Bahnhof-Renovierung: Ein Brandbrief des Bürgermeisters und seine Folgen

rnBahnhof Werne

Nach einem Brandbrief von Wernes Bürgermeister Lothar Christ kam die Deutsche Bahn schnell auf Trab. Schon eine Woche nach dem Schreiben starteten Renovierungsarbeiten am maroden Bahnhof.

Werne

, 05.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein Artikel dieses Medienhauses vom 12. April 2019 löste den Brandbrief von Wernes Bürgermeister Lothar Christ aus. In dem Artikel kam Stephan Boleslawsky, Chef der Bahntochter Station und Service, zu Wort. Er stellte ein Investitionsprogramm zur Verbesserung an Großstadtbahnhöfen vor.

Bahnhof-Renovierung: Ein Brandbrief des Bürgermeisters und seine Folgen

Der Bahnhofstunnel ist anfällig für Feuchtigkeit, sodass schon nach kurzer Zeit die Farbe wieder abzublättern beginnt und Nässeschäden auftreten. © Jörg Heckenkamp

„Da habe ich mir gedacht: Was den Großstädten recht ist, ist den kleinen Städten nur billig und habe Herrn Boleslawsky angeschrieben“, sagt Lothar Christ auf Anfrage dieser Redaktion.

Kommentar

Schnelle Reaktion oder schon geplant?

Es ist kaum vorstellbar, dass die Bahn wenige Tage nach Eingang des Schreibens eines Kleinstadt-Bürgermeisters einen Bautrupp nach Werne in Marsch setzt. Wahrscheinlich war die Tunnel-Renovierung sowieso schon geplant und Bahn-Manager Boleslawsky nahm das zum Anlass, schnellen Vollzug zu melden. Wie auch immer, er antwortete fix auf Lothar Christs Schreiben und stellt ein baldiges Treffen vor Ort in Aussicht. Insofern hat der Brandbrief aus Werne die Bahn doch auf Trab gebracht.

Der zweiseitige Brief ging am 12. Juni raus. Darin schilderte Christ eindrücklich den schlechten Zustand der Anlage. Zu uns sagte er: „Der Bahnhof Werne sieht ziemlich miserabel aus.“

Gegenüber dem Bahn-Manager beklagte der Bürgermeister den „heruntergekommenen Zustand“. Der Bahnhofstunnel sei stark verunreinigt, „großflächig bröckelt der Putz und an vielen Stellen löst sich die Farbe von den Wänden“. Christ untermalte seine Aussagen mit einigen aussagekräftigen Fotos.

Kaum zu fassen: Nur eine Woche nach Eingang des Brandbriefes aus Werne nahmen die Arbeiter im Bahnhofstunnel ihre Arbeit auf. Mit Schreiben vom 21. Juni antwortete der Bahn-Manager auf das Schreiben. Darin erklärt Boleslawsky, dass „die Wandbereiche durch fortwährende Entfernung (von Graffiti; Anmerk. der Red.) marode geworden“ seien.

Die Bahn habe am 17. Juni damit begonnen, die Wandflächen zu sanieren und man hoffe, „dass der Umgang mit unserer Infrastruktur etwas achtsamer wird“. Diese Renovierungsarbeiten sollen laut Auskunft einer Bahnsprecherin „Mitte bis Ende Juli“ beendet sein.

Bahnhof-Renovierung: Ein Brandbrief des Bürgermeisters und seine Folgen

Auch der Zugang zum Aufzug muss renoviert werden. Der Lift selbst funktioniert momentan relativ stabil. © Jörg Heckenkamp

Lothar Christ reicht das aber noch nicht. Er möchte mit Stephan Boleslawsky oder einem anderen Bahn-Vertreter einen Vorort-Termin ausmachen. „Vandalismus am Bahnhof ist ein großes Thema“, sagt Christ. So eine Verschandelung des Bahnhofes dürfte man nicht einfach hinnehmen. Christ kann sich weitere Maßnahmen vorstellen: „Die Beleuchtung in den Abend- und Nachtstunden muss besser werden.“

Sollte es zu solch einem Ortstermin kommen, dürfte der Bürgermeister auch die beiden anderen großen Anliegen der Stadt Werne in Sachen Bahnverkehr ansprechen. Zum einen die schnelle Sanierung der Dammschäden auf der Strecke zwischen Lünen und Münster. Zum anderen das Bemühen, einen zweigleisigen Ausbau zeitnah hinzubekommen.

Just zu diesem Thema hatte der Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwochabend, 3. Juli, einstimmig eine Resolution verfasst.

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