Bier wird teurer: Preiserhöhung großer Brauereien ist auch in Werner Kneipen zu spüren

rnKneipen in Werne

Die großen Brauereien Radeberger und Krombacher erhöhen ab März die Preise für Fassbier. Das bekommen auch die Kunden in Werne zu spüren. Doch nicht jeder Wirt erhöht die Bierpreise.

Werne

, 11.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Das Bier wird teurer: Der führende deutsche Bierhersteller, die Radeberger Gruppe, hat angekündigt, seine Preise für Fassbier ab März zu erhöhen. Auch Krombacher und Veltins werden die Preise künftig erhöhen. So könnte das frisch gezapfte Bier in der Kneipe teurer werden.

Denn die Wirte geben solche Preiserhöhungen auch an den Kunden weiter. Wird ein kühles Blondes also auch ab März in Werne teurer? Die Gastronomen gehen ganz unterschiedlich mit der Preiserhöhung der großen Brauereien um.

„Brauereien wollen mehr Geld in der Gastronomie verdienen“

Über die Ankündigung ist Andreas Nozar überhaupt nicht erfreut. „Da wird die Schere zwischen den Preisen für den Privatmann und den Gastronomen mal wieder größer“, sagt der Inhaber vom Stilvoll im Rathaus.

Er erklärt, dass die Brauereien mit der Preiserhöhung vor allem in der Gastronomie gezielt mehr Geld verdienen möchten. Bier sei eines der wenigen Produkten, das seit der Euro-Umstellung 2002 nicht teurer wurde. Zumindest nicht für Privatpersonen.

„Eine Kiste Bier kostete vor der Umstellung 20 D-Mark im Handel. Jetzt kostet eine Kiste 10 Euro“, sagt Nozar. Bei einem Fass Bier hingegen sei der Euro-Preis deutlich teurer. 3,20 Euro pro Liter seien es durchschnittlich, während eine Privatperson etwa einen Euro pro Liter Bier bezahlt.

Bier wird teurer: Preiserhöhung großer Brauereien ist auch in Werner Kneipen zu spüren

Andreas Nozar wird die Bierpreise im Stillvoll im Rathaus erhöhen müssen. „Uns bleibt nichts anderes übrig“, sagt der Betreiber. Ärgerlich findet er es dennoch. © Vanessa Trinkwald (A)

Die nun angekündigte Preiserhöhung werde er an die Kunden weitergeben müssen, wie er sagt. „Das stellt uns immer mehr vor ein Riesenproblem. Die Löhne und der Wareneinkauf steigen immer weiter an.“ Nozar schenkt mit König Pilsener, Erdinger, Duckstein und Benedikter Weizen zwar Biere von Bitburger und der Carlsberg-Gruppe aus. Er glaubt aber, dass auch diese Brauereien die Preiserhöhung der Konkurrenz, Radeberger und Krombacher, mitgehen werden.

Er werde abwarten, bis Bitburger eine Preisanpassung vornimmt. Dann werde er für ein König Pilsener (0,25 Liter) wohl von 2,10 auf rund 2,40 Euro gehen müssen. Zuletzt hat er seine Preise nach eigenen Angaben vor zwei Jahren erhöht.

Kein Fassbier mehr im Stilvoll?

Es ist eine Entwicklung, die Nozar zum Nachdenken bringt. „Eigentlich müsste man ganz auf das teurere Fassbier verzichten und dann eine zeitlang nur Flaschenbiere anbieten.“ Schließlich muss er bei Fassbier auch immer die Kohlensäure, die Kühlung und die Reinigung der Anlage mit einberechnen.

„Die Leute wollen allerdings ein frisch Gezapftes haben“, sagt er und schätzt, dass 90 Prozent der Kunden ihr Bier lieber vom Fass als aus der Flasche bestellen. Und das wird künftig teurer im Stilvoll.

Überrascht von der Preiserhöhung

Daniela Herte, Inhaberin des Konrads Bistro, hat selbst noch gar nichts von den Änderungen gehört, gibt sie zu. Weil sie Warsteiner, Carlsberg und eben auch Krombacher ausschenkt, bekommt sie die angekündigte Preiserhöhung in jedem Fall zu spüren. Und die Kunden auch.

„Die Preiserhöhung muss weitergegeben werden. Das muss ich den Kunden wieder schonend beibringen“, sagt Daniela Herte. „Mir bleibt da nichts anderes übrig.“ Aktuell gibt es ein Pils (0,25 Liter) für 2,20 Euro.

Bier wird teurer: Preiserhöhung großer Brauereien ist auch in Werner Kneipen zu spüren

Daniela Herte, Inhabern von Konrads Bistro, war über die Preiserhöhungen überrascht. Sie wird sie an ihre Kunden weitergeben müssen - und ihnen es „schonend beibringen“. © Helga Felgenträger (A)

Anders sieht das in der Kneipe Hahnenbalken am Kirchplatz aus. „Ich sehe der Preiserhöhung ganz entspannt entgegen“, sagt Inhaber Darko Vukovic. Er sagt, dass er nicht jede Preiserhöhung mitmachen kann.

Auch nicht auf jede Preisanpassung der Brauereien könne er reagieren. Seine Preise kalkuliere er generell immer mit einem Puffer, sodass er nicht jede Preiserhöhung seiner Zulieferer mitgehen muss. Dementsprechend gibt es im Hahnenbalken keine neuen Preise, erklärt Vukovic.

Von der nun angekündigten Erhöhung der Radeberger Gruppe, Krombacher und Veltins ist Darko Vukovic nicht betroffen. Denn er schenkt Warsteiner und Bergmann-Bier aus. Doch auch bei diesen Bierherstellern könnte sich der Preis künftig ändern.

