Corona zwingt Mitarbeitern von Amazon in Werne längere Wege auf

rnAmazon und Corona-Krise

Im Logistikzentrum von Amazon in Werne gelten strikte Hygienevorschriften, die ständig erweitert werden. Die Mitarbeiter müssen sich deshalb auf neue Regeln und Arbeitsweisen einstellen.

Werne

, 15.04.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

1500 Mitarbeiter sind aktuell im Logistikzentrum von Amazon in Werne beschäftigt. In der Corona-Krise sind allein 110 neue Kräfte hinzu gekommen, so viel ist gerade bei dem Online-Versandhändler zu tun. Um die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten, sind nicht nur externe Besucher im Werk tabu, sondern es gelten auch strikte Hygieneregeln.

Nicht nur bei der Geschäftsführung werden die Maßnahmen in der Corona-Krise täglich diskutiert. Auch die Mitarbeiter tauschen sich über die Sicherheitsvorkehrungen aus und schauen, an welchen Stellen noch nachgebessert werden muss. Für sie bedeutet die derzeitige Corona-Krise auch an einigen Stellen neue Arbeitsweisen.

Einbahnstraßen-Regelung im Werner Amazon-Werk

„Man hat das Gefühl, dass jeden Tag neue Regeln dazu kommen. Da muss man selbst immer gucken, worauf zu achten ist. Aber ich finde es gut, was getan wird“, erklärt Markus Drac (30), der seit fast vier Jahren bei Amazon in Werne arbeitet. Die Verantwortlichen achteten strikt darauf, dass die Mitarbeiter sich an den Sicherheitsabstand - möglichst zwei Meter - halten.

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Schwarzgelbe Markierungen auf den Böden weisen bereits auf dem Weg vom Parkplatz bis zum Eingang des Logistikzentrums auf die Abstände hin. Zudem wurden laut Geschäftsführer Ivan Saric (33) einzelne Regale in den Lagern leer geräumt, um automatisch für mehr Abstände zu sorgen. Im Werk in Werne gilt außerdem ein sogenanntes Einbahnstraßensystem zum Schichtanfang und -ende.

Fußweg dauert nun länger

Diese Wegeführung in eine Richtung kann zu längeren Wegen innerhalb des Werkes führen. Darum und um den nötigen Abstand einzuhalten sind die Pausen für die Mitarbeiter verlängert worden, erklärt Saric. „Manchmal muss man warten, wenn man zu Fuß unterwegs ist und ein anderer Mitarbeiter vor einem läuft“, sagt auch Versandmitarbeiter Markus Drac.

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Bei Amazon in Werne gelten in der Corona-Krise strikte Hygieneregeln

Einbahnstraßenregelung, Sicherheitsabstand und viele Desinfektionsmittel-Spender: Im Logistikzentrum von Amazon in Werne herrschen aktuell strikte Hygieneregeln zum Schutz der Mitarbeiter in Zeiten der Corona-Krise.
15.04.2020
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Amazon in der Corona-Krise: Gleich am Eingang wird klar, welche strikten Hygienemaßnahmen im Werner Amazon-Werk herrschen.© Andrea Wellerdiek
Schwarzgelbe Markierungen auf den Böden weisen auf den Sicherheitsabstand hin. Dieser gilt auch auf den Fußwegen von den Parkplätzen zum Eingang des Logistikzentrums.© Andrea Wellerdiek
Immer auf Abstand: Die Amazon-Mitarbeiter sitzen in der Pause immer mit gewissem Sicherheitsabstand zueinander.© Andrea Wellerdiek
Blick in die Kantine: Auch hier wurden Tische und Stühle bewusst auseinander gestellt, um den Sicherheitsabstand einzuhalten.© Andrea Wellerdiek
Der entzerrte Bereich der Kantine. Die meisten Mitarbeiter halten sich an den vorgesehenen Sicherheitsabstand von zwei Metern.© Amazon
Pro Schicht sind zehn Mitarbeiter extra dafür abgestellt, die Sicherheitsabstände zwischen den Mitarbeitern zu kontrollieren.© Andrea Wellerdiek
Zwischen den Lagern sind auch die schwarzgelben Markierungen zum Sicherheitsabstand zu sehen.© Amazon
Im Amazon-Logistikzentrum in Werne gilt die Einbahnstraßenregelung. Das führt zu längeren Fußwegen. Deshalb wurden die Pausen verlängert.© Amazon
Für jeden Mitarbeiter stehen Atemschutzmasken zur Verfügung. Jeder Einzelne darf entscheiden, ob er die Maske tragen möchte oder nicht. Etwa 30 bis 40 Prozent der Belegschaft trägt die Atemschutzmasken freiwillig, erzählt Ivan Saric, Geschäftsführer des Werner Logistikzentrums.© Amazon
Desinfektionsmittel-Spender gibt es etwa im Abstand von 50 Metern im Werner Amazon-Werk.© Amazon
Nur noch Artikel bis maximal 15 Kilogramm werden aus dem Werner Logistikzentrum versendet. Artikel, die schwerer sind, müssten zu Zweit getragen werden. Und da kann der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden.© Amazon
Der Bereich an den Schließfächern für Mitarbeiter wurden in der Corona-Krise entzerrt. Außerdem sollen die Mitarbeiter ihre Taschen und Jacken möglichst im Auto lassen.© Jörg Heckenkamp

