Armes Land ist reich an Lebensfreude

Namibia

WERNE 20 Werner Jugendliche und ihr vierköpfiges Betreuerteam begaben sich auf eine 14-tägige Reise durch Namibia, einem Land der Gegensätze. Hier stehen weite Landschaften, wilde Tiere und originelle Kunst Armut, Elend und Krankheit gegenüber. Dennoch versprühen die Menschen dort eine beispiellose Lebensfreude.

von Von Daniel Claeßen

, 06.11.2009, 17:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Schlafraum im Internat von Dornfeld.

Ein Schlafraum im Internat von Dornfeld.

Das Zimmer im Internat von Dornfeld zählt vielleicht 20 Quadratmeter. Auf dem kargen Betonboden stehen Stockbetten - insgesamt 21 Schüler schlafen hier. Ein 15-jähriger Junge strahlt: "Das ist hier Luxus. So etwas habe ich zu Hause nicht." "Hier habe ich ein Bett, bekomme etwas zu essen und darf zur Schule gehen", erzählt der 15-Jährige weiter. Sein Tag ist durchstrukturiert, der Unterricht stark auf selbstständiges Lernen ausgelegt. Die Schüler halten sich an die Regeln. "Nur wenn ich die Schule schaffe, kann ich einen Beruf erlernen", sagt der Junge.

Schwester Elisabeth, die das Internat lange geleitet hat, ergänzt leise: "Eine wirkliche Chance ist das dennoch nicht." Denn wer sich die 15 Euro pro Schuljahr leisten kann, hat noch lange nicht genug Geld, um auch eine Ausbildung zu finanzieren. Lebensfreude überträgt sich auf andere

Berührungsängste kennen die Afrikaner nicht - kaum war die Werner Delegation in Dornfeld angekommen, saßen sie mit im Klassenzimmer, tanzten auf dem sandigen Schulhof oder spielten bei 35 Grad im Schatten gegen eine Schulauswahl Fußball. Zwischendurch unternahmen die Jugendlichen mit Busfahrer Alfred Ausflüge in die nahe gelegene Stadt Gobabis - und in die Elendsviertel am Stadtrand, wo sechs Menschen auf drei mal vier Metern Wellblech und löchrigem Stoff leben. Hier gelang ihnen der Blick "über den Tellerrand" hinein in ein Leben, das den Menschen nicht viel mehr bietet als die Kleidung am Körper.

Das Besondere dabei: Die Menschen in Namibia strahlen trotz dieser Umstände eine Lebensfreude aus, die sich auch auf die deutschen Jugendlichen übertrug.Reise durch den Etosha-Nationalpark

Während der Reisen durch den Etosha-Nationalpark, zu den Sanddünen von Sossusvlei oder in die verfallene Geisterstadt Kolmanskop erklangen im "Werner Bus" immer wieder afrikanische Lieder - begünstigt durch die Stimme von Schwester Boitumelo, die die Gruppe seit dem Besuch in Dornfeld begleitet hatte.

Als die Jugendlichen ihren letzten farbenfrohen Sonnenuntergang in Namibia sahen, lag eine ereignisreiche Zeit hinter ihnen. Sie hatten Strauße gefüttert, Geparden gestreichelt, waren in der endlosen Weite der Namib-Wüste zur Besinnung gekommen, hatten die Tiefen des Sessriem-Canyon erkundet und die Meeresluft in der Bucht von Lüderitz eingeatmet - und viele neue Freunde jenseits des Äquators gewonnen. 

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