Amazon-Streik: Verdi-Chef kritisiert Gutsherrenart

Marsch durch Innenstadt

Der Warnstreik bei Amazon wird fortgesetzt: Am Dienstagvormittag zogen rund 600 Menschen durch die Werner Innenstadt zum Kolpinghaus. Dort sprach der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske zu den Streikenden. Wir liefern die Eindrücke im Video.

WERNE

, 31.03.2015, 11:04 Uhr / Lesedauer: 1 min
Amazon-Streik: Verdi-Chef kritisiert Gutsherrenart

Rund 600 Angestellte aus Werne, Rheinberg, Bönen und Soest haben sich am Streikmarsch durch die Werner Innenstadt beteiligt.

Aktualisierung 15.36 Uhr:

Zu Mitarbeitern aus insgesamt vier Betrieben sprach der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske. "Die Unternehmen haben nicht begriffen, dass man nicht den Ast absägt auf dem man sitzt", sagte Bsirske, "um gute Leistung zu bringen braucht man gute Mitarbeiter und die müssen auch gut bezahlt werden".

Bsirske forderte die Kollegen auf, für ihre Interessen einzustehen und gemeinsam eine gerechte und gleiche Bezahlung auf Basis eines Tarifvertrages und nicht nach "Gutsherrenart" zu fordern. "In Deutschland gibt es acht Amazon-Standorte, an denen es acht unterschiedliche Löhne gibt. Gleiche Arbeit muss auch gleich bezahlt werden".

Bis Gründonnerstag soll es mit den Streiks weitergehen: Nach dem Motto "Ostern steht vor der Tür - wir auch!" haben die Mitarbeiter per Akklamation für eine Erweiterung des Arbeitskampfes gestimmt. Erstmalig hat sich auch die Betriebsratsspitze von Amazon in Werne an den Arbeitsniederlegungen beteiligt. Die Vorsitzende Sevgi Demirbas: "Die Kollegen sind nach dem heutigen Tag sehr motiviert, den Arbeitskampf bis zum Ende durchzuziehen."  

 

Erstmeldung:

Die Gewerkschaft fordert einen Tariflohn gemäß der Einzelhandelsbranche und bessere Arbeitsbedingungen. Vor allem die zahlreichen befristeten Verträge sind Verdi ein Dorn im Auge. Amazon orientiert sich hingegen an den niedrigeren Löhnen der Logistik-Branche, weil sich der Online-Versandhändler als Logistik-Konzern sieht. Zudem verweist das Unternehmen auf die Notwendigkeit, zu bestimmten Zeiten des Jahres – zum Beispiel Vorweihnachtszeit – auf Saisonkräfte angewiesen zu sein.

Verhandlungen gibt es nicht – ein Punkt, der Verdi ebenfalls sauer aufstößt. Zu der heutigen Kundgebung sind nach Gewerkschaftsangaben 600 Menschen erschienen – davon allerdings 300 aus Rheinberg, wo Amazon ebenfalls ein Logistikzentrum betreibt, sowie Angestellte des Textil-Discounters Kik aus Bönen und der Handelsgruppe Franz Kerstin aus Soest. Am Montag hatten sich 130 Werner Mitarbeiter am ersten Warnstreiktag beteiligt.

 

 

Verdi-Demo zum Amazon-Streik in Werne

Ein von Ruhr Nachrichten (@rnlive) gepostetes Video am 31. Mär 2015 um 2:29 Uhr

 

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