Archäologen machen reiche Beute bei Ausgrabung in Stockum

Fund bei Pipeline-Bau

Schmuck, Keramikscherben, Glasperle - beim Bau einer Gas-Pipeline in Stockum kam eine Hofstelle aus dem Mittelalter zu Tage. Archäologen machten reiche Ausbeute.

Stockum

23.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf der Trasse des Gaspipeline-Baus werden die freigebaggerten mittelalterlichen Befunde zügig archäologisch bearbeitet.

Auf der Trasse des Gaspipeline-Baus werden die freigebaggerten mittelalterlichen Befunde zügig archäologisch bearbeitet. © EggensteinExca/G. Eggenstein

Archäologen haben in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bei Grabungsarbeiten während des Baus an einer Gastrasse bei Stockum eine mittelalterliche Hofstelle entdeckt. Dunkle Verfärbungen im Boden, verfüllte Gruben und ehemalige Pfostenlöcher einer Hofstelle sowie Schmuck, Schlacke und Keramikscherben vermitteln einen Eindruck vom Leben der Menschen, die hier im 11. oder 12. Jahrhundert siedelten.

Das untersuchte, rund 1400 Quardratmeter große Areal liegt in Werne-Stockum, auch heute steht hier in der Nähe ein Hof. Hier wird gerade eine Gasleitung mit dem Startpunkt nördlich des Kraftwerks Gersteinwerk in Werne gebaut. Von dort verläuft die Trasse östlich bis nach Hamm-Bockum-Hövel.

Funde aus der mittelalterlichen Hofstelle: große Keramikrandscherbe (sog. Schwalbennesthenkel), Spinnwirtel aus Keramik und eine kleine Glasperle (Durchmesser ca. 1 cm).

Funde aus der mittelalterlichen Hofstelle in Stockum: große Keramikrandscherbe (sog. Schwalbennesthenkel), Spinnwirtel aus Keramik und eine kleine Glasperle (Durchmesser ca. 1 cm). © EggensteinExca

„Bei Anlage der Sondage und der dann notwendigen Erweiterung auf Breite der Pipelinetrasse entdeckten wir insgesamt 52 unterschiedliche archäologische Befunde“, so der Inhaber der beauftragten Grabungsfachfirma, Dr. Georg Eggenstein. „Diese Befunde, deutlich erkennbare dunkle Grubenverfüllungen im hellen Sand, erstreckten sich im Verlauf der Trasse auf mehr als 100 Meter.“

Die dunklen Stellen im Erdreich zeigen den Experten, dass hier vermutlich hölzerne Pfostenbauten gestanden haben. Einen Hausgrundriss konnten die Archäologinnen erkennen, vermutlich ein landwirtschaftliches Nebengebäude.

Die einzelnen Gruben werden in der Fläche und im Profil dokumentiert.

Die einzelnen Gruben werden in der Fläche und im Profil dokumentiert. © EggensteinExca/R. Lavelle

Die Hofstelle war offenbar im 11. oder 12. Jahrhundert besiedelt. Das erkennen die Archäologen an den gefundenen Keramikscherben, zumeist von sogenannten Kugeltöpfen. Diese Art mittelalterlicher Keramik gehörte zum Kochgeschirr und hat keine Standfläche. Die Tatsache, dass sie auch am Boden kugelförmig ist, erleichterte das Hineinstellen in ein brennendes Herdfeuer.

Insgesamt bargen die Archäologen zahlreiche Gefäßreste, aber auch weitere Gegenstände des Alltags wie eine Glasperle und die Reste eines Eisenmessers. Eine kreuzförmiges Email-Scheibenfibel des 9. oder 10. Jahrhunderts sowie zwei jüngere Silbermünzen des 14. und frühen 16. Jahrhunderts erweitern das Fundspektrum.

Große Randscherbe eines hochmittelalterlichen Kugeltopfs aus der Schlackengrube.

Große Randscherbe eines hochmittelalterlichen Kugeltopfs aus der Schlackengrube. © LWL-AfW Olpe/M. Baales

Schmuckstücke wie die Gewandspange aus Email wurden am Obergewand getragen und dienten dazu, Kleidung wie beispielsweise Umhänge zusammen zu halten. Fibel und Münzen hatte ein ehrenamtlicher Sondengänger entdeckt. Besonders interessant sind die Spuren der Eisenverhüttung und der Holzkohlenproduktion. Dass an diesem Ort Holzkohlen produziert wurde, zeigen die Reste von sogenannten Grubenmeilern.

Grubenmeiler dienten Köhlern im Mittelalter zur Herstellung von Holzkohlen. Diese wiederum war nötig zur Befeuerung von Schmiedeöfen und wurde auch bei der Eisenerzverhüttung verwendet. Holzkohle kam immer dann zum Einsatz, wenn besonders heiß brennende Feuer benötigt wurden.

Blick auf den Trassenabschnitt der Gaspipeline mit der großen Schlackengrube links im Vordergrund.

Blick auf den Trassenabschnitt der Gaspipeline mit der großen Schlackengrube links im Vordergrund. © LWL-AfW Olpe/M. Baales

In einer besonders großen Grubenverfüllung von über sechs Meter Länge und 2,5 Meter Breite fanden die Fachleute größere Mengen an Eisenschlacken, die auf Schmiedearbeiten im direkten Umfeld schließen lassen. „Diese Befunde deuten auf eine auf den Eigenbedarf ausgerichtete Produktion“, so der Grabungsleiter Sven Knippschild.

Grabungen gingen schnell über die Bühne

Bevor die Archäologen mit der Arbeit begannen, haben sie auf der Grundlage früherer Fundmeldungen das Untersuchungsgebiet festgelegt. Die Arbeiten fanden in enger Abstimmung mit der Bauleitung statt, sodass die Fläche in wenigen Tagen untersucht werden konnte.

„Derzeit werden im Grenzbereich der Städte Hamm, Bergkamen und Werne drei neue Gas-Pipelines verlegt. Diese umfangreichen Bodeneingriffe werden sämtlich archäologisch begleitet“ so Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der Außenstelle der LWL-Archäologie in Olpe

Lesen Sie jetzt
Ruhr Nachrichten Hochzeit in der Corona-Krise
„Corona hat uns eine Feier geschenkt!“ - Markus Schnatmann und Annika Böhle haben geheiratet