Bier wird teurer: Preiserhöhung großer Brauereien ist auch in Werner Kneipen zu spüren

Darko Vukovic vom Hahnenbalken sieht den angekündigten Preiserhöhungen für Fassbier entspannt entgegen. Seine Preise werden sich nicht ändern, so der Wirt. © Vanessa Trinkwald (A)

„Meistens ist es so, dass die Größten der Branche vorpreschen und die anderen Hersteller nachziehen. Das ist immer schade“, sagt Vukovic. Mit solchen Mechanismen, derartigen Preisabsprachen, würde man eine Marktwirtschaft außer Kraft setzen, so der Wirt weiter. Und es ist nicht rechtens.

Ende 2013/Anfang 2014 hatte das Bundeskartellamt wegen verbotener Preisabsprachen bei Bier Geldbußen in Höhe von insgesamt rund 338 Millionen Euro unter anderem gegen elf Unternehmen verhängt.

Bergmann-Bier am teuersten

Jeder Gastronom müsste stets individuell auch nach den eigenen Kosten die Bierpreise kalkulieren. Oft sei es dann leider so, dass die erhöhten Bierpreise der Hersteller an die Kunden weitergegeben werden. Im Hahnenbalken sollen die Preise bleiben.

Hier kostet ein Warsteiner (0,3 Liter) 2,50 Euro. Ein Bergmann-Bier (0,3 Liter) gibt es für 2,80 Euro. „Das ist mit das teuerste Bier in Werne. Es kommt aber auch von einer kleinen Brauerei in Dortmund. Die haben natürlich ganz andere Möglichkeiten und Kosten als eine große Brauerei“, erklärt Vukovic.

Preise in Mau’s Krone gerade erst erhöht

Auf eine Preiserhöhung verzichten wird auch Bärbel Hoferichter. Die Inhaberin von Mau‘s Krone musste „richtig schmunzeln“, als sie von der Preisanpassung der Brauereien gehört hat. „Denn wir haben unsere Preise erst zum 1. Januar erhöht, weil wir sie jahrelang nicht erhöht haben“, sagt Hoferichter.

Nun werde sie die Preise nicht noch einmal erhöhen. Ihre Kneipe sei sowieso dafür bekannt, die günstigsten Bierpreise zu haben. „Manche Gäste haben sogar schon gesagt, dass wir zu günstig sind“, erzählt die Wirtin.

Bier wird teurer: Preiserhöhung großer Brauereien ist auch in Werner Kneipen zu spüren

Bärbel Hoferichter hatte in ihrer BVB-Kneipe Mau‘s Krone erst zum Jahresbeginn die Bierpreise erhöht. Jetzt werde sie nicht noch einmal mehr draufschlagen. © Mario Bartlewski (A)

Seit Jahresbeginn hat sie nun vor allem wegen der höheren Kosten reagiert. Ein Pils (0,3 Liter) kostet nun 20 Cent mehr: 2,50 Euro. Für ein Pils (0,2 Liter) verlangt sie mit 1,70 Euro nun 10 Cent mehr.

In Mau‘s Krone gibt es verschiedene Biersorten: Veltins, Kronen Export, Pott‘s Landbier, Maisel‘s und Bayreuther hell und dunkel. Auch Bärbel Hoferichter rechnet damit, dass andere Brauereien ebenfalls nachziehen werden und nach Radeberger und Krombacher auch selbst ihre Preise erhöhen werden.

Steigende Nebenkosten und Löhne noch entscheidender

10 Cent mehr kostet das Glas Bier seit Mitte 2019 auch im Fränzers. In der Kultschänke hat Inhaber Marcus Kocha die Preise erst vor einigen Monaten erhöht. Ausschlaggebend seien dafür weniger steigende Preise der Brauereien, sondern höhere Kosten bei Löhnen, Strom und weiteren Nebenkosten.

„Jedes Jahr steigen die Kosten für Gastronomen um drei Prozent. In diesem Jahr sind es bei den Stromkosten zum Beispiel sieben Prozent“, erklärt Kocha.

Bier wird teurer: Preiserhöhung großer Brauereien ist auch in Werner Kneipen zu spüren

Neun verschiedene Biersorten vom Fass gibt es im Fränzers, erklärt Inhaber Marcus Kocha. © Andrea Wellerdiek

Die steigenden Bierpreise der Brauereien habe er mit einkalkuliert. „Krombacher hebt jedes Jahr die Preise an. Nun erhöht auch Radeberger die Preise. Und der Marktführer ist auch immer der Preisführer“, erklärt Kocha. Den steigenden Einkaufspreis für Fassbier kalkuliert er in seine Bierpreise mit ein.

Und die hat er erst vor einigen Monaten erhöht. Dabei bleibt es jetzt auch. Damit kostet ein Bier (0,2 Liter) nun 1,80 Euro und ein großes frisch Gezapftes (0,3 Liter) 2,70 Euro. Im Fränzers gibt es laut Kocha Fassbier von Krombacher, Warsteiner, Pott’s, der Radeberger Gruppe und Bitburger Braugruppe,

Auch einige Flaschenbiere werden teurer

Die Radeberger Gruppe begründet die Preiserhöhung ab März mit stetigen Kostensteigerungen - etwa in der Logistik und bei Energie- und Verpackungskosten. Wie hoch die Preisanhebung ist, ist noch unklar.

Neben den Preisen für Fassbiere hat das Unternehmen angekündigt, auch die Preise einiger Flaschenbiere zu erhöhen. Dazu gehören etwa Schöfferhofer Weizen, Berliner Pilsner und Ur-Krostitzer. Die Preiserhöhung gilt für die Gastronomie, den Großhandel und Handel.

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