Krankenhaus statt Rennstrecke: Yannick Prillwitz startet in eine neue Karriere

rnSt. Christophorus-Krankenhaus

Sein Traum war die Formel 1, seine Karriere als Kart-Fahrer steil. Doch die Boxengasse hat Yannick Prillwitz mittlerweile gegen die Orthopädie eingetauscht. Der Grund: eine Million Euro.

Werne

, 28.05.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rein ins Kart, Helm-Visier heruntergeklappt und mit dem Fuß auf dem Gaspedal - der Moment, in dem das Rennen beginnt, war 13 Jahre lang das, wofür Yannick Prillwitz (23) gelebt hat: alles um sich herum vergessen, auf den eigenen Instinkt vertrauen und in jeder Situation einen kühlen Kopf bewahren.

Eigenschaften, die Prillwitz gerne auf den Formel-1-Rennstrecken in Monte Carlo, Melbourne und Monza eingesetzt hätte. Alles hatte er auf die große Karriere im Motorsport gesetzt. „Doch es lief ganz anders“, sagt Prillwitz.

Training auf der Playstation als Start für die Kart-Karriere

Statt auf der Rennstrecke kann er seine Fähigkeiten nun im Werner Christophorus-Krankenhaus einbringen. „Und das ist auch gut so.“ Doch wie kam es dazu? Mit acht Jahren setzte sich Prillwitz zum ersten Mal in ein Kart. „Da war ich total schlecht“, gesteht er und muss dabei lachen.

Krankenhaus statt Rennstrecke: Yannick Prillwitz startet in eine neue Karriere

Yannick Prillwitz beginnt eine Ausbildung im Christophorus-Krankenhaus. Eigentlich wollte er Rennfahrer werden. © Mario Bartlewski

Doch aufgeben kam für ihn nicht infrage. Er trainierte mit Rennspielen auf der Playstation, fuhr den Erwachsenen schon zwei Jahre später im Kart davon und setzte sich auch in professionellen Wettbewerben gegen Gleichaltrige durch. Als Erwachsener nahm er sogar an Europa- und Weltmeisterschaften teil und durfte sich mit Formel-1-Legende Michael Schumacher im Kart messen.

Prillwitz: „Das konnte ich mir einfach nicht leisten“

„Aber das ist ein teurer Sport - und wenn du was erreichen willst, musst du viel Geld locker machen“, sagt Prillwitz. Für seinen nächsten Schritt - die Teilnahme an der Formel 4 - sogar gut eine Million Euro, wie er sagt. In ein gutes Team einkaufen, reisen und mehr: „Das konnte ich mir einfach nicht leisten.“

Ein Plan B für die Zukunft musste also her - doch wie der aussehen sollte, wusste Prillwitz nicht. „Im Krankenhaus arbeite ich auf keinen Fall“, sagte er seiner Mutter damals, die auf einer Intensivstation arbeitet. Doch ein Info-Tag und ein Praktikum im St.-Christophorus-Krankenhaus überzeugten ihn. „Im Nachhinein würde ich die Arbeit im Krankenhaus der Kart-Karriere immer wieder vorziehen“, so Prillwitz.

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Ein Freiwilliges Soziales Jahr hat Prillwitz fast hinter sich und hat sich nun für eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger entschieden. „Das zeigt, dass man wirklich etwas ausprobieren muss, bevor man sich ein Urteil bildet“, so der strahlende Prillwitz, dem seine Liebe für den Job, über den er erzählt, anzusehen ist.

Dabei hat die Arbeit im Krankenhaus viele Parallelen zur Rennstrecke: Durch Reporter lernte er, auf Leute zuzugehen, auf der Rennstrecke, alles andere auszublenden und Ruhe zu bewahren. Doch noch viel mehr zeichnet ihn aus.

Pflegedienstleiterin lobt: herzlich und mitfühlend

„Er ist ein besonders herzlicher, mitfühlender und mitdenkender Mann“, sagt Pflegedienstleiterin Melanie Schneider. „Er hat schon ganz viele Fähigkeiten mitgebracht, die andere hier erst noch lernen.“

Bei der Arbeit ist Prillwitz aber auch persönlich gewachsen, gesteht er. „Sehen, wie sich Dinge entwickeln, neue Menschen und Geschichten kennenlernen und Gutes tun: Das macht mich glücklich.“

Die Rennkarriere ist für den 23-Jährigen zwar beendet, doch seine Krankenhaus-Karriere steht gerade erst am Anfang. Geht es nach ihm, würde er - wie seine Mutter - später auf der Intensivstation arbeiten. Doch Prillwitz weiß: Manchmal kommt es dann doch anders, als man denkt.

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