Riesiger Ast kracht in die Tiefe: Sturm und Trockenheit bedrohen Existenz der Bäume

rnSommerbruch im Stadtpark

Im Stadtpark löste sich ein riesiger Ast von einem Baum. Der Sturm sorgte für den Sommerbruch, der nur eine Folge des Extrem-Sommers ist. „Das habe ich so noch nie erlebt“, sagt der Revierförster.

Werne

, 13.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Aus der Krone eines gesunden Baumes hat sich am Samstag (10. August) ein riesiger Ast gelöst. Er krachte auf einen Gehweg im Werner Stadtpark. Verletzt wurde niemand. Zunächst war nicht klar, ob der beschädigte Baum gefällt werden muss.

Entwarnung gab es dann am Montagmorgen (12. August). Mitarbeiter des Bauhofes gaben nach den Aufräumarbeiten den gesperrten Gehweg gegen 7.30 Uhr wieder frei, wie Monika Biermann vom Bauhof erklärt. Der Baum, wohl eine Trauerweide, muss nicht weichen. Denn von der Pflanze geht laut Biermann keine Gefahr aus.

Dieser Sommerbruch ist wohl auf den Sturm am Wochenende zurückzuführen, glaubt Revierförster Marco Adamek (58.). Dass die Hitze eine Rolle gespielt hat, sei aber auch nicht auszuschließen. In Nordrhein-Westfalen sind aktuell immer mal wieder sogenannte Grünastbrüche zu sehen.

Besserung ist nicht in Sicht

Die Bäume sind in diesem Extrem-Sommer generell vielen Gefahren ausgesetzt. Die langanhaltende trockene Zeit macht ihnen zu schaffen. Mal wieder. Auch im vergangenen Jahr hatten viele Bäume Probleme mit der Hitze. Und Besserung ist nicht in Sicht, solange es weiterhin trocken bleibt.

„Wir machen uns wirklich große Sorgen um unsere Wälder. Wir haben auch jetzt wieder eine außergewöhnliche Trockenheit. Es ist so schwerwiegend, sodass man sich fragen muss, ob das noch ein normaler Zustand ist“, erklärt Revierförster Marco Adamek (58), der für die Forstbetriebe in Werne, Selm, Lünen, Cappenberg und Bork zuständig ist.

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Das Problem: Die Bäume ächzen nach Wasser. Die Böden, auch in Werne, sind staubtrocken. Die Pflanzen reagieren auf natürliche Weise. Sie lassen weniger oder kleinere Blätter austreiben. Schon viel früher als eigentlich vorgesehen stoßen sie grüne Blätter ab, weil sie nicht mehr mit Wasser versorgt werden können.

Laub – eigentlich ein typisches Bild für den Herbst – liegt bereits an vielen Stellen auf dem Boden. Vor allem die Buche, die laut Adamek besonders mit den extremen Wetterverhältnissen zu kämpfen hat, habe als Reaktion auf den vergangenen Sommer reagiert.

Riesiger Ast kracht in die Tiefe: Sturm und Trockenheit bedrohen Existenz der Bäume

Marco Adamek, seit 30 Jahren Förster, macht sich große Sorgen um die Zukunft der Wälder. © Andrea Wellerdiek (Archiv)

Buchen kämpfen ums Überleben

„Da sind die Baumkronen oft sehr schütte. Es werden bestimmt auch einige Kronen absterben“, sagt der Revierförster. Die Pflanzen können ihre Blätterdächer nicht mehr mit genügend Wasser versorgen. Während die Eiche besser zurechtkommt, müssten Buchen – darunter starke und über 120 Jahre alte Pflanzen – ums Überleben kämpfen, wie Adamek sagt.

„In dieser Form habe ich das in meinen 30 Jahren als Förster noch nie erlebt. Noch nie gab es so wenig Wasser“, so der Experte. Die Trockenheit sorgt dafür, dass die Bäume allgemein weniger Widerstandskraft – etwa gegen Schädlinge wie dem Borkenkäfer – aufbauen können. Und das, obwohl die hiesigen Wälder bereits mit gemischten Baumarten bestückt sind. Diese sollen robuster gegen Umwelteinflüsse sein.

Bäume bekommen Sonnenbrand

Deutlich kleinere und lichtere Kronen, die immer mehr zu sehen sind, erhöhen die Gefahr, dass die Rinden mehr Sonneneinstrahlung bekommen. So können auch Bäume einen Sonnenbrand bekommen. Die Rinde der Pflanzen ist dann beschädigt und kann Wasser nicht mehr in die Baumspitze transportieren. Nicht nur bei Buchen sorgt dies für eine echte Existenzbedrohung.

Bleibt zu hoffen, dass es endlich ordentlich regnet. Dies sei ein kurzfristiger Wunsch, sagt Adamek. Ob die langfristigen Folgen des Klimawandels überhaupt noch aufzuhalten sind, bezweifelt der Revierförster.„Es wird Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte dauern, bis sich der Wald von diesen Schäden erholt.“

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