Polizei kontrolliert Schulbusse: Zu viele weisen Mängel auf

rnBodelschwingh-Schule

Fünf Beamte des Verkehrsdienstes der Polizei haben die Schulbusse an der Bodelschwingh-Schule in Heil kontrolliert. Das Ergebnis ist niederschmetternd und macht die Polizei ärgerlich.

Bergkamen

, 17.01.2020, 15:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hauptkommissar Jürgen Harkebusch vom Verkehrsdienst der Polizei in Unna kennt seine Pappenheimer schon. Als er den erste Kleinbus einer Firma aus dem nördlichen Kreis Unna sieht, muss er noch nicht einmal allzu genau hinschauen, um die ersten Mängel festzustellen. Vorne liegt das Schulbus-Schild flach auf den Armaturenbrett und ist so gut wie nicht zu sehen. Das Schild im hinteren Fenster ist hinter der abgedunkelten Scheibe kaum zu erkennen und zu klein. „Das dürfte eigentlich nur vorne angebracht sein“, sagt Harkebusch.

Die Busse stauen sich morgens vor dem Schulhof, wo die Schüler von Betreuern abgeholt werden.

Die Busse stauen sich morgens vor dem Schulhof, wo die Schüler von Betreuern abgeholt werden. © Michael Dörlemann

Busse aus dem gesamten nördlichen Kreisgebiet

Fünf Beamte des Verkehrsdienstes kontrollieren an diesem Freitagmorgen die Schulbusse, die Schüler zur Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule in Heil bringen.

„Sieben von 20 Bussen haben Mängel. Das sind zu viele. Es geht um die Sicherheit der Kinder.“
Polizeihauptkommisar Jürgen Harkebusch

Das sind viele: Schüler aus dem gesamten nördlichen Kreisgebiet (Bergkamen, Kamen, Bönen, Werne, Lünen und Selm) besuchen die Förderschule. Alle müssen mit dem Bus zu der Schule gebracht werden.

Etwa 20 biegen nach und nach in die Nördliche Lippestraße ein. Da es sich um Kinder mit einer geistigen Behinderung handelt, werden sie bis auf den Schulhof gebracht, wo die Betreuer aus der Schule sie in Empfang nehmen.

Das führt zum Stau: Nur wenige Busse haben auf dem Schulhof Platz und müssen dort noch wenden können. Der Rest staut sich auf der Nördlichen Lippestraße und wartet, bis wieder Platz ist.

Die kontrollierten Busfahrer mussten ihre Papiere vorzeigen, neben Fahrzeug- und Führerschein auch den Personenbeförderungsschein.

Die kontrollierten Busfahrer mussten ihre Papiere vorzeigen, neben Fahrzeug- und Führerschein auch den Personenbeförderungsschein. © Michael Dörlemann

Oberflächliche Kontrolle bei der Anfahrt

Das gibt den Beamten die Gelegenheit, die Schulbusse schon einmal oberflächlich in Augenschein zu nehmen. Diejenigen, bei denen die Beschilderung in Ordnung ist und bei denen keine anderen offensichtlichen Mängel bestehen, winken Harkebusch und seine Leute durch. Den anderen kündigen sie an, dass sie bei der Rückfahrt genauer kontrolliert werden.

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Der eine oder andere Schulbusfahrer nutzt die Wartezeit angesichts der Polizeikontrolle, um an der einen oder anderen Stelle nachzubessern. Eine Fahrerin stellt das Schild, das ebenfalls flach auf dem Armaturenbrett liegt, noch schnell hoch. Eine andere holt zwei Magneten vom hinteren Schild und befestigt das vordere Schulbus-Schild auf der Motorhaube.

Das nützt ihnen allerdings nicht viel: Die Polizei hat es gesehen. Harkebusch und seine Leute kündigen schon einmal an, dass sie die Fahrzeuge auf dem Rückweg anhalten.

Der Verkehrsdienst der Polizei verfügt seit dem Sommer über ein großes Fahrzeug, dass unter anderem mit einem Kopierer ausgestattet ist und Platz für mehrere Arbeitsplätze bietet.

