Bahn informiert nicht über Verspätung der Privaten

Kritik der Eurobahn

Verspätungen im Regionalverkehr sind für Pendler in Nordrhein-Westfalen ein tägliches Problem. Ob oder wann der Zug kommt, darüber wird zudem schlecht informiert. Die Pendler bleiben hilflos am Bahnsteig stehen. Die Eurobahn sieht die Hauptursachen dafür bei der Deutschen Bahn und kritisiert die Informationspolitik.

Werne

, 05.02.2014, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bahn informiert nicht über Verspätung der Privaten

Die Eurobahn auf der Strecke von Münster nach Dortmund. Das Unternehmen bedient unter anderem auch die Strecke des RE3 von Dortmund über Castrop-Rauxel nach Düsseldorf.

Auf der Internetseite des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) würden die Informationen minutengenau eingestellt. Auch die Homepage der Eurobahn sei aktuell und über Twitter und SMS versuche man die Kunden auf dem Laufenden zu halten. Doch viele Kunden gucken lieber auf bahn.de nach. „Gern würden wir auch direkt über die Bahn-Homepage informieren“, sagt Thomas Görtzen. Aber dort würden die privaten Unternehmen nicht berücksichtig, „weil Bahn und VRR sich offensichtlich immer noch nicht über die Modalitäten für diesen Service geeinigt haben.“

Die Beschwerden über unpünktliche Züge haben zuletzt auch bei der privaten Eurobahn zugenommen. Doch die sieht die Verantwortung für Verzögerungen nicht bei sich. „ Bis zu 90 Prozent unserer Verspätungen verschulden wir nicht selbst, sondern haben andere Ursachen“, sagt Thomas Görtzen, Leiter des operativen Geschäfts bei Keolis. Das Unternehmen betreibt in NRW die Eurobahn-Strecken wie die RB 50 zwischen Dortmund und Münster. Ein wichtiger Verspätungsgrund sei die Zugfolge: „Das heißt: Selbst wenn unsere Züge pünktlich abfahren könnten, müssen wir häufig im Bahnhof zum Beispiel wegen eines verspäteten Zuges im Fernverkehr warten“, so Görtzen. Grundlage ist eine bundesweite Regelung: „Grundsätzlich gilt, dass schnellere Züge langsamere überholen dürfen“, bestätigt eine Sprecherin der Deutschen Bahn: „Ziel ist, dass Verspätungen sich nicht überregional fortsetzen.“

Der Hintergrund ist Planung der Fahrpläne in ganz Deutschland: Ihr Rückgrat ist der Fernverkehr, der Nahverkehr muss sich daran orientieren. Dass es auch anders gehen würde, zeigt das Beispiel Niederlande: Hier müssen sich die wenigen Fernverkehrszüge den Regionalzügen anpassen, teilt der Fahrgastverband ProBahn mit. Das deutsche System hat aber nicht nur Folgen für die Fahrgäste der privaten Bahnen. „Das betrifft auch die DB-eigenen Unternehmen“, so die Bahnsprecherin. In der Tat weisen gerade die bahneigenen Linien im Ruhrgebiet die höchsten Verspätungsquoten auf. Besonders betroffen die Hauptlinie zwischen Dortmund und Köln. Nur ein Viertel der Fahrten des Regionalexpresses 1 sind laut Verkehrsverbund Rhein-Ruhr pünktlich.

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