Die Bosnienhilfe räumt das Lager - doch das St.-Christophorus-Gymnasium will weiter Spenden sammeln

Bosnienhilfe

Am St.-Christophorus-Gymnasium wurde fleißig für bedürftige Menschen in Bosnien gesammelt. Die Leiterin der Bosnienhilfe gibt nach 22 Jahren auf. Die Schüler indes wollen weiter sammeln.

Werne

, 26.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Bosnienhilfe räumt das Lager - doch das St.-Christophorus-Gymnasium will weiter Spenden sammeln

Marica Hascha (66, ganz rechts) hat ein letztes Mal Spenden vom St. Christophorus-Gymnasium angenommen. Die Schüler helfen mit, die Pakete zu verladen. © Sylva Witzig

Nach 22 Jahren Bosnienhilfe geht Marica Hascha (66) in den Ruhestand. Wie viele Lastwagen mit Hilfsgütern sie in all der Zeit in das ehemalige Kriegsgebiet geschickt hat, kann sie gar nicht mehr zählen. Doch nun ist Schluss damit: Das Lager wird aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen geräumt und der letzte Laster voll geladen.

Das St.-Christophorus-Gymnasium unterstützte den Verein beinahe von der ersten Stunde an. In der letzten Woche wurde dort ein letztes Mal gesammelt: Rund 90 Packstücke und 460 Euro kamen für die Franziskaner, die eine Armenküche in Bosnien betreiben, zusammen.

Bosniensammlung hat sich am Gymnasium etabliert

„Es ist immer schade, wenn so ein Leuchtturmprojekt zu Ende geht“, sagt Schulleiter Thorsten Schröer. „Das soziale Lernen ist eine wichtige Säule des Schullebens“, betont er. Und deshalb wünsche er sich, dass das Projekt in anderer Form weiterginge.

Die Bosnienhilfe räumt das Lager - doch das St.-Christophorus-Gymnasium will weiter Spenden sammeln

Marica Hascha bringt noch einmal Weihnachtspäckchen nach Bosnien. © Sylva Witzig

Die Sammlung zum Elternsprechtag im Frühjahr und zu Weihnachten sei fest in der Schule verwurzelt. Die Eltern würden bereits fragen, wie es weiterginge. „Man hat ein gutes Gefühl dabei, etwas in die Sammlung zu geben, weil man genau weiß, wo die Spenden hingehen“, sagt der Schulleiter, der auch schon selber etwas gespendet hat.

„Die Spenden werden direkt eins zu eins an die Bedürftigen übergeben“, erklärt er das Prozedere. „Wenn man Kleidung in den Altkleidercontainer wirft, weiß man ja gar nicht, ob sich nicht jemand daran bereichert“, so der Schulleiter. Mit Haschas Verein habe er viele positive Erfahrungen gemacht. „Es fällt mir schwer, den Verein aufzugeben. Aber ich werde trotzdem weiter Menschen helfen“, erzählt Hascha. „Ich lasse keinen Menschen im Stich“, fügt sie hinzu.

Künftig gehen die Spenden möglicherweise an einen Herberner Verein

Und damit auch nach dem Ende der Bosnienhilfe die Hilfe vor Ort ankommt, haben die Schüler bereits genetzwerkt. „Wir sind bereits im Gespräch mit der Rumänienhilfe aus Herbern und einem ähnlichen Verein in Werl“, erzählt Simon Eidecker (18), der kurz vor dem Abitur steht. Er engagiert sich seit der siebten Klasse für die Sammlung, macht Werbung und organisiert mit Hilfe von Lehrerin Anna Maria Schoch und zwei Jahrgangsgenossen den Ablauf der Spendenaktion.

„Eine Spedition können wir leider nicht selber organisieren und finanzieren. Deshalb sind wir auf andere Vereine angewiesen“, so Eidecker. Er sei jedoch optimistisch, dass das Projekt weiterlaufen werde.

Die Bosnienhilfe räumt das Lager - doch das St.-Christophorus-Gymnasium will weiter Spenden sammeln

Viele Säcke voller Kleidung reisen noch in diesem Jahr nach Bosnien. Rund 30 Schüler halfen mit, die Spenden zu sammeln, zu verpacken und zu verladen. © Sylva Witzig

Da die Hauptorganisatoren im nächsten Jahr die Schule verlassen, braucht die Gruppe „frische Gesichter“, so Simon Wesselmann (18) aus dem Organisationsteam. Vermissen wird er den Trupp auf jeden Fall. „Man kann sich immer aufeinander verlassen“, betont der Oberstufenschüler. Gespendet wurden in diesem Jahr vor allem Kleidung und Lebensmittel. Einige Schüler, Lehrer und Eltern gaben auch Weihnachtsgeschenke ab.

Spenden werden weiterhin gebraucht

Mit der Summe der gesammelten Hilfsgüter sei das Schüler-Team sehr zufrieden - laut Wesselmann seien so viele Packstücke zusammen gekommen wie in den letzten Jahren. Dennoch gäbe es ab und an Bedenken bei den Eltern: „Manche fragen, ob das wirklich noch immer nötig sei - schließlich ist der Krieg in Bosnien schon rund 25 Jahre her“, so Lehrerin Anna Maria Schoch: „Da kann ich nur laut ja sagen. Viele Menschen in der Region leben in ärmlichen Verhältnissen.“ Und deshalb werden die Schüler des St.-Christophorus-Gymnasiums Wege finden, um weiterhin zu helfen.

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