Außergewöhnliche Verbrechen: Die Hexen von Werne - Opfer ihrer Zeit

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Mit der Geschichte von der kleinen Hexe feierte die Freilichtbühne große Erfolge. Doch es gab Zeiten in Werne, da ging es bei Geschichten von Wesen mit Zauberkräften um Leben und Tod.

Werne

, 23.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heutzutage dienen sie der Unterhaltung, locken ein großes Publikum an: Geschichten von Hexen und Zauberern und ihren magischen Fähigkeiten. Doch es gab Zeiten in Werne, da waren Geschichten über Wesen mit übersinnlichen Kräften gefährlich. Im Mittelalter ging es um Leben und Tod, wenn jemand der Hexerei bezichtigt wurde.

Aus heutiger Sicht sind die abgehaltenen Hexenprozesse, die meist mit einem Todesurteil endeten, eine Farce. Blickt man heute auf die Zeit zurück, muss man erkennen, dass die damals vermeintlichen Täter viel eher Opfer einer engstirnigen Gesellschaft waren. Dass Behauptungen ausreichten, um Menschen foltern und für angebliche Vergehen mit dem Tod bestrafen zu können, ist im Rückblick ein schwerwiegenderes Verbrechen als die vermeintlichen Taten selbst, die zur Anklage führten.

Wer mit dem Teufel im Bunde war, konnte nichts Gutes in sich haben. Dieser Gedanke wirkt bis heute fort, wenn Hexen als hässliche alte Vetteln dargestellt werden.

Wer mit dem Teufel im Bunde war, konnte nichts Gutes in sich haben. Dieser Gedanke wirkt bis heute fort, wenn Hexen als hässliche alte Vetteln dargestellt werden. © Mersch

Schuldsuche in Zeiten ausgeprägten Aberglaubens

Doch wenn der damalige weit verbreitete Aberglaube der Menschen auf Ereignisse traf, die niemand verstehen konnte, begann die Suche nach Schuldigen. Und in Werne und Umgebung gab es letztlich an die 60 Todesopfer, die wegen Hexerei und Zauberei angeklagt und zum Tode verurteilt wurden. Der Höhepunkt der Hexenverfolgung war das Jahr 1629. Von rund 55 Hexerei-Verfahren ist in den Archiven des Fürstbistums Münster und im Archiv Nordkirchen zu lesen. Mindestens 30 Menschenleben forderte die Verfolgung dieser vermeintlichen Hexen allein in diesem einen Jahr in Werne und Umgebung.

Elsa Hilligenhovers blieb in Erinnerung

Im Stadtarchiv Coesfeld finden sich sogar Schriftstücke, die ursprünglich zum Bestand des Altertumsvereins im Staatsarchiv Münster gehörten und die von einem Hexenprozess aus dem Jahr 1619 in Werne mit Urteilsvollstreckung in Stockum berichten. Darin ist die Rede von Elsa Hilligenhovers, der Name ist vielen Wernern bis heute ein Begriff. Sie gilt als Wernes Hexe. Doch sie war nicht die einzige angebliche Hexe der Stadt, lediglich ihr Fall ist aufgrund der alten Schriftstücke in Erinnerung geblieben.

Die Akte über den Hexenprozess ist bis heute erhalten.

Die Akte über den Hexenprozess ist bis heute erhalten. © unbekannt

Alte Prozessakte vorhanden

Die Schrift, in Sytterlin verfasst, ist gestochen scharf. So mancher Schnörkel verziert das alte Schriftstück, das von grausamen Dingen berichtet. Im Fürstlichen Brauhaus zu Werne stand Elsa Hilligenhovers am 19. Oktober 1619 vor dem Richter Engelbert Langenhorst. Angeklagt war sie wegen Zauberei. Auf der Magettheide am Westerholte sollte sie „auff den Teufelschen Nacht-Dantzen geweßen“ sein. Ein nächtlicher Tanz auf einer Weide. Mehr war es wohl nicht. Doch er sollte sie das Leben kosten. Im Prozess wurden Zeugen vernommen, die Unglaubliches gesehen haben wollten. Von einem alten Pferdekopf ist die Rede, und von einem Fuchsschwanz. Und Elsa sollte nicht allein gewesen sein. Ein Mann war an ihrer Seite. Der starb im Gefängnis.

Geständnis unter Folter

Unter Folter gestand die Angeklagte Elsa Hilligenhovers schließlich ein, was man ihr vorwarf. Dass es Folter war, wurde in den Niederschriften des Prozesses deutlich festgehalten. Und aufgrund der unter Folter gemachten Geständnisse wurde Elsa Hilligenhovers zum Tode verurteilt.

Hingerichtet wurde sie am 12. November 1619 - durch Verbrennung. Auf dem Scheiterhaufen wurde Elsa gefragt, ob sie bei ihrem Geständnis bleiben wolle, da sie sonst ihre christliche Seele beschmutzen würde. Da soll Elsa alles bejaht haben, um christlich zu leben und zu sterben.

In unserem Serienformat „10 mal Werne“ blicken wir auf Ereignisse zurück, die in der Lippestadt für großes Aufsehen gesorgt haben - etwa weil sie schockierend oder besonders kurios waren. Dazu gehören unter anderem 10 außergewöhnliche Verbrechen.
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