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Maßgeschneiderte Kartons und Recycling: So spart Amazon beim Verpackungsmaterial

rnVerpackungs-Wahn

Modehändler Zalando möchte ein Zeichen zur Nachhaltigkeit setzen. Amazon mit dem Logistikzentrum in Werne setzt auf recycelbare und eigene Verpackungen. Retouren werden teilweise gespendet.

Werne

, 12.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Es ist ein typisches Bild: Die im Internet bestellte Ware passt oder gefällt nicht. Der Käufer schickt sie wieder zurück - womöglich mit zerstörter Verpackung. Der Anbieter muss neues Verpackungsmaterial nutzen. Die Folge: Es landet eine Verpackung im Müll und eine weitere wird neu produziert. Dadurch entstehen unnötige CO2-Emissionen.

Wissenschaftler der Universität Bamberg haben nun herausgefunden, dass jedes sechste Paket in Deutschland zurückgeschickt wird. Knapp 500 Millionen Pakete waren es im vergangenen Jahr.

Amazon produziert eigens konzipierte Verpackungen

Auch der Online-Versandhändler Amazon mit seinem Logistikzentrum in Werne geht verschiedene Wege, um Verpackungsmaterial zu sparen. So werden hier vor allem für größere Artikel selbst Verpackungen produziert.

„Sperrige Teile wie große Teddybären oder eine Wäschespinne werden im sogenannten Box-on-Demand-Verfahren mit den eigenen Verpackungen umhüllt. Dadurch ersparen wir dem Kunden Ärger, der ja auch seine Wäschespinne in einem quadratischen Paket bekommen möchte. Gleichzeitig sparen wir Kosten und schonen die Umwelt“, sagt Antje Kurz-Möller aus der Unternehmenskommunikation von Amazon.

Maßgeschneiderte Kartons und Recycling: So spart Amazon beim Verpackungsmaterial

Für die richtige Verpackung: In Werne gibt es im Amazon-Logistikzentrum zwei Maschinen, mit denen genau auf die Artikel abgestimmte Kartons hergestellt werden. © Mario Bartlewski (A)

Genaue Artikelgröße wird gescannt

Und so funktioniert‘s: Der Artikel wird auf ein Förderband gelegt. Er wird gescannt. Die genaue Größe wird an einen Computer übermittelt. Eine für den Artikel passende Pappe spuckt die Maschine aus. Per Hand kleben die Mitarbeiter einen Verpackungskarton zusammen.

Mit der Eröffnung des neuen Standorts in Werne Ende 2017 wurden zwei solcher Maschinen installiert. Mit den eigens konzipierten Verpackungen möchte Amazon möglichst wenig Verpackungsmaterial verwenden.

100 Prozent recycelbare Verpackungen

Darüber hinaus hat der Online-Versandhändler Amazon im November 2008 die sogenannten „frustfreien Verpackungen“ eingeführt. Damit arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben mit Verpackungen, die für den Kunden leicht zu öffnen und zu 100 Prozent recycelbar sind.

„Frustfreie Verpackungen machen Schluss mit dem ‚Verpackungsfrust‘ beim Kunden, der sich nicht mehr mit Plastikbändern, Bindedrähten oder Klappgehäusen herumschlagen muss – weil die Verpackung so viel einfacher zu öffnen ist“, schreibt Amazon dazu.

Maßgeschneiderte Kartons und Recycling: So spart Amazon beim Verpackungsmaterial

Die Hälfte aller Kartons von Amazon sollen bis 2020 klimaneutral versendet werden. © Mario Bartlewski (A)

Tonnenweise Verpackungen eingespart

Damit können die Produkte in ihrer Originalverpackung ausgeliefert werden. Ein sogenannter Umkarton, also eine zusätzliche Verpackung zu dem bereits verpackten Artikel, ist dann nicht mehr nötig.

In diesem Zusammenhang habe Amazon seit der Einführung nach eigenen Angaben 224.000 Tonnen Verpackungsmaterial und insgesamt 500 Millionen Versandkartons eingespart.

Geringe Retourenquote

Konkurrent und Modehändler Zalando hatte jüngst angekündigt, in einigen Ländern den Gratisversand zu stoppen. Ob Amazon ähnliche Pläne verfolgt, könne sie nicht kommentieren, sagt Antje Kurz-Möller. Nur so viel: „Wir haben eine deutlich geringere Retourenquote. Die Artikel werden in eigenen Retourenzentren überprüft“, erklärt Kurz-Möller.

Demnach kämen die meisten Artikel in einem einwandfreien Zustand zurück, sodass diese wieder verkaufsfähig seien. Artikel, die kleine Defekte aufweisen, würden als B-Ware als „Warehouse-Deal“ angeboten.

Grüne fordern strengere Auflagen für Retouren

Damit könne man 50 Prozent oder mehr einsparen. Artikel, die nicht mehr verkauft werden können, gehen laut Kurz-Möller als Spende an Hilfsorganisationen wie etwa lokale Tafeln. Diese Handhabe deckt sich mit der Forderung der Grünen nach strengeren Regeln für Online-Versandhändler.

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Amazon und Co. sollte verboten werden, neuwertige und zurückgeschickte Ware zu vernichten. „Es wäre viel mehr damit geholfen, wenn die Politik dafür sorgen würde, dass die Umsatzsteuer für Spenden entfällt. Dann würden mehr Unternehmen die Ware spenden“, sagt Kurz-Möller.

Einige Artikeln von Amazon landen im Müll

Sie räumt - ohne genaue Zahlen preis zu geben - aber ein, dass ein Teil der Retouren bei Amazon im Müll landet. „Das liegt vor allem an sicherheitstechnischen oder hygienischen Gründen. Wir können zum Beispiel keine Unterwäsche weiterverkaufen“, erklärt Kurz-Möller.

Generell kämen 50 Prozent aller Artikel von Amazon von Händlern. Sie können selbst entscheiden, wie sie mit Retouren umgehen. Die Verpackungen der zurückgesendeten Ware werden bei Amazon nur ersetzt, wenn die Artikel sonst nicht mehr sicher transportiert werden könnten. Beschädigte Kartons werden laut Kurz-Möller neu geklebt.

Amazon steckt sich hohe ökologische Ziele

Mitbewerber Zalando testet in mehreren Ländern nun den Einsatz von wiederverwertbaren Verpackungen. Das heißt: Die Kunden können das Verpackungsmaterial, den Karton oder die Versandtasche an Zalando zurückschicken. Dieser wird wieder neu verwendet und geht wieder auf die Reise - zu einem anderen Kunden.

Amazon hat sich selbst hohe Ziele gesteckt und diese im firmeneigenen Blog formuliert: Bis 2030 soll die Versendung der Hälfte aller Amazon-Pakete klimaneutral erfolgen. Das heißt, entweder werden beim Transport keine Treibhausgase verursacht oder die Emissionen werden durch Klimaschutzmaßnahmen an anderer Stelle kompensiert.

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