Bibliotheken werden immer mehr zum Begegnungsort. Deshalb sollen sie auch sonntags geöffnet sein. Das ist auch in Werne wünschenswert. Es wäre das „i-Tüpfelchen“ der Bibliotheksstrategie.

Werne

, 15.05.2019, 17:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Ort zum Austausch, zum Arbeiten, zum Lernen, zum Treffen – Bibliotheken werden immer mehr zu sogenannten „dritten Orten“. Auch die Werner Stadtbücherei, die es schon seit 1957 gibt, hat sich in ihrer Bibliotheksstrategie zum Ziel gesetzt, mehr Raum für den sozialen Austausch zu schaffen.

Dazu befindet sich die Bibliothek aktuell in der Bestandsrevision. „Wir nehmen unseren Bestand unter die Lupe. Wir schauen, welche Medien nicht mehr gut aussehen und welche nicht mehr ausgeliehen werden“, erklärt Gerlinde Schürkmann, Leiterin der Stadtbücherei.

Werner machen bei wichtigem Tandem-Projekt mit

Damit möchte man bis Ende des Jahres die Voraussetzungen schaffen, um künftig weitere Arbeitsplätze anzubieten. Diese sollen dann in den kommenden zwei bis drei Jahren in der Einrichtung am Moormannplatz entstehen.

Denn schon jetzt ist der Trend erkennbar, dass es deutlich mehr Besucher (34.531 im Jahr 2017) als aktive Benutzer (4474) in der Bibliothek in Werne gibt.

Dass Bibliotheken verstärkt zum Ort der sozialen Begegnung werden, zeigt auch die Entwicklung in Nachbarländern. Als eine von acht Bibliotheken deutschlandweit wurde die Stadtbücherei Werne für die „Tandem-Tour“ ausgewählt.

Eindrücke aus den Niedelanden als Anregungen für Werne

Das ist ein Modul der Kulturstiftung des Bundes, bei dem die Verantwortlichen innovative Büchereien in Dänemark und den Niederlanden besuchten.

Dafür reiste Gerlinde Schürkmann gemeinsam mit Liane Jäger aus dem Kultur- und Jugendamt der Stadt Werne Anfang April in die Niederlande. Dort besuchten sie Bibliotheken in Amsterdam, Almere, Apeldoorn, Delft und Gouda.

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Restaurants, Cafés, ein angeschlossenes Museum und Archiv – die Häuser vor Ort seien in keiner Weise mit den Gegebenheiten in Werne vergleichbar, so Schürkmann. In Amsterdam erstreckt sich die Bücherei etwa über 28.000 Quadratmeter auf zehn Etagen.

„Es war einfach nur beeindruckend zu sehen, was möglich ist. Das war Luxus pur. Wir nehmen Anregungen mit und versuchen, es für Werne runterzubrechen“, erklärt Schürkmann.

Bibliothek als Begegnungsort: Sonntagsöffnung in Werner Bücherei wäre das „i-Tüpfelchen“

Die Stadt denkt darüber nach, den alten Eingang der Bücherei zum Moormannplatz zu reaktivieren. Auch das ist ein Ziel in der Bibliotheksstrategie. © Jörg Heckenkamp (A)

Wie die Stadtbücherei künftig gestaltet wird und wie viel Geld investiert werden kann, hängt auch von der Genehmigung von Fördermitteln ab. Nur mit der finanziellen Unterstützung des Landes sei das neue Konzept umsetzbar, machte Alexander Ruhe, Dezernent für Jugend, Familie und Bildung der Stadt Werne, bereits bei der Vorstellung der neuen Bibliotheksstrategie vor einem halben Jahr deutlich.

Etwa einen sechsstelligen Euro-Betrag würde allein die Umgestaltung der Bücherei kosten, schätzen die Verantwortlichen. Ob und in welcher Höhe es eine Förderung gibt, ist noch nicht entschieden. Klar ist, dass die Politik die Pläne aus der Bibliotheksstrategie, die bis 2024 angelegt ist, unterstützen will.

129 Veranstaltungen im vergangenen Jahr

Weiter forcieren möchte Gerlinde Schürkmann mit ihrem sechsköpfigen Team und den beiden Auszubildenden zudem die Zusammenarbeit mit Schulen und Bildungseinrichtungen der Stadt. Der Literaturkurs der Volkshochschule könne künftig zum Beispiel in der Stadtbücherei stattfinden, so Schürkmann.

Im vergangenen Jahr gab es 129 Veranstaltungen in der Bibliothek. Außerdem seien derzeit laut Schürkmann täglich Schulklassen in der Werner Bücherei zu Besuch.

Viele Kinder haben einen Mitgliederausweis

Das Interesse schlägt sich in den Mitgliederzahlen nieder. 81 Prozent aller Werner Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis zwölf Jahren (1422 Kinder) besitzen einen Büchereiausweis und nutzen diesen regelmäßig. In der Altersgruppe 13 bis 17 Jahre sind es immerhin noch 67 Prozent (1217).

Damit machen die Kinder und Jugendlichen (von ein bis 17 Jahren, insgesamt 2789) den größten Teil der Mitglieder aus. Zum Vergleich: 1148 Erwachsene haben einen Mitgliedsausweis und 345 Senioren (ab 60 Jahren) sowie 192 Institutionen (Kitas, Schulen, Seniorenheime).

Bücherei auch am Sonntag öffnen?

Vor allem an den Markttagen (Dienstag und Freitag) sowie am Samstag sei die Bücherei sehr gut besucht, erzählt Gerlinde Schürkmann. Aktuell wird auch eine Öffnung an Sonntagen diskutiert. Die NRW-Landesregierung hat nun einen Gesetzesentwurf erarbeitet, der es den kommunalen Bibliotheken ermöglichen soll, auch an diesem Wochentag geöffnet zu haben.

„Das wäre das i-Tüpfelchen der Bibliotheksstrategie“, sagt Gerlinde Schürkmann zu einer möglichen Umsetzung in Werne. Doch dafür müsste erst einmal das sogenannte „open library“-Modell hier greifen, mit dem sonntags die Bücherei mit Sicherheitsleuten, aber ohne bibliothekarisches Fachpersonal geöffnet werden kann.

Gemeinsam in die Bücherei

Berufstätigen Eltern bleibt in der Woche kaum Zeit, mit ihren Kindern eine Bibliothek zu besuchen. „Gerade an dem Tag, wo die gesamte Familie die Räumlichkeiten nutzen kann, haben die Bibliotheken bislang geschlossen“, erklärt Lorenz Deutsch, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, den Hintergrund des Gesetzesentwurfs.

Auch der Deutsche Bibliotheksverband (DBV) macht sich seit Langem für eine Sonntagsöffnung der Bibliotheken stark. Barbara Lison, Bundesvorsitzende des DBV und Leiterin der Stadtbibliothek in Bremen, hatte dort 2012/13 einen Modellversuch gestartet und an sechs Sonntagen öffnen können. Die Resonanz war hoch, sagt Lison. „Viele Familien sind gekommen, wir hatten teils nicht genug Platz für die Kinderwagen.“

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