Letzter Transporter nach Bosnien: Marica Hascha (66) räumt das Lager der Bosnienhilfe

rnBosnienhilfe

22 Jahre lang fuhren LKW-Ladungen aus Werne nach Bosnien, um dort arme Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Damit ist jetzt Schluss: Die Bosnienhilfe schickt einen letzten Laster auf den Weg.

Werne

, 25.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Marica Hascha den ersten Lastwagen mit Hilfsgütern nach Bosnien schickte, ahnte sie nicht, wie viele sie in den kommenden 22 Jahren hinterherschicken würde. „Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Es waren 150 oder 200“, schätzt die 66-Jährige gebürtige Bosnierin. „Wenn ich damals gewusst hätte, wie sehr das Projekt ausartet, hätte ich wohl nicht den Mut gehabt, es anzupacken“, fügt sie hinzu. Aus einer einmaligen Sache wurde schnell ein Verein.

Der schickte regelmäßig Nahrungsmittel, Pflegeprodukte und Möbel in das ehemalige Kriegsgebiet. In Sarajevo betreiben die Franziskanermönche eine Armenküche, in der täglich rund 700 Menschen versorgt werden. „Es kommt immer weniger Hilfe aus dem Ausland“, berichtet Hascha. Wie es ohne sie in der Armenküche weiter gehen soll, weiß sie nicht. Natürlich seien auch bosnische Organisationen dort aktiv. „Wenn es nicht mehr geht, muss man die Hilfe einstellen“, so Hascha.

Zoll, Knie- und Lagerprobleme sorgen für das Ende der Hilfe

Bereits im letzten Jahr wurde der letzte Transporter aus Deutschland angekündigt, doch Hascha konnte nicht loslassen. „Die Arbeit wird mir sehr fehlen, da muss ich mir selber nichts vormachen. Aber aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen wird es immer schwerer, die Bosnienhilfe am Laufen zu halten“, erklärt sie. „Die Welt hat sich geändert. Die Bundeswehr darf uns aus rechtlichen Gründen nicht mehr helfen und die Spedition kostet uns 2000 Euro pro Lastwagen“, fügt sie hinzu.

Dazu käme Zoll auf Möbel, der in Bosnien gezahlt werden müsste. Die Organisation vor Ort koste vor allem Nerven. Und durch eine fehlgeschlagene Knie-OP, die im kommenden Jahr wiederholt werden muss, sei sie nicht mehr so belastbar. Ein weiteres Problem: Das Lager für die Güter war bisher kostenfrei für die Bosnienhilfe. Ab Februar wird es anderweitig vermietet - spätestens dann muss alles draußen sein.

Jetzt lesen

In den 22 Jahren hat Hascha so Einiges erlebt - besonders freut sie sich über den Zuspruch der Familien, denen sie geholfen hat. „Neulich hat mich eine Familie mit 6 Kindern kontaktiert, denen ich auf meiner ersten Reise nach Bosnien geholfen habe“, erzählt sie. Sie fragten, wann sie wieder käme und wie es ihr ginge - aber haben nichts gefordert. „Ohne dich wären wir heute nicht wohlauf. Wir werden dich nie vergessen“, sagten sie.

Lastwagen im bosnischen Tiefschnee

Eine andere Geschichte ereignete sich im April. Temperaturen um 25 Grad waren angesagt - als der Trupp in Bosnien ankam, lag dort Schnee. Die Berge waren für Lastwagen gesperrt, doch den Hilfstransporter habe man durchgewunken. Dass das keine gute Idee war, merkten sie schnell: Der Wagen steckte mitten auf dem Berg im Schnee fest und kam „weder vorwärts noch Rückwärts“, so Hascha.

Um zwei Uhr nachts kam dann ein Bagger, um den Wagen freizubuddeln. „Wir hatten einen Mitarbeiter vom Ministerium dabei. Der konnte dann mit uns im LKW die Nacht verbringen“, erinnert sie sich. „Es war wirklich nicht immer leicht, aber ich bin wirklich froh um diese Erlebnisse“, sagt sie. Sie habe dabei sehr viel über Menschen gelernt.

Hascha ist sich jedoch sicher: „Ich werde schon nicht vor Langeweile sterben.“ Denn auch in Deutschland gibt es viele Menschen, die ihre Hilfe benötigen. So fahre sie zum Beispiel ältere Mitmenschen von A nach B: „Ich kann es nicht ablehnen, wenn mich jemand um Hilfe bittet.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Ruhr Nachrichten Brücke an der Münsterstraße
Figur an Fußgängerbrücke fehlt: Kehrt Heiliger Nepomuk nach dem Brückenabriss wieder zurück?