Christophorus-Krankenhaus Werne: Klinikleitung widerspricht Zweifeln an Personalsituation

rnKrankenhaus in Werne

Vielerorts herrscht an Kliniken Fachkräftemangel. Nicht nur beim Pflegepersonal, sondern auch bei den Ärzten. Eine Patientin des Christophorus-Krankenhauses ist nach dem Besuch der Notfallambulanz besorgt.

Werne

, 02.02.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Rita Eickhoff (62) an einem Sonntag mit Atembeschwerden die Notfallambulanz des St.-Christophorus-Krankenhauses aufsucht, ist sie entsetzt: „Für die ganze Innere Medizin gab es offensichtlich nur eine einzige Ärztin. Und die war zu dem Zeitpunkt auf der Intensivstation bei einer Not-OP im Einsatz. Das fand ich schon ziemlich beängstigend.“

Eickhoff, die selbst in der Pflege tätig ist, wartet anschließend gut drei Stunden, bis die Ärztin Zeit für sie hat. Außer ihr hätten noch vier andere Patienten so lange gewartet, sagt die 62-Jährige. Sie möchte aber auch klarstellen: An den Mitarbeitern hat sie nichts auszusetzen - ganz im Gegenteil. „Die waren alle sehr nett, auch die Ärztin. Und die Behandlung war ebenfalls prima.“

„Man macht sich da schon so seine Gedanken. Was ist, wenn jetzt ein Notfall reinkommt?“
Christophorus-Krankenhaus Werne: Klinikleitung widerspricht Zweifeln an Personalsituation

Patientin Rita Eickhoff ist nach einem Besuch in der Notfallambulanz des Christophorus-Krankenhauses in Werne besorgt um die Personalsituation. © Felix Püschner

Patientin Rita Eickhoff

Was ihr zu denken gibt, ist allerdings die Personalstärke. Die sei nicht nachvollziehbar, findet Eickhoff. „Man macht sich da schon so seine Gedanken. Was ist, wenn jetzt ein Notfall reinkommt? Wenn jemand einen Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommt? Da zählt ja jede Minute. Und das nächste Krankenhaus ist erst in Lünen“, so Eickhoff. Ihr sei durchaus klar, dass qualifiziertes Personal nicht günstig ist. „Aber wenn es um die Gesundheit geht, darf man einfach nicht sparen.“

Ludger Risse, Standortleiter des St.-Christophorus-Krankenhauses, zeigte sich auf Anfrage unserer Redaktion überrascht von den Aussagen. Die Dame habe möglicherweise etwas falsch verstanden: „Oder es hat sich jemand ungeschickt ausgedrückt.“ Fakt sei, das ständig drei Ärzte im Haus seien - jeweils einer für die Bereiche Chirurgie, Innere Medizin und Anästhesie/Notfallmedizin.

„Es gibt immer mal wieder freie Stellen durch normale Wechsel - aber keine Vakanz.“
Christophorus-Krankenhaus Werne: Klinikleitung widerspricht Zweifeln an Personalsituation

Ludger Risse, Standortleiter des Krankenhauses, versichert: Die Personalsituation ist ausreichend. © Felix Püschner

Ludger Risse, Standortleiter

Darüber hinaus gebe es einen „oberärztlichen Hintergrunddienst“ für jede Abteilung - und dementsprechend weitere vier Fachärzte. „Trotzdem kann es natürlich zu Wartezeiten kommen, nicht aber bei solchen Patienten, die über ein sogenanntes Triage System als rot - also gefährdet - erkannt werden. Diese werden sofort versorgt“, so Risse weiter.

Werner Krankenhaus vom Fachkräftemangel verschont?

Das klingt fast schon nach einer luxuriösen Personalsituation - zumal der Fachkräftemangel im medizinischen Bereich in Deutschland sich längst nicht mehr nur auf das Pflegepersonal erstreckt. So verweist beispielsweise der Marburger Bund als Verband der angestellten und beamteten Ärzte schon seit Jahren auf den Mangel an Fachärzten - auch in den Kliniken. Und viele von denen, die es gibt, seien überlastet, heißt es seitens des Verbandes.

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Auch am Christophorus-Krankenhaus gibt es laut Risse auf Seiten der Ärzte „immer mal wieder freie Stellen durch normale Wechsel, aktuell aber keine Vakanz. Wir sind ausreichend ärztlich besetzt.“ Etwa 75 Ärzte arbeiten aktuell am Werner Krankenhaus. Hinzu kommen rund 200 Pflegekräfte. Dennoch sucht man weiter.

Kampagnen im Pflegebereich

„Im Pflegebereich haben wir derzeit eine Kampagne und plakatieren beispielsweise im ganzen Haus. Ab und zu auch bei Facebook. Es gibt auch laufend Bewerbungen, die erfolgreich verlaufen“, sagt Risse.

Vor allem in Bereichen wie Intensivstation und OP sei es schwierig, Personal zu finden. Dennoch: Angesichts der Tatsache, dass nahezu überall aufgrund des Fachkraftmangels in der Pflege eher OP-Säle und Abteilungen brachlägen, sei man am Christophorus-Krankenhaus fast schon in einer „privilegierten“ Situation. „Auch da sieht es durchaus so aus, dass die geplanten Kapazitätsausweitungen personell dargestellt werden können“, sagt Risse.

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