Der zweigleisige Ausbau zwischen Dortmund und Münster ist nicht das einzige Bahnprojekt in Werne. Früher sind andere Ideen, wie die Linie zum Flughafen und eine Schnellbahn, gescheitert.

Werne, Capelle

, 02.04.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Mit dem Koffer zu Fuß zum Bahnhof Werne, hinein in den Schnellzug und nach rund 45-minütiger Fahrt zum Flughafen und von Drensteinfurt ab in die Sonne. Ungefähr so sah das gewünschte Szenario der Verkehrsplaner in den 1970er-Jahren aus….

Doch genauso wenig, wie aus dem Flughafen etwas wurde, genauso wenig wurde was aus der geplanten Bahnstrecke. Sie ist nur eins von verschiedenen Bahnprojekten rund um Werne, die allesamt geplatzt sind, wie ein Blick in alte Ausschussunterlagen zeigt.

Internationaler Großflughafen Drensteinfurt

Von Werne bis zum internationalen Flughafen: Der Generalverkehrsplan Nordrhein-Westfalen sah in den 70er-Jahren vor, die als Endpunkte des sogenannten Städte-Schnellverkehrs vorgesehenen Städte Lünen und Hamm durch eine Schleife nördlich der Lippe über Werne miteinander zu verbinden.

Darüber hinaus sahen die Verantwortlichen eine mögliche Erweiterung bis an den internationalen Großflughafen Drensteinfurt/Sendenhorst vor.

Für die Streckenführung gab es verschiedene Planungen:

  • von Werne über Herbern nach Drensteinfurt
  • von Werne über Horst und Mersch nach Drensteinfurt
  • von Werne über Capelle und Mersch nach Drensteinfurt

Die Haltestelle für den Fernverkehr in Werne sollte am heutigen Bahnhof entstehen.

„Fehler aus den letzten Jahrzehnten wettmachen“

Im ersten Schritt ging es aber zunächst um die Anbindung Wernes an den Schnellverkehr zwischen Lünen und Hamm. Eine solche Verbindung sei „ohne Zweifel eine Verkehrsverbesserung von großer Bedeutung.

Sie würde einen verkehrspolitischen Fehler aus den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts wieder wettmachen, womit aber auch nichts über die wirtschaftspolitische Bedeutung aus heutiger Sicht gesagt sein soll“, heißt es in der ersten Stellungnahme des Stadtdirektors im Januar 1971.

Anbindung zum Flughafen und Schnellbahn mitten durch Werne: Diese Bahnprojekte scheiterten

Viele Wege führen nach Drensteinfurt: Die möglichen Anbindungen zum Flughafen sind in einer Karte aus den 70er-Jahren eingezeichnet. Von Werne (unten links) sollte die Bahn etwa über Horst und Mersch (untere Linie), über Herbern (mittlere Linie) oder über Capelle und Mersch (obere gestrichelte Linie) zum internationalen Flughafen nach Dreinsteinfurt führen. © Andrea Wellerdiek

Trostpflaster war der Bahnhof „Bergkamen-Werne“

Seinerzeit seien die Pläne zu einer Linie von Lünen parallel zur B54 verlaufend über Werne nach Hamm gescheitert. Stattdessen wurde der Bahnverkehr über den Süden Lünens (Bahnhof Lünen-Süd) und den zwischen Bergkamen und Werne errichteten Bahnhof nach Hamm geführt. Als „Trostpflaster“, so hieß es damals, wurde der Bahnhof „Bergkamen-Werne“ genannt.

Als die Zeche Werne um 1900 errichtet wurde, sah man es als Mangel an, dass man von der Lippestadt aus nicht direkt an den Bahnhof Hamm - seinerzeit einer der größten Eisenbahnknotenpunkte Europas – angeschlossen war.

Die Zechenbahn, die ab 1905 vor allem Güter transportierte, führte über Stockum nur bis nach Bockum-Hövel. Und als 1928 der Bahnhof in der Lippestadt eingeweiht wurde, fuhren die Bürger von dort aus lediglich auf der bis heute bestehenden Strecke zwischen Dortmund und Werne. Mit der Straßenbahn ging es von 1911 bis 1950 vom Werner Marktplatz bis nach Unna.

Eine direkte Zugverbindung nach Hamm blieb aus

Eine Verbindung nach Hamm blieb aber aus. Wenn es dazu gekommen wäre, hätte die Stadt Werne vermutlich eine andere Entwicklung genommen, glauben die Verantwortlichen rund 70 Jahre später.

