Anwohner sauer - „Wir leben bald hinter einer Art Berliner Mauer“

rnBaugebiet im Baaken

Die Stadt plant ein neues Baugebiet. Die Anwohner kritisieren unter anderem die geplante Lärmschutzwand. „Das wäre, als würden wir hinter der Berliner Mauer von Werne leben“, sagt Jörg Bandl.

Werne

, 07.08.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Werne ist Wohnraum knapp. Deswegen will die Stadt im Baaken eine gut zwei Hektar große Fläche bebauen. Es ist ein derzeit als landwirtschaftliche Fläche genutztes Areal zwischen den Straßen Baaken und Bellingheide. Deren Anwohner sowie Bewohner weiterer angrenzender Straßen sind entsetzt über die Pläne. „Wir vertreten rund 80 Anwohner, die gegen die Pläne sind“, sagt Werner Thiemann, einer der Sprecher der Initiative.

Die Stadt Werne plant dort mit einem Investor zusammen ein verdichtetes Wohngebiet. 75 Wohneinheiten auf gut 20.000 Quadratmeter Fläche. „Das ist viel zu viel für diese Fläche“, sagt Jochen Bahrenberg. „Höchstens die Hälfte.“ Denn die dichte Bebauung habe mehrere Nachteile.

Anwohner fürchten nasse Keller

Nachteil Nummer eins ist die schlechte Regenwasserversickerung. Vom Baaken bis zur Bellingheide fällt das künftige Baugebiet um rund 6,50 Meter ab. Das Niederschlagswasser würde in eine Richtung gelenkt, nämlich zur Bellingheide.

Die alte Kanalisation sei dem kaum gewachsen, meint Werner Thiemann. Ein Gutachten des Investors würde sogar prognostizieren, dass der Grundwasserspiegel von 1,5 auf 0,75 Meter ansteigt. Auch eine Versickerung sei nicht geplant, sagt Anwohnerin Iris Ludwig. Ihre Furcht: Überflutungen bei Starkregen.

Die Anwohner von Baaken und Bellingheide (v. l. Werner Thiemann, Iris Ludwig, Jasmin Kubiak, Jochen Bahrenberg und Jörg Bandl) protestieren gegen den Bebauungsplan Baaken 13c.

Die Anwohner von Baaken und Bellingheide (v. l. Werner Thiemann, Iris Ludwig, Jasmin Kubiak, Jochen Bahrenberg und Jörg Bandl) protestieren gegen den Bebauungsplan Baaken 13c. © Jörg Heckenkamp

Weiterer Punkt: der Lärmschutz. Ursprünglich war das Areal als Mischgebiet von Gewerbe und Wohnen mit entsprechend geringerem Lärmschutz ausgewiesen. „Es hieß seitens der Stadt immer, das solle auch so bleiben.“ Nun soll der Bebauungsplan Baaken 13c ein reines Wohngebiet ausweisen mit erhöhtem Schutz vor Lärm von den angrenzenden Betrieben.

Wie will man das lösen? Durch zwei riesige Lärmschutzwände, wie die Nachbarn kritisieren. Zum Westen hin sieht der Plan eine Aufstockung des 6 Meter hohen Garagenhofes um eine 1,5 Meter höhe Lärmwand vor. Auf einer Länge von 140 Metern. Im Anschluss und Abknickend nach Süden würde eine neue, 6,50 Meter hohe Lärmschutzwand gebaut - direkt hinter den Gärten der Bellingheide-Anwohner.

Die „Berliner Mauer“ von Werne hinterm Garten

„Nicht nur ich würde von meinem Garten auf die ‚Berliner Mauer von Werne‘ schauen“, sagt Jörg Brandl. Viel schlimmer erginge es den Bewohnern auf der anderen Seiten auf ihren kleinen Grundstücken. „Die sitzen doch direkt hinter den Mauern und kriegen kaum Sonne ab.“ Werner Thiemann hat eine Stange besorgt, die sich bis auf 7,50 Meter ausziehen lässt. Hoch ragt der Schaft in den Himmel. Die Nachbarn schüttelt‘s.

Dritter Punkt: der Verkehr. Hier gibt‘s gleich mehrere Bedenken. Etwa den der Parkplätze. 75 seien für 75 Wohneinheiten geplant. „Wie viele Autos hat heutzutage ein Haushalt“, fragt Jasmin Kubiak rhetorisch. „Und wo werden die anderen parken?“ Sie gibt selbst die Antwort: „Bei uns vor dem Haus am Baaken.“

Größenvergleich zwischen Mensch und 6 Meter hoher Garagenanlage. Oben drauf soll noch eine 1,5 Meter hoher Lärmschutzwand kommen.

Größenvergleich zwischen Mensch und 6 Meter hoher Garagenanlage. Oben drauf soll noch eine 1,5 Meter hoher Lärmschutzwand kommen. © Thiemann

Auch die Erschließung des Baugebietes stößt auf Widerspruch. Vor Jahren habe man den Anwohnern von Heinrich-von-Kleist-, Gerhard-Hauptmann-Straße, etc. versprochen, „als wir schon ein zweites Mal Erschließungskosten zwischen 15.000 und 20.000 Euro gezahlt haben, dass ein etwaiges neues Baugebiet nicht von dort aus erschlossen werden solle“, sagt Iris Ludwig. Und jetzt solle es doch eine Zufahrt von der Heinrich-von-Kleist-Straße ins neue Baugebiet geben.

Doch die Anwohner wollen nicht nur meckern, sondern machen auch konkrete Vorschläge, wie etwa die Halbierung der Wohneinheiten. „Noch besser wäre es, die Fläche weiter landwirtschaftlich zu nutzen und Wohnungen da zu bauen, wo es genügend freie Flächen gibt“, sagt Werner Thiemann: „Auf dem alten Zechengelände.“

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