Werner Traditionsbetrieb stellt Antrag auf Insolvenzverfahren „Energiekrise hat uns vollends eingeholt“

Redakteur
Das Firmengebäude von außen und Sebastian Beckmann
Sebastian Beckmann leitet den Betrib in vierter Generation. © Heckenkamp / Niehaus
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Schon seit 1875 gibt es den Druckdienstleister Beckmann in Werne. Das Unternehmen wurde seinerzeit als Buchhandlung mit angeschlossener Buchbinderei gegründet und wird mittlerweile in vierter Generation von Sebastian Beckmann geführt. Nun hat es Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, wie aus einer Pressemitteilung der beauftragten Insolvenz- und Sanierungskanzlei Andres Partner hervorgeht.

Darin wird unter anderem auch Geschäftsführer Sebastian Beckmann zitiert. Zu den Gründen äußert er sich so: „Die aus dem Ruder gelaufenen Energiepreise drohen uns, in die Knie zu zwingen. Schon im Frühjahr mussten wir Betriebskosten im mittleren fünfstelligen Bereich nachzahlen. Nun hat uns die Energiekrise aber vollends eingeholt.“

Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter

Das Amtsgericht Dortmund hat Rechtsanwalt Andreas Grund zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Dieser sei gerade dabei, sich einen Überblick über das Unternehmen und dessen wirtschaftliche Situation zu verschaffen, heißt es in der Mitteilung. Dazu führe er Gespräche mit allen wesentlichen Beteiligten. „Wir stehen zwar erst am Anfang unserer Arbeit, können aber feststellen, dass die gestiegenen Strom- und Gaspreise ein wesentlicher Faktor für den erforderlich gewordenen Insolvenzantrag gewesen sind“, sagt Grund.

Während er alle Sanierungsoptionen für das Unternehmen prüfe, laufe der Geschäftsbetrieb ganz normal weiter. „Aufträge werden wie bewährt angenommen und abgearbeitet“, heißt es. Die 14 Beschäftigten des Werner Unternehmens seien bereits über das Verfahren und die anstehenden Schritte informiert worden. Anstelle ihrer Löhne und Gehälter erhalten sie für drei Monate Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit.

Spezialisierung auf Rollendruck

Nach den Anfängen als Buchhandlung im 19. Jahrhundert spezialisierte sich das Traditionsunternehmen in den 1960er Jahren auf im Rollendruck produzierte Endlosformulare und Durchschreibesätze. Seit 2010 werden die drei Druckverfahren Rollendruck, Bogendruck und Digitaldruck angeboten.

„In Kombination mit einer hochmodernen digitalen Vorstufe und einer leistungsfähigen Logistik steht den Kunden über die gesamte Prozesskette größtmögliche Flexibilität und ein einzigartiges Leistungsspektrum für Flyer, Visitenkarten, Broschüren und weitere Geschäftsdrucksachen zur Verfügung“, heißt es in der Pressemitteilung über das Unternehmen.

Autos stehen vor dem Firmengebäude.
Das Unternehmen beschäftigt derzeit 14 Mitarbeiter. © Jörg Heckenkamp