Pro Schicht seien allein zehn Mitarbeiter abgestellt, die sich ausschließlich darum kümmern, die Sicherheitsmaßnahmen zu kontrollieren und Mitarbeiter gegebenenfalls auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen, erzählt Ivan Saric. Doch das komme selten vor. „Mutwillig verstößt kein Mitarbeiter gegen die Regeln. Aber im Affekt, vielleicht im Gespräch, kann es schon einmal vorkommen, dass der Abstand nicht eingehalten wird“, erklärt Saric.

Schwarzgelbe Bänder markieren den Sicherheitsabstand, der bereits vom Parkplatz bis zum Eingang des Logistikzentrums in Werne gilt.

Schwarzgelbe Bänder markieren den Sicherheitsabstand, der bereits vom Parkplatz bis zum Eingang des Logistikzentrums in Werne gilt. © Andrea Wellerdiek

Die Sicherheitsvorkehrungen in den einzelnen Logistikzentren in Deutschland sind aktuell das bestimmende Thema bei Amazon. „Ich wurde schon lange nicht mehr nach irgendwelchen Kennzahlen gefragt, sondern nur danach, ob die zwei Meter Sicherheitsabstand eingehalten werden“, erzählt der Geschäftsführer.

Begegnungen beim Schicht-Wechsel

Mitarbeiter Markus Drac unterstützt die Sicherheitsvorkehrungen. „Insgesamt läuft das gut. Nur beim Schicht-Wechsel ist es manchmal etwas eng an den Spinden. Da wollen die Kollegen, die ihre Nachtschicht gerade beendet haben, schnell raus“, erklärt der Kamener. Eine Schwachstelle, die Ivan Saric und Martin Pausch, Brandschutzbeauftragter im Werner Amazon-Werk, sich gleich angeguckt und behoben haben.

Blick in die Kantine: Auch hier gilt wie in allen Pausenbereichen ein Sicherheitsabstand von zwei Metern.

Blick in die Kantine: Auch hier gilt wie in allen Pausenbereichen ein Sicherheitsabstand von zwei Metern. © Andrea Wellerdiek

Das Thema Sicherheitsvorkehrungen in der Corona-Krise sei „eine Mammut-Aufgabe“, erzählt Ivan Saric. Auch auf das Sortiment im Werner Logistikzentrum hat die Krise Auswirkungen. Es werden derzeit keine Artikel versendet, die schwerer als 15 Kilogramm wiegen.

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Denn diese Artikel müsste man zu Zweit tragen. Ein Sicherheitsabstand von zwei Metern sei dann nicht mehr einzuhalten. An anderen Stellen könne der Abstand automatisch eingehalten werden, berichtet Saric. Das gilt etwa für die vielen Mitarbeiter, die Fahrzeuge in dem Versandlager lenken.

Die Sicherheitsmaßnahmen helfen zum Schutz der Mitarbeiter. Einen mit Corona infizierten Mitarbeiter gab es bei Amazon in Werne bislang nicht, erklärt Ivan Saric. Und das soll auch so bleiben. Künftig soll jeder Mitarbeiter schon vor Arbeitsbeginn auf Fieber gemessen werden.

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