Der Verkehrsdienst der Polizei verfügt seit dem Sommer über ein großes Fahrzeug, dass unter anderem mit einem Kopierer ausgestattet ist und Platz für mehrere Arbeitsplätze bietet. © Michael Dörlemann

Alle Fahrzeuge eines Unternehmens bemängelt

Das betrifft schließlich alle vier Kleinbusse, die das Unternehmen an diesem Morgen im Einsatz hat. Auch die Busse eines andere Unternehmens aus dem äußersten Nordkreis kontrolliert die Polizei intensiver. Sie sind aufgefallen, weil nur bei der Leuchtanzeige für das Fahrziel das Wort „Schulbus“ steht. Die vorgeschriebenen Schilder fehlen ganz. Es gibt eine ganze Reihe von Vorschriften, die von den Unternehmen beachtet werden müssen, die Schulkinder transportieren - insbesondere wenn es sich um Kinder mit einer Behinderung handelt.

In den meisten Fällen bemängelte die Polizei die Schulbus-Schilder an den Fahrzeugen.

In den meisten Fällen bemängelte die Polizei die Schulbus-Schilder an den Fahrzeugen. © Michael Dörlemann

Schulbus-Schilder müssen vorgeschriebene Größe haben

Außer den vorgeschriebenen orangenen Schulbusschildern, die vorne eine Größe von 40 mal 40 und hinten von 60 mal 60 Zentimetern haben müssen, gibt es noch weitere zwingende Vorschriften: Außer dem Fahrer muss noch mindestes eine Begleitperson mitfahren, die eingreifen kann, wenn ein Kind unruhig wird.

Jeder Bus muss einen Feuerlöscher haben und Notfallhämmer, um im Notfall die Scheiben zertrümmern zu können.

Auch damit fällt ein Bus auf: Er hat zwar Notfallhämmer an Bord. Aber die befinden sich alle hinter dem Fahrersitz, statt auch hinten im Bus.

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Ganz nebenbei fällt den Beamten eine Mutter auf, die wohl zufällig vorbeifährt. Sie hat den Kindersitz für ein Kleinkind nur unzureichend befestigt und muss ein Verwarnungsgeld von 30 Euro bezahlen.

Bußgeld für die ertappten Fahrer und Untermnehmer

So günstig wird es für die ertappten Busunternehmer nicht: Gegen sie leitet die Polizei ein Bußgeldverfahren ein.

Verkehrsdienst

Beamte kontrollieren Lkw und den Busverkehr

  • Der Verkehrsdienst der Polizei ist vor allem für Kontrollen beim Lkw-Verkehr zuständig.
  • Die Beamten kontrollieren aber auch regelmäßig im gesamten Kreisgebiet Busse, insbesondere den Schulbusverkehr.
  • Zur Unterstützung hat der Verkehrsdienst seit dem vergangenen Sommer einen eigenen Kleinbus, der unter anderem über einen Kopierer verfügt, damit die Beamten Daten von Führer- und Fahrzeugscheinen nicht per Hand erfassen müssen, mehrere Arbeitsplätze und einen Platz für Gespräche, zum Beispiel mit kontrollierten Fahrern.

Harkebusch ist äußerst unzufrieden mit dem Ergebnis der Kontrolle. Acht von etwa 20 Schulbussen hat die Polizei genauer kontrolliert. An sieben hat sie Mängel festgestellt. „Das sind viel zu viele“, ärgert sich Harkebusch, „schließlich geht es um die Sicherheit der Kinder.“

Er ist besonders ärgerlich, weil es sich nicht um die erste Kontrolle dieser Art an der Bodelschwingh-Schule handelt. Die Polizei kontrolliert etwa zwei bis drei Mal jährlich. Auch beim letzten Mal seien dieselben Unternehmen mit Mängeln aufgefallen.

Die Fahrer und die Unternehmen bekommen einen Bußgeldbescheid. Außerdem schreibt die Polizei an den Kreis Unna als Schulträger, welche Busunternehmen durch Mängel auffallen. „Möglicherweise hat das auch Konsequenzen bei der Vergabe der Aufträge“, sagt Polizeisprecher Christian Stein.

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