Meinung

Corona trifft Wernes Wirte gleich doppelt – riesiger Personalmangel

Wernes Traditionskneipe Nummer eins sucht einen neuen Pächter. Bislang ohne Erfolg. Auch andere Gastronomen stöhnen, finden kaum Personal, müssen Öffnungszeiten reduzieren. Schwere Zeiten für Wirte.

Seit Monaten steht fest, dass Fränzer-Wirt Marcus Koch seinen Pachtvertrag Ende September 2021 auslaufen lässt. Nach fünf Jahren gibt der erfahrene Wirt auf. In weniger als drei Wochen werden die Zapfhähne in Wernes Traditionskneipe Nummer eins hochgedreht. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Aber das ist nicht in Sicht.

Eine dieser Verrücktheiten der Corona-Krise ist in der Gastronomie-Szene festzustellen. Denn die Krise traf die auf menschliche Kontakte ausgelegte Branche besonders hart. Als erste mussten Kneipen und Restaurants schließen, als letzte durften sie wieder eröffnen. Und jetzt der kaum zu erklärende Personalmangel.

Wirte könnten, wenn sie denn könnten

Wirte können schon seit einigen Monaten wieder durchgängig, wenn auch mit Auflagen, ihre Gäste bedienen. Wenn sie es denn können. Was nicht am Vermögen des Inhabers liegt, sondern schlichtweg am Personalmangel. Seltsamerweise finden die Mitarbeiter, die von den Corona-Schließungen betroffen waren, nicht den Weg zurück an ihren alten Arbeitsplatz. Sie haben sich offenbar anders orientiert.

„Ich kenne keinen Wirt in Werne, der nicht Personal für Küche oder Service sucht“, sagte vor einiger Zeit Heinrich Wittenbrink von Wittenbrinks Hof zu mir. Ihm war gerade die neue Auszubildende eine Woche vor dem Start abgesprungen. Auch aus anderen Betrieben ist zu hören, dass die einstigen Aushilfen im Service nicht zurückgekehrt sind.

Strobels im Solebad sucht dringend Personal

Das Strobels im Solebad Werne konnte nach dem Lockdown den Betrieb noch nicht richtig wieder hochfahren. Aktuell hat die schöne Gastronomie mit dem großen Biergarten nur von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Auf der Internetseite ist zu lesen: Das Strobels im Solebad-Team braucht Unterstützung! Wir suchen: Köche und Küchenhilfen, Vollzeit, Teilzeit, Aushilfen.

Die Pandemie trifft die Branche also doppelt hart. Erst die Schließungen bzw. Einschränkungen durch die Hygieneregeln und Kontaktverbote. Jetzt das schwierige Hochfahren der Betriebe mit großen Personalsorgen. Gepaart mit der Sorge vor neuen Einschränkungen im Herbst.

Paul Fränzer, Besitzer der gleichnamigen Kneipe und lange Jahre selbst der Wirt, war froh, als er vor mehr als fünf Jahren mit Marcus Kocha einen erfahrenen Nachfolger für seinen Gastronomiebetrieb gefunden hatte. Beide hatten sich wohl vorgestellten, den Kontrakt nach den fünf Jahren zu verlängern.

Doch Corona grätschte dazwischen. Nun muss Paul Fränzer, schon lange im verdienten Ruhestand, schauen, dass er einen neuen Wirt findet. Für ihn gerade die denkbar ungünstigste Zeit.

Über den Autor
Redaktion Werne
Jeden Tag Menschen hautnah - nichts ist spannender als der Job eines Lokalredakteurs. Deshalb möchte ich nichts anderes machen - seit mehr als 35 Jahren.
Zur Autorenseite
Jörg Heckenkamp