Vor diesem Hintergrund heißt es in der neuen Planung für einen Schnellzug in der Stellungnahme 1971: „Eine Bahnlinie von Werne aus kann heute nicht mehr so zügig an das Hammer Schienennetz angebunden werden, da sie wie ein Teilstück einer Fernstrecke wirkt. Sie wird vielmehr – auch wenn wir sie Schnellbahn nennen – den Charakter eines Vorortzuges erhalten, der langsam im letzten Bahnsteig einläuft, weil ein Einschleifen über die Fernstrecke Hamm – Münster notwendig ist. Damit verliert die eingangs gegebene positive Betrachtung im Hinblick auf Fernverbindungen etwas an Gewicht.“

Keine Vorteile für Werne durch Anbindung an Flughafen

Aus diesem Grund wollten sowohl Lünen als auch Hamm nicht als Endhaltestellen dienen. So kam Werne ins Spiel. „Der Gedanke einer Schleifenverbindung über Werne könnte also fast von diesen beiden freundlichen Nachbarn uns unterschoben sein. Mit der Anbindung werden die Leute auch nicht in Scharen nach Werne zum Einkaufen kommen“, heißt es in der Stellungnahme.

Schwerpunkt liegt bei Omnibus-Linien

Und die mögliche Erweiterung zum internationalen Flughafen Drensteinfurt? Dies bewerteten die Verantwortlichen damals als „Abfallprodukt des Großprojektes“. Vorteile für Werne daraus zu sehen, seien irreal. Vor diesen Hintergründen verfolgte die Stadt Werne dieses Projekt nicht weiter.

„Wir sind Zentrum in einem Stern von Omnibus-Linien. Da liegen unsere Chancen. Im Netz einer künftigen Städte-Schnellbahn werden wir immer nur ein kleiner Mitläufer sein, den die dominierenden Anlieger gern als Kanonenfutter in ihren Reihen sehen“, heißt es in der Begründung.

Regionalbahn bleibt Wunschdenken

Auch die Verbindung über die 2007 ins Gespräch gebrachte Regionalstadtbahn nach Hamm blieb ein Wunschdenken. Die Linie sollte von Dortmund über Lünen, Bergkamen und Werne nach Hamm führen. Das Projekt sei „absolute Geldverschwendung“, hieß es damals etwa seitens der CDU.

Der Fraktionsvorsitzende Willi Jasperneite forderte die Kreisverwaltung Unna seinerzeit auf, die Planungen für das fast 140 Millionen Euro schwere Projekt unverzüglich einzustellen. „Niemand würde von Stockum oder Werne mit der Straßenbahn über Bergkamen nach Dortmund fahren“, zweifelte er den Sinn des Unternehmens an. Auch für Lünen ergebe sich angesichts bester bestehender Bahn-Verbindungen nach Dortmund kein Bedarf. Hamm werde ebenfalls nicht mitziehen.

Anbindung zum Flughafen und Schnellbahn mitten durch Werne: Diese Bahnprojekte scheiterten

Die Haltestelle für die Schnellbahn war zwischen der Jahnstraße und Bellingheide geplant. © Andrea Wellerdiek

Schnellbahn mitten durch Werne geplant

Wohl auch aus wirtschaftlichen Gründen ist ein weiter zurückgelegenes Bahnprojekt gescheitert. Im Stadtarchiv findet sich ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1928, auf der eine Schnellbahn-Haltestelle eingezeichnet ist. Sie sollte zwischen der Jahnstraße und Bellingheide entstehen, zwischen Hamm und Dortmund verkehren und mitten durch Werne verlaufen.

Wieso die Linie nie kam, ist unklar. Über die Pläne wissen auch Experten der Werner Historie - Heidelore Fertig-Möller oder Altbürgermeister Wilhelm Lülf - bis heute nichts. „Eine Schnellbahn mitten durch Werne? Davon habe ich nie gehört“, sagt Lülf auf Anfrage.

Anbindung zum Flughafen und Schnellbahn mitten durch Werne: Diese Bahnprojekte scheiterten

Blick ins Stadtarchiv: Auf einer Karte vom März 1928 ist die geplante Schnellbahn-Haltestelle zu erkennen. Susanne Maetzke, Leiterin des Stadtarchivs, zeigt auf die Stelle, an der die Haltestelle entstehen sollte. © Andrea Wellerdiek

Druck für aktuelles Projekt wird erhöht

Aus beiden Projekten wurde nichts. Wie sich das nächste Großprojekt der Bahn, der zweigleisige Ausbau entwickelt, wird sich zeigen. Die Politik erhöht zumindest den Druck. Auch viele Pendler und Bürger der beteiligten Kommunen begrüßen das Vorhaben.

Das war beim Projekt um den internationalen Großflughafen Drensteinfurt seinerzeit anders. Die hohe Lärmbelästigung und die Aufgabe von rund 60 Bauernhöfen standen immer wieder in der Kritik.

Der Flughafen, dessen Bau etwa drei Milliarden D-Mark kosten sollte, kam allerdings aus Gründen der Flugsicherheit nicht zustande: Die geplante Fläche lag in den Tiefflugschneisen der Nato sowie der britischen Militärflieger, die seinerzeit in Gütersloh stationiert waren.

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