassen sich Einblicke in die Historie des Gebäudes erhaschen, beispielsweise in Form von Wappen und Bildern.© Foto: Jan Hüttemann
An den Wänden im Erdgeschoss der Stadtbücherei lassen sich Einblicke in die Historie des Gebäudes erhaschen, beispielsweise in Form von Wappen und Bildern.© Foto: Jan Hüttemann
An den Wänden im Erdgeschoss der Stadtbücherei lassen sich Einblicke in die Historie des Gebäudes erhaschen, beispielsweise in Form von Wappen und Bildern.© Foto: Jan Hüttemann
Der Länge des Steinhauses wurden sich die Besucher so richtig bewusst, als sie im ersten Oberschoss der Bücherei standen.© Foto: Jan Hüttemann
Heidelore Fertig-Möller und Berthold Ostrop starteten in den Tag des offenen Denkmal mit einem Abstecher in der Christophorus-Kirche.© Foto: Jan Hüttemann
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Nicht nur die Mauern, auch das Dach spielten dabei eine besondere Rolle: „Normalerweise stand bei solchen Häusern das Dach über den Giebel hinaus hervor, was beim Steinhaus nicht der Fall ist. „Das ist vergleichbar mit den Gebäuden am Prinzipalmarkt in Münster, die damals wohlhabenden Kaufleuten gehörten. Die konnten sich das leisten.“

Doch trotz allem Prunk, spielte die Macht insbesondere der Geistlichkeit eine besondere Rolle in der Historie des Hauses – und damit auch „Machtmissbrauch“. Denn das Steinhaus diente als eine Art Verwaltungsstelle, von der aus Angelegenheiten „mit den Bauern geregelt wurden, die unter Leibeigenschaft standen.“ Als deren Ausbeutung überhand nahm, verübten diese einen Aufstand, der darin resultierte, dass der Anführer der Revolte lebendig verbrannt wurde. „Ein dunkles Kapitel, das aber dazugehört“, kommentierte Ostrop.

Die Sache mit den Namen

In diesem Zusammenhang schnitt er auch das Thema Namensgebung an. „Unter den angehörigen Bauernhöfen des Abtes gab es eine Art Hauptverwaltungshof. Davon leitet sich heute der Name Abdinghof ab, der eigentlich ‚Abd-ing-hof‘ ausgesprochen werden müsste.“

Und das war nur die Spitze des Eisbergs. Viele weitere solcher Details kamen bei den folgenden Führungen in der Luther-Kirche, dem Kloster und durch den Stadtkern an Licht.

Der Tag des offenen Denkmals
Seit 1993 gibt es den „Tag des offenen Denkmals“ im gesamten Bundesgebiet.
Insgesamt 20 mal hat die Stadt Werne daran teilgenommen.
Das Motto in diesem Jahr lautete „Macht und Pracht“.
Bei Gelegenheit werden jedoch auch Akzente gesetzt, zum Beispiel, wenn gerade ein Denkmal restauriert wird.
Beteiligt haben sich unter anderem das Museum, dessen Förderverein, die „Freunde des historischen Stadtkerns“ und die Stadtbücherei.

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