Billig-Boom zwingt Bast zum Insolvenzverfahren

Matratzen- und Lattenrost-Produzent

Wo die Konkurrenz aus Fernost auf den europäischen Markt trifft, da wird es für heimische Produzenten schwierig. Kürzlich hat es auch die Firma Bast aus Werne getroffen, die Matratzen und Unterfederungen herstellt. Im März hat das Unternehmen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Auch die IG Metall meldet sich zu Wort.

WERNE

, 26.04.2016, 13:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Billig-Boom zwingt Bast zum Insolvenzverfahren

Die Firma Bast hat Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.

Das in der Sanierung befindliche Unternehmen Bast zieht nach sechs Wochen nun eine positive Zwischenbilanz. Das Verfahren habe laut Bast keine Auswirkungen auf die Liefer- und Leistungsfähigkeit. Heißt: Auch für die knapp 100 Mitarbeiter gäbe es derzeit keinen Grund zur Sorge, wie Monika Eckstein von der Burk AG bestätigt. Die in Krisenmanagement geübte Firma steht Bast während der Insolvenz zur Seite.

Bast produziert ausschließlich in Deutschland, was die Produktion im Vergleich zu Importen teuer macht. „Das ist ein Problem in der gesamten Möbelbranche – viele Verbraucher setzen derzeit auf billig“, sagt Eckstein. Burk-Vorstandschef Stefan Burk wurde für die Insolvenz in Eigenverwaltung vorübergehend zum Geschäftsführer bestellt, soll das Unternehmen zusammen mit Bast-Geschäftsführer Bernd Möllenbrink aus der Krise führen.

Kunden sprechen ihr Vertrauen aus

Burk lobt die „konstruktiven Gespräche in der Leitungsebene und den offenen Dialog mit der Mitarbeitervertretung“. Das zeige, dass das Unternehmen auf einem guten Weg sei. Auch Möllenbrink sieht positiv in die Zukunft. Er sei „überwältigt von den Vertrauensbekundungen der Kunden“. Dieser Zuspruch mache die Firma Bast zuversichtlich für das, was komme.

Auch bei der Belegschaft war am Montag nicht viel von schlechter Stimmung zu spüren. „Bisher läuft bei uns alles ganz normal weiter“, sagt ein Mitarbeiter der Firma vor dem Werksgelände. Die Tatsache, dass das Unternehmen das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung lediglich mit einem Sachverwalter an der Seite stemmt, stimmt den Mitarbeiter zuversichtlich.

IG Metall zeigt sich zurückhaltend

Am Dienstag meldete sich auch die Arbeitnehmerseite zu Wort. Dort geht man deutlich nüchterner mit der aktuellen Situation um. „Es ist sicher noch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen“, sagt Christian Thoenes auf Anfrage. Der IG-Metall-Betriebsbetreuer vertritt die Arbeitnehmerseite, sprich: Er sitzt für die Bast-Mitarbeiter im Gläubigerausschuss und führt Gespräche mit der Geschäftsführung.

Von eben jener hatte es am Dienstag geheißen, dass das Insolvenzverfahren „keinen Einfluss auf die Liefer- und Leistungsfähigkeit des Unternehmens“ habe, die Prozesse nach wie vor rund liefen.

Auf Gewerkschaftsseite ist man da deutlich vorsichtiger. Vieles liege noch im Unklaren, etwa, wie eine geplante Neuausrichtung des Unternehmens in Zukunft aussehen könnte. „Da müssen wir abwarten, welche Vorstellungen die Arbeitgeberseite hat“, sagt Thoenes.

Ängste bei der Belegschaft

Was den derzeitigen Stand betrifft, zeigt sich der Gewerkschafter vorsichtig optimistisch. Momentan sähe es nicht danach aus, als ob das Unternehmen vor die Wand fahre. „Aber die Ängste bei der Belegschaft sind trotzdem da“, schaut Thoenes auf die insgesamt 122 Bast-Mitarbeiter, die im schlimmsten Fall von einer Pleite betroffen wären.

Gerüchte, wonach Mitarbeiter des betrieblichen Fuhrparks unter Lohnkürzungen von bis zu 1000 Euro litten, konnte Thoenes am Dienstag nicht bestätigen: „Die Insolvenz umschließt den gesamten Betrieb der Firma Bast. Daher kann es nicht sein, dass es in ausgewählten Bereichen, beispielsweise im Fuhrpark, zu Gehaltseinbußen gekommen ist.“ Dies bestätigte auch der zweite Vorsitzende des Bast-Betriebsrats, Markus Reisch.

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