Was hat den Brand im Amazon-Lager in Werne ausgelöst?

rnFeuerwehr Werne

Die Brandmeldeanlage des Amazon-Lagers in Werne hatte am Montagabend ausgelöst. Bevor die Feuerwehr eintraf, hatte die Sprinkleranlage schon perfekt gearbeitet. Am Tag danach bleiben Fragen.

Werne

, 09.06.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Montag, 8. Juni 2020, alarmierte um 18.34 Uhr die Brandmeldeanlage des Amazon-Logistikzentrums im Wahrbrink die Werner Feuerwehr. Als die Retter dort eintrafen, gingen die Mitarbeiter von einem geplatzten Rohr aus. Doch die Sprinkleranlage hatte genau das gemacht, was sie sollte: ein Feuer gelöscht.

„Als wir dort ankamen, sagten uns die Mitarbeiter, dass offenbar ein Rohr der Sprinkleranlage geplatzt sei“, sagt Bodo Bernsdorf, Leiter des Löschzuges Stadtmitte der Feuerwehr. Aber auf die Einschätzung von Laien „verlassen wir uns natürlich nicht“, so Bernsdorf. Also ging ein Trupp unter Leitung von Matthias Döbbe vom Löschzug Langern in die betroffene Halle 5. Döbbe kam schnell zurück und sagte, dass er Brandgeruch wahrgenommen habe.

Erkundung bei Amazon mit Atemschutz und Wärmebild-Kamera

Sofort machte sich ein größer Trupp von sechs Leuten unter Atemschutz und mit der Wärmebildkamera zu der Stelle auf, an der es nass war. Denn es war kein Rohr gebrochen, wie die Mitarbeiter angenommen hatten, sondern die Sprinkleranlage hatte aufgrund der Hitzeentwicklung in einem Hochregallager ausgelöst. Bodo Bernsdorf am Tag danach auf Anfrage der Redaktion: „Die Sprinkleranlage hat perfekt gearbeitet.“

Mehrere durch den Brand beschädigte Pakete wurden mit einem C-Rohr nachgelöscht. Die Sprinkleranlage hatte ihre Aufgabe perfekt erfüllt.

Mehrere durch den Brand beschädigte Pakete wurden mit einem C-Rohr nachgelöscht. Die Sprinkleranlage hatte ihre Aufgabe perfekt erfüllt. © Freiwillige Feuerwehr Werne

Doch am Montagabend galt es zunächst für die Wehrleute, den Brandherd zu lokalisieren und gegebenenfalls weiter zu bekämpfen. Es stellte sich heraus, dass sich der Brandherd etwa in einer Höhe von sieben bis acht Metern in dem Hochregal befand. Ein Amazon-Mitarbeiter unterstützte mit einem sogenannten Flurförderfahrzeug, eine Art Gabelstapler für große Höhen, die Wehr.

So konnten die Brandbekämpfer den Ausgangsort des Feuers lokalisieren und weiter bekämpfen. Bodo Bernsdorf: „Wir haben dann einen größeren Bereich des Lagers mit einem C-Rohr gewässert.“ Wie viele Pakete dadurch und den Brand in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist derzeit noch nicht ganz klar. Personen kamen nicht zu Schaden, der Rauch konnte in der riesigen Halle keinen Schaden anrichten.

Schaden bei Amazon ist noch nicht geklärt

Stephan Eichenseher von Amazon sagte auf eine Anfrage der Redaktion: „Durch das Feuer wurde kaum Ware beschädigt. Wir müssen klären, in wieweit das Löschwasser Ware beschädigt hat.“ Wie groß der materielle Schaden ist, „das können wir noch nicht abschätzen“.

Fragen bleiben auch hinsichtlich der Brandursache. Wie kommt es zu einem Flammenausbruch in einem Hochregallager? Es besteht die Vermutung, dass sich ein dort gelagertes Produkt entzündet hat. Bodo Bernsdorf von der Feuerwehr Werne führt den Fall an, „dass es vorkommen soll, dass sich beispielsweise Akkus von Notebooks selbst entzünden“. Ob das bei Amazon der Fall war, könne er allerdings nicht genau sagen. Amazon selbst hat auf Nachfrage am Tag danach noch keine Erklärung zur Entstehung des Brandes.

Der Brandherd befand sich in einer Höhe von sieben bis acht Metern in einem Hochregallager.

Der Brandherd befand sich in einer Höhe von sieben bis acht Metern in einem Hochregallager. © Freiwillige Feuerwehr Werne

Da der Logistiker eine sogenannte „chaotische Lagerhaltung“ praktiziert, lagen in dem betroffenen Teil „keine bestimmten Produktgruppen“, sagte Amazon-Sprecher Stephan Eichenseher, die möglicherweise Rückschlüsse auf die Entstehung geben könnten. Man werde nach dem Vorfall in die Analyse gehen und auch das Brandschutz-Konzept genau betrachten.

Nach Einschätzung von Feuerwehr-Mann Bodo Bernsdorf hat das Konzept gepasst: „Die Sprinkleranlage hat perfekt gearbeitet.“ Hilfreich sei auch die große Übung vor einem dreiviertel Jahr bei Amazon im Wahrbrink gewesen. „Wir wurden, wie damals abgesprochen, im Empfang genommen und innerhalb des großen Komplexes schnell zum richtigen Einsatzort geführt“, sagt Bernsdorf.

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