Bürgermeister Lothar Christ: „Es ist keine gute Idee, wenn sich Bürgermeister bewaffnen“

rnBedrohung von Amtsträgern

Der Bürgermeister von Kamp-Lintfort will aus Selbstschutz eine Waffe tragen. Leben Bürgermeister so gefährlich? Wir haben mit Lothar Christ über seine persönliche Bedrohungslage gesprochen.

Werne

, 13.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus Selbstschutz hat Christoph Landscheidt, Bürgermeister von Kamp-Lintfort, einen großen Waffenschein beantragt. Das würde bedeuten, er dürfte ständig eine Waffe tragen. Was sagt der Werner Bürgermeister dazu? Wie sieht seine persönliche Bedrohungslage aus? Lothar Christ (51) stand Rede und Antwort.

Hallo Herr Christ. Würden Sie im Falle einer Bedrohung einen Waffenschein beantragen?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Wäre das überhaupt eine Lösung? Bei Vorfällen wie in den letzten Jahren hätte eine Waffe wahrscheinlich nicht geholfen. Aber wer weiß, wenn man selbst bedroht würde, könnte man darüber anders denken.


Was sagen Sie denn zu dem Schritt ihres Amtskollegen in Kamp-Lintfort? Halten Sie den für richtig?

Ohne die genauen Einzelheiten zu kennen, das muss ich vorausschicken, halte ich es für keine gute Idee, wenn sich Bürgermeister bewaffnen. Es gibt ja vom Gesetzgeber bewusst hohe Hürden für die Ausstellung eines Waffenscheines.

Sind Sie schon mal bedroht oder bedrängt worden?

Nein, noch nicht, das ist mir zum Glück bislang erspart geblieben. Es wird schon mal hitzig in Diskussionen, aber bisher blieb das alles im Rahmen.

Wo war es besonders hitzig?
Das war auf einer Veranstaltung, auf der intensiv diskutiert wurde. Ein Redner hat dann deutliche fremdenfeindliche Äußerungen gemacht. Ich habe dann gedroht, die Veranstaltung abzubrechen, wenn das nicht aufhört.

Hat es aufgehört?

Ja, wir konnten die Diskussion dann in Ruhe fortsetzen.

Bürgermeister Lothar Christ: „Es ist keine gute Idee, wenn sich Bürgermeister bewaffnen“

Bei Kontroversen, wie etwa die Schließung des Lehrschwimmbecken,s kann es schon mal hitzig in der Diskussion werden. Bedrohungen oder Ähnliches hat Bürgermeister Lothar Christ aber noch nicht erlebt. © Mario Bartlewski (A)

Noch einmal zu Ihrer persönlichen Situation. Müssen Sie sich mit Hassbotschaften, zum Beispiel als E-Mail, auseinandersetzen?

Nein, das, was mich erreicht, würde ich nicht als Hassbotschaften bezeichnen.

Sondern?

Es gibt einige wenige Mitbürger in Werne, die sich mir gegenüber in E-Mails oder Briefen befremdlich äußern, aber das hält sich alles noch in einem verträglichen Rahmen.

Seit 2003 haben Sie als Beigeordneter in Werne gearbeitet, seit 2009 sind Sie Bürgermeister. Gab es im persönlichen Kontakt mit Bürgern, etwa im Wahlkampf, brenzlige Situationen?

Eigentlich nicht. Es gibt bei solchen Begegnungen manchmal unterschiedliche Meinungen, das ist normal. Aber eine gewisse Hemmschwelle darf nicht überschritten werden und wurde bisher auch nicht.

Gibt es Hinweise von Sicherheitsbehörden, wie Sie sich verhalten sollen. Etwa anonyme Telefonnummern, den Wohnsitz möglichst geheim halten oder Ähnliches?

So etwas gibt es nicht. Wir haben in Deutschland rund 11.000 Bürgermeister und ich würde sagen, dass wir nicht per se zu einer konkret gefährdeten Gruppe zählen.

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Nun sagt Herr Landscheidt etwas anderes. Und man denke nur an das Attentat auf die heutige Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Ich glaube auch, dass die Hemmschwelle für Bedrohung und tätliche Angriffe insgesamt in der Bevölkerung gesunken ist. An vermehrte Angriffe kann ich mich in den 80er- und 90er-Jahren nicht erinnern.

Gibt es innerhalb Ihrer Familie Bedenken, was Ihre herausgehobene Position angeht?

Nein, überhaupt nicht. Wir führen ein ganz normales Familienleben und bewegen uns wie andere auch in der Öffentlichkeit.

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