Die Orangensaft-Lieferkette beginnt in Brasilien. Dort streiken Arbeiter aufgrund von bedrohlichen Situationen. © Dino Santos
Eine-Welt-Laden

Ausbeutung und Abzocke: Verein aus Werne nimmt Orangenkartell ins Visier

Bei fair gehandelten Produkten haben die meisten Menschen Kaffee und Schokolade im Sinn. Aber auch hinter Orangensaft verbergen sich finstere Machenschaften. Ein Werner Verein beleuchtet diese nun.

Mehrere Männer stehen vor einer Art Schuppen mit Wellblechdach. Ihre Mienen sind ernst. An einem Gitter befestigt einer von ihnen ein Plakat mit einer Botschaft: Die Männer streiken. Für bessere Arbeitsbedingungen – auch, weil sie sich versklavt vorkommen. Die Szene stammt aus Brasilien. Im Jahr 2017 hat sie der Fotograf Dino Santos dokumentiert. Es ist eines von vielen Fotos, die aktuell in den Räumen des Arbeitskreises Eine Welt am Markplatz hängen.

Die Ausstellung „Lebenswelten“ der christlichen Initiative Romero gibt hier Einblicke in den Alltag der Arbeiter entlang der Lieferketten von Orangensaft – von der Ernte bis zum fertigen Ladenprodukt. Dabei berichten unter anderem Orangenpflücker von der schweren Schufterei in ihrer Heimat. Wie sie Schmerzmittel nehmen, um die 2.800 Kisten à 27 Kilo pro Monat zu schaffen. Wie sie kämpfen – um der Ausbeutung entgegenzuwirken. Und wie sie sich in Gewerkschaften organisieren.

Brasilien als größter O-Saft-Lieferant für Europa

Wenn es darum geht, den Sinn und Zweck von Fair-Trade-Produkten zu veranschaulichen, stehen zwei Produkte meist ganz oben auf der Liste mit Beispielen: Kaffee und Schokolade. Orangen haben hingegen wohl nicht viele Konsumenten auf dem Schirm. Aber gerade an diesem Beispiel könne man die Lieferkette mit all ihren dunklen Seiten gut erkennen, wie Annegert Günther vom Arbeitskreis erklärt.

Brasilien sei schließlich der größte O-Saft-Lieferant für Europa. Und anders als beispielsweise im Falle der Bekleidungsindustrie gebe es dort nur eine Handvoll großer Firmen, die die Fäden in der Hand hielten. Ein Orangenkartell also.

Ralf Haselhoff, Annegert Günther und Monika Böhm (r.) vom Arbeitskreis Eine Welt wollen mit der Ausstellung die Schattenseiten der Orangensaft-Lieferkette zeigen.
Ralf Haselhoff, Annegert Günther und Monika Böhm (r.) vom Arbeitskreis Eine Welt wollen mit der Ausstellung die Schattenseiten der Orangensaft-Lieferkette zeigen. © Felix Püschner © Felix Püschner

Günthers Mitstreiterin Monika Böhm sagt: „Wenn ich daran denke, wie wenig Lohn die Arbeiter in Brasilien erhalten, dass sie ohne Schutzkleidung mit Pestiziden arbeiten, oftmals als Wanderarbeiter auch noch für ihre Unterkunft zahlen müssen – dann empfinde auch ich das durchaus als Sklavenarbeit.“ Und wenn man wisse, dass all dies hinter dem Endprodukt im Laden steckt, „dann schmeckt der O-Saft schon sehr bitter“.

Hinzu kommt: Auch hierzulande sind die Arbeitsbedingungen nicht immer rosig – wenn auch in anderem Ausmaße. Auch das liest man unter einigen der ausgestellten Bilder. Zum Beispiel im Falle der Einzelhandelsverkäuferin, die von ihrer Arbeit im Schichtdienst berichtet – und die ebenfalls Schmerzmittel konsumiert, weil sie „morgens schon mal zwei oder sogar drei Tonnen Ware alleine wegpacken muss.“ Rückenschmerzen seien „immer da, jeden Tag“.

Der Arbeitskreis Eine Welt will mit der Ausstellung für das Thema sensibilisieren und für fair gehandelte Produkte werben. Den entsprechenden Fair-Trade-O-Saft gibt es natürlich auch im Eine-Welt-Laden. Genauso wie fair gehandelte Schokolade und Kaffee. Die dürfen nicht fehlen – auch wenn sie ohnehin schon viele auf dem Schirm haben.

Ausstellung und Infos

  • Die Ausstellung ist noch mindestens bis zum 3. Oktober zu sehen während der Öffnungszeiten des Eine-Welt-Ladens am Markt 5 (montags bis freitags von 10 bis 12.30 und 15 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 10 bis 12.30 Uhr).
  • Auf dem Bauern- und Handwerkermarkt ist der Verein ebenfalls mit einem Stand vertreten und informiert im Rahmen der Fairen Woche unter dem Titel „Zukunft fair gestalten“ über das Thema.
  • Der fair gehandelte Orangensaft kostet im Eine-Welt-Laden 2 Euro (1-Liter-Packung)
Über den Autor
Redakteur
Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner