Meldeamt wird zum Bürgerbüro – so verständlich ist Wernes Stadtverwaltung

rnVerständliche Behördensprache

„Rechtsbehelfsbelehrung“ statt „Ihre Rechte“ – die Sprache der Behörden ist oft kompliziert. Vielerorts gibt es Handlungsbedarf, so ein Experte. Wie verständlich ist die Werner Verwaltung?

Werne

, 12.03.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Der Spruch könnte auch lauten: Behördensprache, schwere Sprache. Wer einen Brief oder eine E-Mail von öffentlicher Stelle bekommt, muss vielleicht zweimal lesen oder nachfragen, um den Text zu verstehen.

Damit sich die Bürger im sprachlichen Behördendschungel besser zurecht finden, hat die Stadt Schwerte nun einige Bezeichnungen in der Verwaltung geändert. Aus dem Fachbereichsleiter wird etwa wieder der Amtsleiter, aus dem Fachbereich wieder Dezernat. Und wie verständlich ist die Stadtverwaltung Werne?

Einfache Sprache zeigt Bürgernähe

In Werne werden die Fachbereiche traditionell in Dezernate unterteilt. Diese werden von den jeweiligen Dezernenten geführt. Die darunter gestellten Abteilungen haben jeweils einen Abteilungsleiter. Ob die Bereiche nun Dezernat oder Fachbereich heißen – für Sven Henning aus dem Verwaltungsservice der Stadt Werne macht das keinen Unterschied.

Eine möglichst einfache Sprache hingegen zeigt Bürgernähe. In der Ansprache der Bürger, die sich aber bereits an viele typische Begriffe gewöhnt hätten, würde man möglichst einfach formulieren. Grenzen gebe es aber bei rechtlichen Vorgaben.

Wer Hilfe benötigt, findet sie schon seit Jahren im Bürgerbüro.

Nach dem Zusammenschluss verschiedener Ämter hat die Stadtverwaltung die erste Anlaufstelle für die Bürger bewusst umbenannt: Aus dem Meldeamt wurde das Bürgerbüro. „Es klingt wesentlich bürger- und kundenfreundlicher als Meldeamt“, sagt Henning.

Meldeamt wird zum Bürgerbüro – so verständlich ist Wernes Stadtverwaltung

Aus dem Meldeamt wurde längst das Bürgerbüro. © Wilco Ruhland (A)

Als Stärkung der Demokratie

Auch wenn es in Werne demnach keinen erhöhten Erklärungsbedarf und keine expliziten Schulungen der Mitarbeiter in Sachen „Behördendeutsch“ gibt, ist eine leicht verständliche Ansprache der Bürger essentiell, wie ein Experte betont.

„Zum einen sorgt eine vereinfachte Sprache für reibungslose Abläufe und spart Kosten. Zum anderen ist es eine Stärkung der Demokratie. Denn der Bürger wird ernst genommen“, sagt Prof. Dr. Helmut Ebert.

Darüber hinaus würde eine umgängliche Sprache zu einem besseren Eigenverstehen der Verwaltung führen, erklärt der Sprachwissenschaftler aus Bonn weiter. Schon lange beschäftigt sich der Professor für Organisationskommunikation mit der „Behördensprache“. 2006 veröffentlichte er den Ratgeber „Handbuch Bürokommunikation“ und beriet verschiedene Kommunen zu diesem Thema.

Noch ordentlich Nachholbedarf

Die Erfahrung, die er dabei gemacht hat: „Der Stand in Nordrhein-Westfalen ist enttäuschend.“ Eigentlich bedarf es einer zentralen Stelle, die die kommunikativen Kompetenzen bündelt und an die Kommunen weitergibt. Denn im sprachlichen Umgang der Mitarbeiter in Stadtverwaltungen mit dem Bürger gebe es hohen Handlungsbedarf, so Ebert.

Das gilt nicht nur für Formulare, sondern auch in der internen und externen Kommunikation. Typische Fehler seien demnach zu lange Sätze, unerklärte Fachwörter oder unübersichtliche Texte, in denen „mitten im Satz ein Paragraf kommt“.

Bürger dürfen rätseln

Das Problem sei oft auch die Binnensicht. Nach Außen hin sind die Texte unverständlich, nach Innen hin – wenn man so will aus Expertensicht – verständlich. „Damit macht man den Bürger zu einem Nichtwissenden“, sagt Ebert. Der Bürger muss rätseln – etwa wenn es heißt: „Sie werden zu gegebener Zeit informiert.“ Nicht selten geht es um einen gewissen Machtaspekt der Kommunikation, so Ebert.

In anderen Fällen geht es hingegen um eine Selbstdarstellung, wenn etwa Formulierungen aus dem Wahlkampf im Schriftverkehr verwendet wird.

Ein Parade-Beispiel für unnötige Fachwörter sei der Begriff „Rechtsbehelfsbelehrung“ am Ende von Formularen. „Da kann man ganz einfach auch ‚Ihre Rechte‘ draus machen“, sagt Ebert.

Das Gesetz sieht laut des Experten nur vor, dass der Empfänger über seine Rechte belehrt wird. In welcher Ansprache das geschieht, ist Sache des Verfassers. Gegen vereinfachte Sprache spricht also nichts.

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